Ein historisches Kapitänshaus auf Sylt wurde vom Berliner Architekturstudio Batek behutsam saniert. Hier erklärt Patrick Batek, wie die Altbau Sanierung im Spannungsfeld von Tradition und Moderne funktioniert.
Zwei befreundete Bauherren, ein Haus am Meer – und ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie man darin wohnen will. Auf Sylt bekam das Team von Batek Architekten den Auftrag, ein denkmalgeschütztes Gebäude aus dem 17. Jahrhundert neu zu gestalten. Außen bleibt das Kapitänshaus mit seinem roten Backstein und Reetdach klassisch, innen entstanden zwei individuelle Welten: eine minimalistisch-modern, die andere im Stil der Inseltradition. Wir schauen hier auf die historisch inspirierten 70 Quadratmeter und lassen den Architekten erzählen, was beim Umbau eines Hauses mit Geschichte wichtig ist.

Architekt Patrick Batek
Aller Anfang: Die Schatzsuche im Altbau
Als der Auftrag kam, war von der ursprünglichen Bausubstanz und dem originalen Charme nur noch wenig erhalten, erklärt Patrick Batek im Gespräch. Die zentrale Frage lautete daher bei der Sanierung nicht, wie viel Originalsubstanz sich retten lässt, sondern was den Kern dieses Hauses ausmacht. „Wir waren dankbar für jedes erhaltene Element, das wir bewusst in die neue Gestaltung integriert haben“, sagt der Architekt. Hierzu gehören die Türen und eine alte Durchreiche, die sorgsam wieder aufbereitet wurden sowie die sogenannte „Katschur“, ein schräger Teil der Zimmerdecke, der durch die Ständerbauweise und die Dachkonstruktion entsteht.
Materialien für die Altbau Sanierung: Holz, Ziegel, Farbe
Auch die Farb- und Materialwahl sollte nicht nur geschichtlich sondern auch regional zum Gebäude passen. „Eine wichtige Inspirationsquelle war für uns ein Besuch im örtlichen Heimatmuseum“, so Batek, der beispielsweise einen Backsteinboden sowie eine Holzvertäfelung einziehen ließ – historisch angelehnt, aber modern ausgeführt. „Diese Materialien sind tatsächlich neu, wurden jedoch bewusst mit geschichtlichem Bezug ausgewählt. In Kombination mit einer modernen, lose gesetzten Möblierung entsteht so ein zeitgemäßes Wohngefühl mit historischer Tiefe“, erklärt er.

Der Backsteinboden in der Küche und die schlichte, maßgefertigte Sitzgruppe wurden von historischen Vorbildern inspiriert.
Denkmalschutz als kreativer Rahmen
Den Denkmalschutz, der bei dem alten Haus natürlich eine Rolle spielte, empfand der Architekt dabei nicht als Einschränkung, im Gegenteil: „Die Auflagen waren ein wertvoller Input und gleichzeitig eine gestalterische Leitplanke für uns“, erklärt er. Gerade bei historischen Gebäuden kann dieser Rahmen Orientierung geben und den Blick aufs Wesentliche lenken.
Das heißt jedoch nicht, dass es nicht – wie bei fast jeder ordentlichen Altbau Sanierung – die ein oder andere Überraschung gab. Einerseits waren diese statischer Natur, andererseits stellten die besonderen Proportionen des Hauses (niedrige Deckenhöhe, viele Dachschrägen und kleine Fenster) durchaus eine Herausforderung für das Team dar. Gelöst wurden diese vor allem durch Konsequenz: „Durch das Einhalten von Proportionen und Verbindungen der einzelnen Elemente zueinander wirken die Besonderheiten heute stimmig und selbstverständlich“, erklärt Patrick Batek. Möbel, Leuchten und Co. wurden also sehr genau und sehr dosiert ausgewählt und platziert. Am Ende entstand ein gemütliches Inselnest. Ein Zuhause, das seine Geschichte respektiert und gleichzeitig Raum für Neues schafft.
Text: Christiane Tillmann // Fotos: Marcus Wend








