Außen elegante Villa, innen „kuratiertes Durcheinander“: Textildesignerin Toyine Sellers hat im schwedischen Borrby einen Rückzugsort kreiert, der sie inspiriert und genug Platz für Erinnerungen und Lieblingsstücke bietet. Wie sie bei der Einrichtung vorgegangen ist, warum die richtige Farbpalette essenziell ist und sie sich selbst einen „Deko-Stopp“ auferlegt hat.
Große Fenster, sanfte Rundbögen, symmetrische Gestaltung – die Fassade der Villa aus dem Jahr 1925 spiegelt den für den Klassizismus der 1920er Jahre typisch eleganten Architekturstil, auch „Swedish Grace“ genannt, wider. Drinnen geht es mit hohen Decken und Flügeltüren auf den ersten Blick ebenso klassisch weiter. Doch eine warme Farbpalette, außergewöhnliche Textilien, Leuchten und Deko aus aller Welt geben dem Inneren ein wohnlich-warmes Ambiente und eine große Portion Extravaganz.

„Farben müssen zum Charakter des Hauses passen“
Das Haus in Borrby ist Toyines Hauptwohnsitz. Eine lebendige Gemeinschaft aus Künstlern und Unternehmern in der Gegend war dabei Entscheidungsgrundlage. Auch die Nähe zur Natur sei für ihre Arbeit als Kreative unverzichtbar, dort findet sie Inspiration.

Eben diese Liebe zur Natur ist auch im Inneren sichtbar, wo Grün- und Erdtöne dominieren. „Ich liebe die Natur und die Erde, und ähnlich wie ein Baum brauche ich das Gefühl, in meinem Zuhause geerdet zu sein. Deshalb hat mich Grün angezogen, insbesondere ein Olivton, von dem ich von Anfang an wusste, dass ich ihn in meinem Wohnzimmer verwenden wollte. Von da an arbeitete ich mit der natürlichen NCS-Farbpalette und malte unzählige Testmuster, bis ich für jeden Raum die richtige Farbpalette gefunden hatte“, sagt Toyine Sellers. „Das Haus ist über 100 Jahre alt, und mir war wichtig, dass die Farben auch zu seinem Charakter passen. Ich wollte ihm eine Anmut und Eleganz der alten Welt verleihen und gleichzeitig meine weltoffenen Wurzeln widerspiegeln.“
Zu viel Deko? Gibt es (nicht)!
Die bewusste Entscheidung für warme Farben an den Wänden vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit und soll die Bewohner „einhüllen“. Hinzu kommen Textilien, Möbel, Kunst und Accessoires, teils alt, teils neu, die dem ganzen Interieur Tiefe und Charakter verleihen – eine Art „kuratiertes Durcheinander“, wie es Toyine Sellers selbst nennt.

Wird ihr das auch manchmal zu viel? „Ich bewege mich definitiv an der Grenze zum ‚Zu-viel‘, sagt Toyine und lacht. „Eigentlich glaube ich, dass das Haus seine Grenze erreicht hat! Als ich kürzlich aus dem Atelier nach Hause kam, hatte ich kurz den Drang, ein paar Dinge wegzuräumen. Aber der Gedanke verschwand fast so schnell, wie er gekommen war. Wie sollte ich mich nur entscheiden, was ich wegpacken soll, und wo sollte ich es überhaupt unterbringen? Alle Schränke sind auch schon voll! Ich liebe wirklich jedes einzelne Stück, und jedes trägt zur Geschichte des Hauses bei. Anstatt also auszusortieren, denke ich, dass die Antwort einfach lautet: Ich muss aufhören, noch mehr hinzuzufügen. Ein weiteres Objekt könnte genau der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.“
Skandinavischer Klassizismus trifft auf Exotik
Doch woher kommen die vielen Stücke, die weniger skandinavisch, mehr exotisch wirken, eigentlich alle? „Ich habe Möbel, Kunstwerke und Accessoires von meinen Eltern und Großeltern sowie Stücke, die sie auf ihren Reisen und ich auf meinen eigenen gesammelt habe. Ihre Herkunft reicht von Österreich über die Schweiz, Portugal und Brasilien bis hin zu verschiedenen Teilen Afrikas und den Vereinigten Staaten. Viele davon sind mit Erinnerungen an meine Kindheit verbunden, während andere an Momente in meinem Leben erinnern, als ich sie erworben habe. Meine Geschwister necken mich oft damit, dass ich alles aufbewahre, aber auf meine eigene Weise sehe ich darin eine Form der Ehrung all dessen, was mich geprägt hat. Sie in meinem Zuhause zu behalten, fühlt sich an wie der richtige Ort, an dem sie weiterleben können.“

www.toyine.com / @toyinesellers
Fotos: Andrea Papini







