Designdepot oder Schatzkammer?

Am 3. Juni 2016 eröff­ne­te das Vitra Design Muse­um sein Schau­de­pot in Weil am Rhein. Ein sper­ri­ges Wort für eine gro­ße Sache. War­um soll­te man sich das anschau­en?Das Vitra Design Muse­um ist vor allem wegen sei­ner rie­si­gen Samm­lung von Klas­si­kern ver­dient zu Ruhm gekom­men. Doch: Wo ist die denn nur? Zumin­dest nicht zu sehen. Man­gels Platz kann in den meis­ten Muse­en nur ein Bruch­teil der ansäs­si­gen Expo­na­te in Augen­schein genom­men wer­den. Und das, obwohl man sich bei Vitra die Popu­la­ri­sie­rung von Design, sei­ne Erfor­schung und Ver­mitt­lung auf die Fah­nen geschrie­ben hat. Es han­delt sich hier um nicht weni­ger als eine der welt­weit größ­ten Dau­er­aus­stel­lun­gen und For­schungs­stät­ten zu moder­nem Möbeldesign.

Einen ers­ten Anlauf, die umfang­rei­che Samm­lung in ihrer Gän­ze zu zei­gen, gab es bereits beim Bau des Muse­ums: Ursprüng­lich war näm­lich das Haupt­ge­bäu­de von Archi­tekt Frank Gehry als Samm­lungs­bau kon­zi­piert wor­den. Tat­säch­lich prä­sen­tiert das Muse­um dort gro­ße Wech­sel­aus­stel­lun­gen. Doch die mitt­ler­wei­le über 7000 Möbel sowie 1000 Leuch­ten wur­den so bis­lang ver­ein­zelt und selek­tiv der Öffent­lich­keit zugäng­lich gemacht.

Ansons­ten fris­te­ten die Pre­zio­sen nahe­zu aller bekann­ten Indus­trie­de­si­gner von Charles & Ray Eames über Alvar Aal­to bis hin zu Micha­el Tho­net ein wahr­schein­lich ziem­lich freud­lo­ses Dasein in den Kel­lern und Depots. Doch nun erbli­cken sie wie­der das Licht der Welt und die Welt sie. In den letz­ten Wochen zog die Samm­lung in den neu gebau­ten Schuppen.

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Foto: © Vitra Design Muse­um, Juli­en Lanoo

Um die gesam­mel­ten Schät­ze dau­er­haft zu prä­sen­tie­ren, wur­de 2014 das Bas­ler Archi­tek­tur­bü­ro Her­zog & de Meu­ron mit dem Bau des Schau­de­pots beauf­tragt. Wie bereits beim Vitra Haus selbst spie­len die Bas­ler Häus­le­bau­er erneut mit der mini­ma­lis­ti­schen Grund­form eines Wohn­ge­bäu­des – dies­mal mit fla­chem Sat­tel­dach. Ganz in rotem, lokal gebro­che­nem Sicht­back­stein gehal­ten, gibt sich das lang gestreck­te Schau­de­pot als schlich­ter Schup­pen. Und will damit – wohl um jed­we­de ander­wei­ti­ge Nut­zung von vor­ne her­ein aus­zu­schlie­ßen – sei­ne eigent­li­che Auf­ga­be bewusst in den Vor­der­grund stel­len: die dau­er­haf­te Prä­sen­ta­ti­on der Designsammlung.

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Detail aus der Samm­lung. Foto: © Vitra Design Muse­um, Flo­ri­an Boehm

Auf 1600 Qua­drat­me­tern sol­len von nun an etwa 400 Schlüs­sel­ob­jek­te des moder­nen Möbel­de­signs von 1800 bis heu­te dau­er­haft prä­sen­tiert wer­den. Das Spek­trum: frü­he Bug­holz­mö­bel, Iko­nen der klas­si­schen Moder­ne von Le Cor­bu­si­er, Alvar Aal­to oder Ger­rit Riet­veld, bun­te Kunst­stoff­ob­jek­te der Pop-Ära sowie jun­ge Ent­wür­fe aus dem 3D-Drucker.

Den­noch wur­de auch hier, wie bereits im Muse­ums­haupt­ge­bäu­de und der Vitra Design Muse­um Gal­le­ry, Raum für wei­te­re Wech­sel­aus­stel­lun­gen mit samm­lungs­be­zo­ge­nen The­men geschaf­fen. Im Unter­ge­schoß legt das Vitra Schau­de­pot Schwer­punk­te auf ein­zel­ne The­men­ge­bie­te, wie das skan­di­na­vi­sche und ita­lie­ni­sche Design, die Leuch­ten­samm­lung oder den Nach­lass von Charles & Ray Eames.

Den Rei­gen der klei­ne­ren Wech­sel­aus­stel­lun­gen im Vitra Schau­de­pot eröff­net ein Blick auf die Bewe­gung des „Radi­al Design“ der 1960er Jahre.

www.design-museum.de

Titel­bild: Außen­an­sicht des Vitra Schau­de­pot, Her­zog & de Meu­ron, 2015. Foto: © Vita Design Muse­um, Juli­en Lanoo

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