„Ich liebe es, eine Tapete dort einzusetzen, wo man sie nicht sofort erwartet“, sagt Inga Menasherov vom Studio Menash. Wie sie das im Apartment eines Berliner Paares umsetzte und welche Akzente man sich gerne abschauen darf, verrät die Interiorexpertin hier.

Inga Menasherov ist überzeugt: „Die schönsten Tapeten nützen nichts, wenn sie nicht perfekt tapeziert sind. Ein erfahrener Tapezierer ist wirklich das A und O. Seine Arbeit kann über den gesamten Eindruck entscheiden oder auch alles ruinieren.“
In Berlin, nahe des Botanischen Gartens, befindet sich das 120 Quadratmeter große Apartment, in dem Inga Menasherov die beiden Geschmackswelten eines Paares vereinen sollte. Seine Devise: je kräftiger die Farben, umso besser; bloß keine monochrome Einrichtung! Für sie als leidenschaftliche Gastgeberin stehen vor allem die Gemütlichkeit und das einladende Ambiente im Vordergrund. Als raumübergreifendes Designelement wurde die Tapete ausgewählt. Die Wandverkleidung untermalt den klassisch-modernen Look – und das auch in Zimmern, in denen sie traditionell eher selten zu finden ist.
Schön und praktisch: Was die Tapete alles kann
Die kompakte Küche der Wohnung wurde von einem Schreiner maßgefertigt, um die Bedürfnisse der Bewohnerin bis ins kleinste Detail zu erfüllen. Da die Gastgeberin diesen Raum häufig nutzt, hat die Glamora-Tapete hier nicht nur eine ästhetische Funktion, sondern soll auch vor Flecken schützen.

Die Tapete in der Küche stammt vom italienischen Hersteller Glamora.
Im Schlafzimmer setzt die Einrichterin von Studio Menash Interiors die Mustertapete als verbindendes Element ein: Das Samtkopfteil und die Vorhänge werden dank der Wandgestaltung farblich und atmosphärisch zu einer Einheit.

Die Basis für das Schlafzimmer sind asiatische Motive. Auch die Tapete hinterm Bett ist ein Glamora-Design.
Hier würde man eine Tapete nicht erwarten
Im Wohn- und Esszimmer wird gespielt – und zwar mit halb-transparenten Raumelementen. Während sie der Fläche Struktur geben, verlängern sie gleichzeitig die Wand und reflektieren zudem das einfallende Sonnenlicht. Wie eine architektonische Komponente wirkt die Textiltapete von Arte, die der TV-Wand einen optischen Rahmen gibt.
„Eine Unitapete darf auch wieder an allen Wänden eingesetzt werden. Das ist leider in den letzten Jahrzehnten durch den Akzentwand-Trend etwas in Vergessenheit geraten. Eine einfarbige Tapete mit schöner Struktur kann im Raum unglaublich ruhig und edel wirken. Aber die Tapete darf auch ein bisschen inszeniert werden“, findet Menasherov. „Ich liebe es, sie dort einzusetzen, wo man sie nicht sofort erwartet – zum Beispiel als Rückwand in einem Schrank, auf den Schranktüren im Rahmen oder als Akzent an der Decke. Das gibt dem Raum Charakter und oft auch diesen überraschenden Wow-Moment. Auch mit gerahmten Tapetenausschnitten lässt sich wunderbar spielen, so entstehen fast kunstähnliche Elemente an der Wand. Tapete kann sowohl als Hintergrund dienen aber auch als ein echtes Gestaltungselement mit Persönlichkeit.“
Praktische Tipps zum Einsatz von Tapete
- Was gilt es bei der Oberflächenstruktur zu beachten, bevor die Tapete angebracht wird? „Die Vorbereitung ist entscheidend! Der Untergrund muss wirklich glatt, sauber und trocken sein. Selbst kleinste Unebenheiten zeichnen sich später ab – und das kann einer hochwertigen Tapete den ganzen Zauber nehmen. Ich lasse die Flächen immer professionell vorbereiten und arbeite ausschließlich mit guten Tapezierern zusammen. Ein sauberer, präziser Auftrag ist die halbe Miete – oder besser gesagt: der Schlüssel zum perfekten Ergebnis.“
- Worauf sollte man bei Mustertapeten achten? „Ich setze sehr gern auch große Muster in kleinen Räumen ein – das bringt Tiefe und kann den Raum sogar größer wirken lassen. Wichtig ist nur, dass der Raum hell genug ist und gut beleuchtet wird, damit das Muster wirken kann und nicht erdrückt. So schafft man Charakter und oft auch optische Weite. Im selben Raum nehme ich meistens Tapeten aus der selben Familie damit die Farben und die Qualität gut zusammen funktioniert. In verschiedenen Räumen hingegen mag ich es, wenn Tapeten aus unterschiedlichen Räumen miteinander „sprechen“. Sie dürfen unterschiedlich sein, sollten aber eine gemeinsame Sprache haben – etwa durch ähnliche Farbtöne, Strukturen oder Stilrichtungen. So wirkt das Zuhause als Ganzes harmonisch, aber trotzdem abwechslungsreich.“
- In welchen Räumen kann oder sollte Tapete verwendet werden? „Das geht auch mal im Bad, in der Küche oder an der Decke. Das verleiht einem Raum sofort Charakter. In Feucht-Räumen arbeite ich natürlich mit speziellen, wasserresistenten Tapeten, die dafür geeignet und gut abwaschbar sind. Aber auch dort, wo man verweilen und Atmosphäre spüren möchte – wie im Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Arbeitszimmer – sind Tapeten für mich ein wunderschönes Gestaltungsmittel. Sie bringen Wärme, Struktur und manchmal einfach diese gewisse Wärme, das Farbe allein nicht schafft. Im Eingangs- oder Treppenbereich setze ich gerne strapazierfähige Tapeten ein. Dort sind Wände oft stärker beansprucht und eine robuste Tapete schützt nicht nur, sondern sieht dabei auch noch elegant aus.“
- Wie verbindet man Tapete und Farbe? „Ich kombiniere beides sehr gern. Wenn man eine Farbe aus der Tapete aufgreift und auf den restlichen Wänden, Leisten oder an der Decke wiederholt, entsteht sofort eine harmonische Verbindung. So wirkt der Raum ruhig, aber niemals langweilig. Über mehrere Räume hinweg arbeite ich gerne mit Abstufungen derselben Farbwelt. Das sorgt für einen fließenden Übergang und ein stimmiges Gesamtbild, auch wenn die Tapeten und Materialien variieren. Ich finde, ein Zuhause darf wie ein guter Song sein – jeder Raum hat seinen eigenen Rhythmus, aber alles gehört zusammen.“

Instagram: @studio_menash_interiors
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