Bauhaus Ausstellung: Alles unter einem Dach

Mit einer großen Ausstellung präsentiert das Vitra Design Museum noch bis zum 28. Februar 2016 eine Übersicht des Designs am Bauhaus und zeigt, dass die legendäre Kulturinstitution wesentlich mehr hervorgebracht hat als kühle Stahlrohrmöbel.

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Stellt sich heute die Frage nach einem typisch deutschen Stil fällt sofort der Begriff Bauhaus. Nichts hatte größeren Einfluss auf unser heutiges Wohndesign. Das mag vor allem dem Umstand geschuldet sein, dass erstmals mit künstlerischem Anspruch für die industrielle Serienfertigung entworfen wurde und diese Entwürfe bis heute editiert und reeditiert werden können.

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Ende des 19. Jahrhunderts löste das aufstrebende Deutschland Großbritannien als führende Wirtschaftsmacht in Europa ab. Und gut gestaltete Industriegüter wurden als bedeutender Wirtschaftsfaktor angesehen. Überall suchte man nach einem Stil, der Deutschlands Vormachtstellung auf dem europäischen Markt manifestieren sollte. Die preußischen Kunstgewerbeschulen, die bis zu jener Zeit rein künstlerisch orientiert waren, wurden nach englischem Vorbild umgestaltet und um Werkstätten erweitert. Moderne Künstler übernahmen als Lehrer die Leitung, wie etwa Henry van de Velde in Weimar.

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Als Nachfolger von Henry van de Velde wurde Walter Gropius 1919 zum Leiter der „Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Künste“ ernannt. Innerhalb kürzester Zeit rief er die modernste und umstrittenste Kunstschule der 1920er Jahre ins Leben: das „Staatliche Bauhaus in Weimar“.

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Mit der Rückbesinnung auf das Handwerk wollte man experimentell und manuell eine neue Formensprache entwickeln, die dem industriellen Herstellungsprozess gerecht wird. Ein genialer Gegenentwurf zur Ästhetik des Historismus, in der kunsthandwerklich entwickelte Ornamente durch industrielle Massenproduktion lediglich seriell kopiert wurden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mündete schließlich in neuzeitlicher Architektur sowie alle anderen Künste verbindenden, bis ins letzte Detail durchgestalteten, Gesamtkunstwerk. Im Klartext: Einem Haus, in dem von der Fensterlaibung und der Türklinke über die Möbel bis hin zu Besteck, Topfhaltern oder auch Kinderspielzeug nichts dem Zufall überlassen blieb.

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Die Ausstellung „Das Bauhaus #allesistdesign“ im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zeichnet in vier Themengruppen ein umfassendes Bild der legendären Kulturinstitution: vom historisch sozialen Kontext und ikonischen Designobjekten zur Formulierung des Designverständnisses am Bauhaus und der daraus resultierenden Raumgestaltung sowie den nötigen Kommunikationsmitteln. Mit digital produzierten Möbeln von Minale Maeda und Front, Van Bo Le-Metzels „Hartz IV-Möbel“, aber auch Manifesten von Designerin wie Hella Jongerius oder Opendesk, werden Werke heutiger Gestalter den historischen Exponaten der Bauhaus-Ära gegenübergestellt. Und es wird klar, dass das Bauhaus mit seinem neuartigen Gestaltungskonzept dazu beigetragen hat, dass Design heute unsere gesamte Lebenswelt durchzieht. Es ist eben, wie der Untertitel der Ausstellung postuliert, am Ende alles Design!

www.design-museum.de

Fotos:

Bild 1: Key Visual der Ausstellung. Kurt Schmidt mit F. W. Boiler und G. Teltscher, „Das Mechanische Ballet“, 1923, Neuinszenierung Theater der Klänge 2009, Foto: O. Eltinger

Bild 2: Adrian Sauer, »Raum für Alle«, 2015, © VG Bild-Kunst Bonn, 2015

Bild 3: Wilhelm Wagenfeld, Carl Jakob Jucker, Tischlampe ME 1 /MT 9, 1923/1924, © VG Bild-Kunst Bonn, 2015

Bild 4: Wandmalereiwerkstatt, Bauhaus Dessau, 1926, (Fotograf unbekannt) Bauhaus-Universität Weimar, Archiv der Moderne

Bild 5: Dokter and Misses, »Heavy Metal«, Tasse und Untertasse, 2008

Bild 6: Alma Siedhoff-Buscher, Bauhaus Bauspiel, 22teilig, © Naef, Foto: Heiko Hillig

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