Die Antwort ist: definitiv! Wie genial gut sich das architektonisch einfügen kann, zeigt Lukas König an einem Projekt in Berlin Westend. Hier verrät der Architekt, worauf man beim nachträglichen Terrassenanbau achten muss, was er vermeidet und wie man es schafft, alte und neue Elemente gekonnt zu kombinieren.

Der Dialog zwischen Alt und Neu

Eine historische Jugendstil-Doppelvilla aus dem Jahr 1910 trifft auf eine moderne, filigrane Stahlkonstruktion – das Büro Lukas Kønig Architekt setzt bei der „Stadtoase“ auf ein spannungsvolles Spiel zwischen moderner Geradlinigkeit und historischen runden Formen. Doch wie gelingt dieser Spagat? Eine Frage, die sich viele Hausbesitzer, die den Außenbereich einer älteren Immobilie verändern möchten oder müssen, stellen.

Lukas Koenig Stadtoase Blick von oben Janine Sametzky decohome.de

„Grundsätzlich ist es entscheidend, den Kontext zu verstehen und den Bestand zu respektieren, insbesondere bei Anbauten. Im Fall der Hochterrasse habe ich mich an den charakteristischen Formen der Jugendstil-Villa orientiert, wie etwa an den Rundbögen, Gewölben und geometrischen Mustern. In meinen Projekten ist mir die Übersetzung besonders wichtig: Historische Elemente werden nicht kopiert, sondern in eine zeitgemäße Formensprache überführt. So entsteht ein Dialog zwischen Alt und Neu, der selbstverständlich wirkt und keine Konkurrenz bedeutet“, erklärt Lukas König.

Lukas Koenig blickt vom Balkon Janine Sametzky decohome.de

Lukas König

Gute Materialien: Das sind die Dos and Dont’s

„Ich bevorzuge Materialien, die ehrlich altern und mit der Zeit an Qualität gewinnen. Im Außenraum sind Robustheit und Witterungsbeständigkeit entscheidend. Ebenso wichtig ist jedoch die Frage, wie ein Material sich über Jahre hinweg verhält. Bei meinen Projekten verwende ich gerne Holz, Naturstein, Stahl und mineralische Materialien. Holz bringt Wärme mit, Naturstein überzeugt mit Textur und Eleganz, Stahl ermöglicht präzise und zeitgeistige Konstruktionen. Genauso wichtig wie das Material selbst, ist auch seine richtige Verarbeitung“, so der Architekt.

Stadtoase Lukas Koenig Vogelpersepektive Janine Sametzky decohome.de

Und der Boden? „Er ist ein zentrales Element, weil er unmittelbar haptisch erfahrbar ist. Er muss sich also gut anfühlen – gerade im Sommer, wenn man barfuß darüber geht – und gleichzeitig sehr widerstandsfähig gegenüber Nutzung und Witterung sein. Für Terrassen werden leider meistens tropische Harthölzer verwendet. Da ich darauf bewusst verzichten will, habe ich für das Berliner Projekt nach einer Alternative gesucht und mich für ein nachhaltig beschafftes, FSC-zertifiziertes Weichholz aus Europa entschieden. Durch ein umweltfreundliches Veredelungsverfahren erreicht es eine Beständigkeit, die mit tropischen Harthölzern vergleichbar ist, aber einen deutlich besseren ökologischen Fußabdruck hat. Bei anderen Projekten habe ich Naturstein verwendet, der durch seine schöne Textur überzeugt und sich gleichzeitig wunderbar anfühlt“, so Lukas König weiter.

Stadtoase Details Moebel Janine Sametzky decohome.de

Helle Farben als Kontrast zur Vegetation

Materialität und Farbigkeit wurden bei der „Stadtoase“ bewusst reduziert gehalten: Die helle, ruhige Oberfläche der Konstruktion bildet einen klaren Kontrast zur üppigen Vegetation und soll den Eindruck einer architektonischen Landschaft im Grünen verstärken. In Anlehnung an den Bestand ist die feuerverzinkte Stahlkonstruktion in Grauweiß beschichtet und nimmt die Fassadenfarbe der Villa auf.

