Besuch in der Rahmenwerkstatt Pfefferle

Wie werden eigentlich Rahmen vergoldet? Und wie aufwendig ist das? In der Münchner Traditionswerkstatt von Michael Pfefferle entstehen Nachbauten historischer Bilderrahmen in Handarbeit. Wir haben dem Meistervergolder mal einen Besuch abgestattet und durften ihm ein paar Stunden über die Schulter schauen.

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Blick in eine andere Welt

„Die ersten Bilderrahmen wurden in der Gotik verwendet,“ erzählt Michael Pfefferle. „Meist waren es schlichte, farbig gefasste Holzrahmen. Dabei diente der Rahmen nicht allein der Aufhängung des auf Holzplatten gemalten Bildes. Er stellte ein Fenster dar, das den Blick in eine andere, bessere Welt ermöglichte.“ Daher rühre auch der sogenannte Wasserschlag am unteren Rand des Rahmens (das ist die Abschrägung unten). Schließlich imitiert der Rahmen ja ein echtes Fenster und diese hatten damals alle solche Schrägen, damit Regenwasser abfließen konnte und Holz oder Stein nicht schädigte.

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Rahmen, die Rahmen rahmen

Einen Blick in eine andere Welt eröffnete uns auch Michael Pfefferle beim Werkstattsbesuch im Münchner Lehel. Schon in fünfter Generation führt er das Ladengeschäft gemeinsam mit seiner Frau Anne, einer gelernten Kirchenmalerin. Die Wände sind vom Boden bis zur Decke mit Bilderrahmen gepflastert: Sie lehnen an den Wänden und stapeln sich in kleinen Kammern oder auf Tischen.

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Gesammelte Historie

Doch wer glaubt diese kaufen zu können, irrt. „Diese Bilderrahmen sind Teil meiner Sammlung,“ erklärt der Inhaber nicht ohne Stolz. „Sie dienen mir als Vorlagen für die Restaurierung oder originalgetreue historische Nachbauten.“ Denn auf diesem Gebiet ist Michael Pfefferle ein weltweit gefragter Experte. „Ich lege großen Wert darauf, dass es authentisch und zeitgeschichtlich richtig ist.“

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Hier keinen passenden Rahmen zu finden, ist also nahezu unmöglich. Die Sammlung historischer Bilderrahmen, die Michael Pfefferles Großvater einst begonnen hat und von Sohn und Enkel ambitioniert fortgeführt wurde, umfasst mittlerweile rund 2000 Exemplare sämtlicher Epochen aus vielen europäischen Ländern. Dabei reicht das zeitliche Spektrum vom 9. Jahrhundert bis in die Moderne.

Von München in die weite Welt

Anspruchsvolle Privatleute, Sammler, Kunsthändler aber auch Museen auf der Suche nach passenden Rahmen für alte Gemälde (oder mit einem zwar originalen, doch maroden Bilderrahmen) landen früher oder später bei ihm. So stammt beispielsweise der Rahmen um die Beweinung Christi von Botticelli aus der Alten Pinakothek München aus Pfefferles Werkstatt. Doch auch das Städel in Frankfurt oder die Albertina in Wien zählen zu seinen Kunden.

Alles Gold, was glänzt?

Rund 150 bis 200 Stunden arbeiten der gelernte Vergolder und seine fünf Mitarbeiter durchschnittlich an einem Bilderrahmen. Zu jedem historischen Rahmen gibt es ein in Gips gegossenes oder in Holz geschnitztes Modell, von dem bei Bedarf ein Silikon-Abguss genommen werden kann – als Form für einen Nachguss. „Früher hat die Arbeitszeit nichts gekostet, teuer war nur das Material. Um dieses zu sparen, wurden viele alte Rahmen nur furniert,“ berichtet Michael Pfefferle und fügt verschmitzt lächelnd hinzu: „Heute ist das genau umgekehrt.“

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Bei ihm endet die Arbeit schließlich nicht damit einen neuen Rahmen zu fertigen. Denn jedem Rahmen wird zuerst der Look verpasst, den die Originalvorlage einst im Neuzustand hatte. Dann wird der Nachbau künstlich gealtert, bis ihn optisch nichts mehr von der historischen Vorlage unterscheidet.

Das Vergolden selbst erfordert Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung. Doch bevor ein Stück vergoldet werden kann, wird erst ein Hautleim aufgebracht. Auf diesen kommt ein Kreidegrund, der sehr glatt geschliffen werden kann. Auf die Kreideschicht folgt schließlich ein Polyment aus geriebener Tonerde, das als Träger für das Blattgold fungiert. Die genaue Zusammensetzung seiner Rezepturen hält Michael Pfefferle natürlich streng geheim.

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Ist das Polyment getrocknet wird es mit einer Spiritus-Wasser-Mischung angefeuchtet. Nun wird das nur einen Zehntausendstel Millimeter dicke Blattgold aufgelegt und mit einem Achat poliert, bis es glänzt. „Wenn man ein Fünf Mark großes Goldstück so dünn ausschlägt wie Blattgold kann man einen Reiter samt Pferd vergolden, erzählte mir mein Großvater immer,“ so Pfefferle.

Mit dem Polieren ist die Vergoldung abgeschlossen. Lediglich beim Versilbern wird, da Silber oxidiert, abschließend noch ein Lack aufgetragen.

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Mehr Infos unter: Bayern Tourismus

Fotos: Jens Schwarz (5), Friederike Mechler (5)

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