Strohmarketerie – neue Blüte eines alten Kunsthandwerks

Changierendes Lichtspiel und eine große Farbvielfalt machen den Reiz der Strohmarketerie aus. Wir stellen das alte Kunsthandwerk vor und zeigen seine moderne Umsetzung.

Stroh zu Gold spinnen – eine Herausforderung, die nur im Märchen gelingt? Mitnichten. Zwar sitzt Lison de Caunes, die in Paris unter ihrem Namen ein Atelier für Strohmarketerie leitet, nicht wie die arme Müllerstochter am Spinnrad, doch bringt sie mit ihren Einlegearbeiten trübe Halme zum Leuchten.

altes-handwerk-strohmarketerie-karriertes-osterei-lisson-d-caunes-decohome.de_

Strahlende Erscheinung: Die Wertigkeit dieses Ostereis entsteht durch die haargenaue Verarbeitung des schlichten Naturmaterials

Die Geschichte der Strohmarketerie

Das alte Handwerk der Strohmarketerie kam im 17. Jahrhundert auf und war durch alle Gesellschaftsschichten hinweg sehr gefragt. Neben einfachen Schachteln wurden auch Möbel oder Spiegelrahmen mit Einlegearbeiten aus Stroh verziert. Das Stroh dafür wurde schon damals eigens zu diesem Zweck angebaut. Erst Ende des 19. Jahrhunderts kam die Strohmarketerie aus der Mode und geriet in Vergessenheit bis sie im Zuge des Art déco eine neue Blüte erlebte.

Seit einigen Jahren haben neben Privat-Einrichtern auch Edellabels wie Guerlain, Hermès, Cartier, Louis Vuitton oder Armani Casa das alte Kunsthandwerk für Möbel, Kästchen, Schmuck oder auch als Wandgestaltung für ihre Shops wiederentdeckt.

altes-handwerk-strohmarketerie-charlotte_biltgen_decohome.de_

Hell und sehr edel wirkt die mit Strohmarketerie verkleidete Wand samt Türen in diesem von der Pariser Innenarchitektin Charlotte Biltgen gestalteten Interieur

Das Atelier von Lison de Caunes

Die Wiederbelebung der „Marqueterie de Paille“, wie das alte Kunsthandwerk im Französischen heißt, ist die Passion von Lison de Caunes. War es doch ihr Großvater, André Groult, der zusammen mit Jean-Michel Frank, um 1920 maßgeblich an der Blütezeit der Strohmarketerie im Art déco beteiligt war. Heute restauriert sie nicht nur alte Strohmarketerien, sondern führt auch moderne Auftragsarbeiten aus, arbeitete für Marken wie Guerlain und Louis Vuitton oder mit Designern wie Peter Marino, Vincent Darrée oder Mathieu Lehanneur. Daneben entwickelt sie ihre eigene Möbelkollektion.

altes-handwerk-strohmarketerie-lison-de-caunes-atelier-c-gilles-trillard-decohome.de_

Das Gerstenstroh für ihre Einlegearbeiten bezieht Lison de Caunes aus der Bourgogne. Die Farbpalette ist breit gefächert, weil sich Stroh leicht färben lässt

Doch wie wird nun eigentlich Stroh zu Gold?

Kaum einem Kunsthandwerk dient ein so unscheinbares Naturmaterial wie Stroh, genauer gesagt Gerstenstroh, als Arbeitsmaterial. Bis heute wird es in Europa eigens zu diesem Zweck angebaut und teilweise sogar von Hand geerntet. Für die Verwendung in der Strohmarketerie müssen die Halme nämlich besonders lang und flexibel sein. Sie werden grün geerntet, auf dem Feld getrocknet, dann geschnitten und gefärbt. Jeder Halm nimmt die Farbe jedoch anders an, so dass viele Nuancierungen entstehen.

altes-handwerk-strohmarketerie-lison-de-caunes-ateliers-c-alys-thomas-decohome.de_

Mit ihrer Leidenschaft für Strohmarketerie hat Lison de Caunes zum Überleben dieses alten Kunsthandwerks in Europa beigetragen

Für die weitere Verarbeitung wird jeder Strohhalm mit dem Fingernagel aufgebrochen und mit einem Schaber geglättet. Anders als bei Holzintarsien wird das Motiv jedoch nicht in die Oberfläche eingesetzt, sondern auf einer Trägerplatte fixiert. Dafür wird das Motiv zuerst vorgezeichnet und die Halme sodann darauf eng aneinander geklebt. Dabei sind vor allem Geschick, Genauigkeit und Geduld gefragt. Später werden die Bildelemente zusammengefügt. Abschließend wird die Oberfläche mit einem Beinwerkzeug poliert. Wegen der natürlichen Wachsschicht des Strohs ist kein weiterer Überzug notwendig.

altes-handwerk-strohmarketerie-lison-de-caunes-creations-oeufs-gilles-trillard-decohome.de_

Einzigartig: Weil jeder Strohhalm die Farbe anders annimmt, entsteht ein changierender Glanz

www.lisondecaunes.com

Strauch und Zweige sind noch nicht geschmückt? Dann entdecken Sie hier unsere modernen Ideen für die Osterdeko.

FacebookTwitterPinterestWhatsAppEmailPrint
Empfohlene Artikel