Lukas Koenig Terrasse anbaeun Treppe weiss Janine Sametzky decohome.de
 
Lukas Koenig Terrasse anbaeun Treppe weiss Janine Sametzky decohome.de
Lukas Koenig Holz Beton Detail Terrasse anbauen Janine Sametzky decohome.de
 
Lukas Koenig Holz Beton Detail Terrasse anbauen Janine Sametzky decohome.de
Lukas Koenig Detail Fensterbrett Terrasse anbauen Janine Sametzky decohome.de
 
Lukas Koenig Detail Fensterbrett Terrasse anbauen Janine Sametzky decohome.de
Stadtoase Balkon Holz Beton Terrasse anbauen Janine Sametzky decohome.de
 
Stadtoase Balkon Holz Beton Terrasse anbauen Janine Sametzky decohome.de
Terrasse Stufen Janine Sametzky decohome.de
 
Terrasse Stufen Janine Sametzky decohome.de

„Grundsätzlich sind dunklere, erdige Farbtöne oft robuster, weil sie Veränderungen durch Witterung besser aufnehmen“, sagt Lukas König. „In diesem Projekt haben die Auftraggebenden und ich uns dennoch bewusst für einen hellen Farbton entschieden, der an die Fassadenfarbe des Bestands angelehnt ist. Dadurch tritt die neue Konstruktion optisch vor dem Gebäude zurück und fügt sich harmonisch ein.“

Sichtschutz – gerne natürlich!

Gerade in dicht bebauten Städten ist das Thema Sichtschutz enorm wichtig. Doch wie erfüllt dieser seinen Zweck und sieht dabei auch noch gut aus? Welches Material wählt man am besten? Der Profi sagt: „Das hängt stark von der baulichen und nachbarschaftlichen Situation ab. Grundsätzlich bevorzuge ich natürliche Lösungen wie Bepflanzung, weil sie lebendiger wirken und sich besser in den Außenraum integrieren. Dabei bedenke ich immer die jahreszeitlichen Veränderungen mit, etwa die Verminderung des Sichtschutzes im Winter. Bei der Hochterrasse habe ich ein großzügiges Pflanzbeet integriert, das allein durch seine Dimension einen Abstand zu den Nachbarn schafft. In Kombination mit der Bepflanzung entsteht so ein natürlicher Sichtschutz, ohne dass zusätzliche bauliche Elemente notwendig sind.“

Lukas Koenig Stadtoase Tisch Zeitung Getraenk Janine Sametzky decohome.de

Kleine Terrasse? Kein Problem!

Nicht jeder hat das Glück, eine weitläufige Terrasse sein eigen nennen zu können. Wer nur wenige Quadratmeter oder einen kleinen Balkon zur Verfügung hat, sollte den Fokus auf eine klare Gestaltung setzen, sagt Lukas König. Das heißt: weniger Elemente, bewusste, klar definierte Zonen und eine gezielte Bepflanzung. On top sorgen leichte, flexible Möbel und individuelle Einbauten für die beste Ausnutzung des vorhandenen Raums. Am Ende geht es darum, eine Atmosphäre zu schaffen, die Innen und Außen verbindet. Dann funktioniert auch ein kleiner Bereich als grünes Wohnzimmer.“

Oft unteschätzt: Der Blick von innen

Nicht vergessen: Den Balkon oder die Terrasse hat man in den kalten Monaten von innen im Blick. Wer dann nicht auf zusammengeklappte Stühle, vertrocknete Blüten und den ungenutzten Grill schauen möchte, für den hat Lukas König noch einige praktische Tipps. „Ziel sollte sein, dass Außen und Innen sich gegenseitig aufwerten. Dafür ist es wichtig, dass der Außenraum im Winter nicht zur Abstellfläche für Sommerutensilien wird, sondern seine eigene Qualität und Ruhe bewahrt. Zum Beispiel durch fest verbaute individuelle Sitzgelegenheiten, wie Bänke oder Sitzstufen, die im Sommer wie im Winter funktionieren. Außerdem ist es hilfreich, wenn Geländer transparent und durchlässig sind, da der Blick dann durch diese hindurch in die Winterlandschaft schweifen kann. Unterstützen kann man es auch durch Beleuchtung, was besonders in der dunklen Jahreszeit hilft.“

Stadtoase Blick ins Grüne Janine Sametzky decohome.de

www.lukaskoenig.de

Fotos: Janine Sametzky

Mehr Inspiration zur Gestaltung der Terrasse gibt es → hier und → hier