Klangvolle Stoffe

Was bleibt, wenn die Töne einer Rach­ma­nin­off-Sin­fo­nie ver­klun­gen sind? Wer mehr will als eine schö­ne Erin­ne­rung für den hält die Lon­do­ner Desi­gne­rin Nadia-Anne Ricketts eine über­ra­schen­de Lösung bereit. Mit ihrem Label Beat­wo­ven wan­delt sie Musik in Tex­til­de­sign um.

 
 
 

Wenn Nad­ja-Anne Ricketts mit der Arbeit beginnt lehnt sie sich zuerst ein­mal ent­spannt zurück und lauscht den Klän­gen aus ihrem Rech­ner. Wie­der und wie­der hört sie sich ein Stück an, bis jede Faser ihres Kör­pers durch­drun­gen scheint von Tönen. Wäh­rend­des­sen trans­for­miert ein Audio­pro­gramm Töne und Rhyth­men in geo­me­tri­sche Mus­ter. 2008 hat­te die Desi­gne­rin eine inter­es­san­te arith­me­ti­sche Ver­bin­dung zwi­schen musi­ka­li­schen Prin­zi­pi­en und dem Auf­bau eines geweb­ten Stoffs ent­deckt. Sie war so begeis­tert von der Idee bei­des zu ver­bin­den, dass sie nicht ruh­te, bis bereits ein Jahr spä­ter ein eige­nes Com­pu­ter­pro­gramm ent­wi­ckelt war, die­se Ver­bin­dung darzustellen.

Mit Hil­fe von Pixeln wer­den am Bild­schirm nach und nach die Struk­tu­ren und Mus­ter eines Musik­stücks sicht­bar: Aus­gangs­punkt aller avant­gar­dis­ti­schen Tex­tild­essins von Nadia-Annes Label Beat­wo­ven. Denn an die­sem Punkt greift die Desi­gne­rin aktiv in den Pro­zess ein, ana­ly­siert Stück, Kom­po­si­ti­on, For­mat und legt Far­ben, Garn wie Struk­tur fest. „Musik ist eine uni­ver­sel­le Spra­che und in allen Kul­tu­ren zu fin­den“ ist Nadia-Anne über­zeugt, die neben­bei nicht nur die Web­schiff­chen nach ihrem Rhyth­mus tan­zen lässt, son­dern auch selbst als Pro­fi-Tän­ze­rin arbei­tet. „Ich fin­de es sehr beson­ders das Unbe­rühr­ba­re der Musik in geweb­te Tex­ti­li­en zu über­set­zen. Es ent­steht tak­ti­le Musik, die in einem Inte­ri­eur eine Geschich­te erzählt, sei es nun ein Kla­vier­kon­zert als Wand­be­hang oder ein ara­bi­sches Gebet als Pols­ter­stoff. Ein sehr sinn­li­ches Erleb­nis.“ In einer der letz­ten eng­li­schen Sei­den­we­be­rei­en wer­den Nadia-Annes Kom­po­si­tio­nen an den Web­stuhl wei­ter­di­ri­giert und das einst nur akus­ti­sche in ein tex­til-tak­ti­les Kunst­werk verwandelt.

 
 
 

Die Freun­de klas­si­scher Musik waren so begeis­tert von die­ser Mög­lich­keit, dass Nadia-Anne in die­sem Jahr den Auf­trag erhielt für die Roy­al Fes­ti­val Hall im Rah­men des Lon­don Phil­har­mo­nic Orches­tra Fes­ti­vals einen Stoff nach Rach­ma­nin­offs Kla­vier­kon­zert No. 2 zu kom­po­nie­ren. Dass sie neben Klas­sik jedes Gen­re von Tech­no bis Jazz beherrscht hat die musi­kaf­fi­ne Lon­do­ne­rin dem rus­si­schen Kom­po­nis­ten jedoch klar vor­aus. Neben ihren eige­nen Kol­lek­tio­nen, die sie in ihrer unver­wech­sel­ba­ren Tech­nik ent­wirft, kann Nadia-Anne auch jedes Lieb­lings­lied ihrer Kun­den in Stoff über­tra­gen und fer­tigt auf Wunsch dar­aus Vor­hän­ge, Kis­sen, Wand­be­hän­ge oder ein indi­vi­du­el­les Kleid für Sofas und Ses­sel. Bleibt nur die Fra­ge: Womit hät­te wohl Rach­ma­nin­off sei­nen Kla­vier­stuhl bezogen?

www.beatwoven.co.uk

 

 

 

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