Bisher findet die Klangwirkung von Räumen bei Innenarchitekten noch wenig Gehör. Philipp Störring von Relaxound möchte das ändern, denn er denkt Klang als einen Teil der Einrichtung. Wie es ist, in der Küche vom Gesang einer Nachtigall begrüßt zu werden, warum man absolute Stille vermeiden sollte und warum Naturklänge eine beruhigende Wirkung haben, erklärt der Berliner in Interview.
Der studierte Sinologe und Literaturwissenschaftler interessiert sich für Musik, Hypnose, Entspannungsverfahren und entwickelt seit 2013 gemeinsam mit Dennis Clasen die überaus erfolgreichen Zwitscherboxen, ein Relaxtool, das ein wohltuendes Vogelkonzert, sanftes Wellenrauschen oder die Geräuschkulisse einer Alm abspielt, sobald man sich ihm nähert. Mit den Sounds möchte Philipp Störring Entspannung verbreiten und für den Wohlklang in den eigenen Vier Wänden sensibilisieren.
Bekommt das Thema Klang im Wohnraum noch zu wenig Aufmerksamkeit?
Es war vor allem technisch bedingt, dass man bis vor wenigen Jahren als einziges Hintergrundgeräusch das Radio oder selbstgewählte Musik in Räumen abspielen konnte. Meine ursprüngliche Idee war, in Arztpraxen positive Klänge zu nutzen, die das Raumempfinden verbessern können und Entspannung auslösen. Klassische Entspannungsmusik kann ethnisch oder religiös empfunden werden und da erschien mir das Vogelzwitschern als ideale Lösung. Das gibt es schon immer überall und es erzeugt automatisch ein positives Gefühl. Die Idee des Vogelkonzerts aus der kleinen Box kam unmittelbar gut an, denn es vermittelt ein Gefühl von innerer Sicherheit und Frieden.

Die Oceanbox bringt einen klassischen Wohlfühlmoment nach Hause: das Meeresrauschen
Wie kommt das?
Das liegt daran, dass wir das Geräusch mit dem Sonnenaufgang verbinden, das heißt, die Nacht ist vorbei und man kann sich wieder sicher fühlen. Zudem wies der Klang evolutionär auf die Abwesenheit von Prädatoren hin. Unsere Zwitscherboxen werden durch Bewegungsmelder ausgelöst, die unterschiedliche Klänge abspielen. Wir haben das Produkt in den letzten Jahren weiterentwickelt und bieten mittlerweile auch Grillenzirpen, Wellenrauschen am See oder am Meer, Geräusche aus dem Dschungel oder von der Alm an. Jeder hat schließlich seine persönlichen Assoziationen und Präferenzen.
In welchem Moment entstand die Idee zur Zwitscherbox erstmalig?
Die Idee war ursprünglich ein Audiokonzept für medizinische Einrichtungen, das per Bewegungssensor für zwei Minuten anspringt. Mein Co-Founder Dennis ist Designer und hatte direkt dieses kleine Häuschen im Sinn, das wir in unterschiedlichen Finishes anbieten. Sobald wir unsere ersten Prototypen vorführten, wollte jeder eines haben. Mittlerweile haben wir knapp zwei Millionen Soundboxen verkauft.

Zwitschert im Kleinformat: die Birdy Box
Das ist eine Menge! Was bewirkt Klang in unseren Räumen?
Wir schätzen mit unseren Sinnen unsere Umgebung ein und sie ermöglichen es, uns in unserer Umgebung zu orientieren. Wir unterscheiden zwischen natürlichen, wohltuenden und bedrohlichen Klängen. Naturklänge sind der Ursprung unseres ästhetischen Klangempfindens und sie wirken subtil auf unser Wohlbefinden, ohne dabei einen großen Teil des Bewusstseins einzunehmen.
Warum empfinden wir absolute Stille als unangenehm?
In der vollkommenen Stille hören wir uns selbst sehr laut. Das ist ungewohnt und auch unnatürlich. Orte, die hingegen überdurchschnittlich laut sind, belasten unsere Nerven. Wir müssen klanglich die goldene Mitte finden. Wir leben ja eigentlich immer in Klängen: jemand bewegt sich im Haus, die Spülmaschine läuft, der Nachbar telefoniert, ein Auto fährt vorbei. Ideal ist es natürlich, wenn wir uns von Klängen unserer Umgebung angesprochen fühlen und sie uns gut fühlen lassen.

Froschkonzert: die Satellitebox Tree Frog Classic
In welchen Räumen werden die Soundboxen am häufigsten verwendet?
Viele nutzen die Zwitscherbox, die Lakeside und Oceanbox im Gäste-WC und im Bad. Viele haben sie aber auch im Flur oder im Wohnzimmer installiert. Man kann damit auch eine ganze Klangatmosphäre aus mehreren Klangquellen kreieren. Einige Boxen haben jeweils nur einen spezifischen Klang, also eine Amsel, Singdrossel, Nachtigall, einen Frosch oder eine Grille. Der Sound klingt so, wie das Tier tatsächlich zu hören ist, das heißt, es singt eine kleine Melodie, macht eine Pause, singt wieder, diesmal eine andere Melodie. Aus diesen einzelnen Klängen kann man sich sehr gut eine echte Klangatmosphäre zusammenstellen. Drei Boxen klingen dann wie ein richtiges Natur Soundscape.
Hören Sie privat Zuhause auch Vogelgezwitscher?
Ich benutze zuhause fast all unsere Boxen, die wir auf dem Markt haben. Bei mir hängen zehn, zwölf von den kleinen Satellitenboxen. Aber auch hier im Büro hängen fünf, sechs Boxen – und sie schaffen einen sehr angenehmen, beruhigenden Hintergrundsound.







