Der britische Farbhersteller Little Greene präsentiert seine neue Tapetenkollektion In the Garden. Sie ist in Zusammenarbeit mit dem National Trust entstanden und eine Hommage an inspirierende Gärten und die Persönlichkeiten, die sie geprägt haben. Hier erzählt Creative Director Ruth Mottershead, was dahinter steckt und warum Braun gerade wieder ein Thema ist.

Little Greene Creative Director Ruth Mottershead
Die Kollektion umfasst acht vielseitige, farbenfrohe Designs und beleuchtet die Beziehung zwischen Innenraumgestaltung und Außenräumen, die oft den Charakter eines Ortes, Gebäudes oder sogar eines einzelnen Zimmers prägen. Die Entwürfe sind inspiriert von Gartenanlagen, Parklandschaften, Pflanzensammlungen, einzelnen Gewächsen und historischenfloralen Artefakten – allesamt Schätze, die vom National Trust geliebt, gepflegt und bewahrt werden.
Nur konsequent: Ein Teil des Verkaufserlöses jeder Tapetenrolle aus In the Garden fließt in die Arbeit des National Trust, der mehr als 500 Orte pflegt. Darunter 890 Meilen Küstenlinie, historische Stätten und 250.000 Hektar Landschafts- und Grünflächen, damit Menschen und Natur heute und in Zukunft gedeihen können. Für Little Greene ist es bereits die neunte Kollektion, die aus der Zusammenarbeit resultiert – und das exklusiv. Es ist der einzige Farb- und Tapetenhersteller, der auf dieses beeindruckende Archiv zugreifen kann.
Das steckt in der National Trust Kooperation

Little Greene Tapete Mr. Straw’s Greenhouse inspirierte das Gewächshaus der Brüder William und Walter Straw in Nottinghamshire. Hier sammelten sie in den 1930er-Jahren Kakteen und Sukkulenten, die bis heute gepflegt werden.
Frau Mottershead, weshalb sind diese Tapeten noch immer zeitgemäß, obwohl die Vorlagen eine lange Geschichte haben?
Einiges lässt sich sehr leicht übersetzen. Nehmen Sie May’s Tulip zum Beispiel: Sie war ursprünglich ein besticktes Stück Stoff von May Morris, optisch sehr traditionell, aber es ließ sich problemlos in ein zeitgenössisches Design überführen. Oft ist es so, dass das Motiv alt ist, aber die Farbgebung es modern macht. Oder wir vereinfachen die Vorlage und behandeln sie neu – ob im Siebdruck oder Digitaldruck, als deckende Farbe oder Aquarell. Es ist diese Bearbeitung des alten Dokuments, die daraus etwas Modernes macht.

May’s Tulip basiert auf einem spätviktorianischen Stoffmuster, verkörpert handwerkliche Raffinesse und rhythmische Harmonie.
Haben Sie einen persönlichen Liebling?
Ich denke May’s Tulip ist meine Lieblingstapete, aber das liegt auch an der persönlichen Verbindung. Ich habe die Vorlage bei einer Auktion gekauft. Es ist ein Wandschirm, ein Raumteiler, der drei textile Stücke von May Morris enthält, allesamt bestickt. Ich kaufte es und dachte: „Das verwenden wir eines Tages als Tapete.“ May ist zwar nicht so berühmt wie ihr Vater William, aber hat wirklich wunderschöne Dinge erschaffen. Dieses Design als Tapete umzusetzen, war also etwas Besonderes. Welches ich sonst noch liebe? Ich glaube die Otter auf Lily Pads. Die machen großen Spaß.

Zwischen den Seerosenblättern im Weiher des Stackpole Estate in Wales verstecken sich Otter – sie Formen die zentralen Elemente von Wandbild Lily Pads.
Was ist neu an der In the Garden Kollektion?
Ich finde wichtig zu betonen, dass sie die erste Kollektion ist, die wir komplett neu entworfen haben. Keine dieser Tapeten wurde von alten Vorlagen übersetzt, existierte in der Vergangenheit also schon einmal als Tapete. Sie sind fast alle von realen Gärten inspiriert und aus dem entstanden, was der Künstler in diesem spezifischen Moment gesehen hat. Ein eingefrorener Moment. Das finde ich sehr schön.
Was sind für Sie momentan die wichtigsten Farben?
Es ist eine Mischung. Es gibt in dieser Kollektion Tapeten mit kleinen Farbakzenten auf weißem Hintergrund. Also relativ neutral, trotz der Farbtupfer – man versteht sofort, wo man sie einsetzen könnte. Dazu wählen wir Dessins, die mehr vibrieren, etwas Mutigeres. Dunkelblau läuft bei uns sehr gut, das ist immer populär. Und dann sind da Trendfarben wie Adventurer, ein dunkler Pflaumenton, der gerade sehr gefragt ist, oder Jewel Beetle, dieses Grün mit einem schönen gelblichen Unterton. Wir versuchen also für jeden etwas anzubieten: Neutrales, Mutiges und dazwischen diese sanften, gemütlichen Tapeten.
Wir empfinden Braun gerade als sehr präsente Farbe. Sie auch?
Schokoladenfarben wie unser Scullery, aber auch violette Brauntöne sind gerade sehr gefragt. Dabei hat Braun eigentlich eine lange Historie. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde es oft einfach als Reste-Verwertung genutzt. Die übrig gebliebene Farbe in den großen Häusern wurde zusammengemischt – daraus entstand Braun. Damit wurden dann Dachböden oder Keller gestrichen, meist die Dienstbotenquartiere. Es zeigte den Schmutz nicht, war unempfindlich. Daher hatte Braun lange einen etwas schlechten Ruf.
Was hat sich verändert?
In den letzten Jahren, mit dem Wandel von Grau zu Steintönen und nun zu wärmeren, erdigen Nuancen, ist Braun wieder populär geworden. Ich denke, es sind einfach diese natürlichen Farben, welche die Menschen wieder in ihren Häusern haben wollen. Wir haben das Wiederaufleben von Grün gesehen, diese Karamell- und Honigtöne, all diese warmen Untertöne. Rot-Oxid, Umbra, Ocker und Braun. Sie sind momentan einfach sehr beliebt, weil sie natürlich und gemütlich wirken.








