Die ehemalige Musikschule im niederländischen Haarlem wirkte einst kalt, grau, einfach wenig einladend. Heute ist das denkmalgeschützte Gebäude von 1886 an der berühmten Nieuwe Gracht ein Stock-Show-Home: Wohnsitz, Arbeitsplatz und zugleich Bühne für die Designhandschrift von Leonie Hendrikse und Jeroen Stock.

„Als ich das erste Mal eintrat, bekam ich Gänsehaut“, erinnert sich Leonie. „Aber ich konnte mir sofort vorstellen, was daraus werden könnte.“ Zwei Jahre später haben sie und Jeroen das triste Institut in ein großzügiges Haus verwandelt, das zeigt, wie Farben, Materialien und passgenaue Details Räume prägen. Schon seit 20 Jahren empfangen die Interior-Experten ihre Kunden nicht nur im Büro, sondern auch privat. Mit dem neuen Haus wollten sie diese Begegnungen intensivieren. „Hier kann man Schubladen aufziehen und Schranktüren öffnen, um zu sehen, wie maßgeschneiderte Handwerkskunst funktioniert“, erklärt Leonie. „Hier sieht und fühlt man, wie Farben und Tapeten Atmosphäre schaffen. Nicht, dass alle ihre Decken grün streichen sollten – aber man bekommt eine Vorstellung davon, was möglich ist“, fügt sie hinzu.
Unten arbeiten die Mitarbeiter, oben wohnt die Familie
Das Gebäude verteilt zwölf Räume auf 500 Quadratmetern. Unten arbeiten die sechs Mitarbeiter des Büros, im ersten Stock liegen Stoffzimmer, Küche und Wohnzimmer, darüber die Schlaf- und Badezimmer der Familie mit drei Kindern. „Dies ist ein Haus, in dem Menschen arbeiten, leben – und manchmal auch über Hunde steigen müssen“, sagt Leonie mit einem Augenzwinkern.

Einladende Farbgestaltung mit weltoffener Note
Besonders eindrucksvoll ist der Eingangsbereich. Die ehemals graue Treppe bekam einen tannengrünen Anstrich und einen abgepassten Teppich im Mid-Century-Look. Dazu kontrastieren Wände in einem warmen Terrakotta-Ton – die perfekte Visitenkarte. „Wir wollten, dass man sich sofort willkommen fühlt und zugleich die Grandezza des Hauses spürt.“ Die Farbgestaltung zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Projekt. Tapeten im Blockdruckverfahren wirken zeitlos, dunkle Decken schaffen Intimität und die Holzarbeiten Behaglichkeit. Nach Stationen in Sydney, Kapstadt und Singapur prägt Leonie und Jeroen bis heute eine Liebe zu östlichen Kulturen, kräftigen Farben und ornamentalen Mustern: „Weiße Wände mögen wir nicht. Farben geben Räumen Charakter und Tiefe.“
Denkmalschutz und Kunstkonzept
Trotz der strengen Auflagen des Denkmalschutzes fanden die beiden kreative Lösungen. Leitungen verlaufen im alten Schornstein, während Jeroen gemeinsam mit Modular ein raffiniertes Beleuchtungskonzept entwickelte. „Seine Stärke liegt in den technischen Details, meine eher in der Atmosphäre“, so Leonie. Eine zentrale Rolle spielt Kunst: Neben Jan van Munsters Neon-Werken hängen Zeichnungen der Kinder und neben Familienerbstücken zeitgenössische Arbeiten. „Bei der Auswahl geht es uns um die emotionale Verbindung, nicht um den Preis.“ Ihr Zuhause sei genau so geworden, wie sie es sich vorgestellt hatten – „großzügig, stilvoll, gemütlich und farbenfroh.“ Ein Ort, der lebt.
Text: Henrike Ziesemer // Fotos: Space Content Studio/©Living Inside








