700 Objekte, mehr als 500 Kreative aus aller Welt und eine ganze Insel im Zeichen des Handwerks: Die Homo Faber Biennale ist zurück in Venedig. Für die vierte Ausgabe verwandelt die britische Künstlerin und Designerin Es Devlin die Fondazione Giorgio Cini in eine Island of Light.

Sophia Bennett ©Michelangelo Foundation
Es gibt wohl schlechtere Orte, um über die Zukunft des Handwerks nachzudenken, als ein ehemaliges Kloster auf einer venezianischen Insel. Noch bis zum 30. September versammelt die vierte Homo Faber Biennale auf San Giorgio Maggiore hier mehr als 700 handgefertigte Objekte aus über 70 Ländern. Zu sehen sind Arbeiten von etablierten Meistern ebenso wie von Nachwuchstalenten, verteilt auf 15 Installationen in den Sälen, Kreuzgängen und Gärten der Fondazione Giorgio Cini.
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Den roten – oder besser: leuchtenden – Faden liefert diesmal die britische Künstlerin und Designerin Es Devlin. Unter dem Titel An Island of Light setzt sie die Exponate mit Licht, Wasser, Spiegeln, Bewegung und Klang in Szene. Dass Devlin große Räume in Erlebnisse verwandeln kann, hat sie oft genug bewiesen. Für Beyoncé entwarf sie unter anderem die spektakulären Bühnenbilder der Formation World Tour und arbeitete auch am Stage Design der Renaissance World Tour mit. 2025 ließ sie während der Milan Design Week ihre kreisrunde Library of Light im Innenhof der Pinacoteca di Brera rotieren. In Venedig richtet sie den Scheinwerfer nun auf etwas vergleichsweise Leises: die Arbeit von Hand.

©Courtesy of Es Devlin Studio
Anfassen erlaubt
Und davon gibt es während der Homo Faber reichlich zu entdecken. Die Bandbreite reicht von Porzellan, Glas und Holz über Textilien und Papier bis zu Leder und Metall. Unter den deutschen Ausstellern finden sich etwa die Porzellan Manufaktur Nymphenburg, Holzgestalter Ernst Gamperl, Glasdesignerin Alexa Lixfeld und Origamikünstlerin Anya Midori.
Doch Handwerk wird hier nicht nur ausgestellt, sondern auch vorgeführt und vermittelt. In der Installation An Atelier Alive arbeiten Kunsthandwerker:innen vor Ort und geben Einblick in Techniken und Herstellungsprozesse. Bei A Rooted Ascent lassen sich Holzhandwerker und Weber über die Schulter schauen. Wer lieber selbst Hand anlegt, kann sich unter anderem in Kintsugi, der japanischen Stempelkunst Hanko oder Origami versuchen. Die gefalteten weißen Blüten aus dem offenen Origami-Workshop wachsen im Laufe des Monats sogar zu einer gemeinsamen Installation weiter.

Giulio Ghirardi ©Michelangelo Foundation
Andiamo!
Nach San Giorgio Maggiore ist übrigens noch lange nicht Schluss: 130 venezianische Werkstätten öffnen im September im Rahmen von Homo Faber in Città ihre Türen. Dazu kommen verschiedene Ausstellungen in der Stadt, darunter Ca’ Riflesso von Artemest in der Casa Sanlorenzo, die italienisches Kunsthandwerk mit besonderem Fokus auf Venedig und die Region Veneto zeigt. Wer möchte, kann die Ausstellung also zum Ausgangspunkt für eine ziemlich ausgedehnte Handwerkstour durch Venedig machen.

Giulio Ghirardi ©Michelangelo Foundation








