Die Häuser Liguriens erzählen von der Eleganz vergangener Sommer. Das Turiner Architektur- und Designstudio Marcante-Testa zeigt mit einer historischen Villa in Alassio, wie sich die gestalterische Identität der Riviera mit aktuellen Wohnansprüchen verbinden lässt – sensibel, detailreich und voller überraschender Lösungen.

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Sommerarchitektur mit Geschichte

Ligurien zählt zu jenen Küstenregionen, deren Architektur schon früh von der Idee des Sommers geprägt wurde. Bereits im späten 19. Jahrhundert entstanden hier die ersten Villen für das bürgerliche Ferienideal: mit ruhigen Fassaden, weißen Fensterläden, Gärten zum Meer und einer zurückhaltenden Eleganz, die Luxus mehr andeutet als ausstellt. „Es waren die Vorläufer der Ferienhäuser. Eine solide großbürgerliche Architektur ohne Protz, welche die ligurische Küste Bau für Bau besetzten“, wissen Adelaide Testa und Andrea Marcante vom gleichnamigen Turiner Studio. Noch heute sind viele dieser Villen erhalten und erstrecken sich von der Riviera di Levante bis zur Riviera di Ponente.

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Marcante-Testa interpretiert eine Villa in Alassio neu

Eine dieser Villen, lachsfarben verputzt und Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut, steht in Alassio, etwa auf halber Strecke zwischen Monaco und Genua. Im Zuge eines Umbaus wurde das Gebäude in mehrere Wohneinheiten aufgeteilt. Dabei entstanden auch ein neuer Gemeinschaftsgarten und ein Pool mit Meerblick. Studio Marcante-Testa übernahm die Gestaltung der oberen Stockwerke: eine 170 Quadratmeter große Wohnung über zwei Ebenen. „Der Auftrag kam von einer Familie aus dem Piemont, die hier einen Rückzugsort mit genug Raum für sich, ihre Tochter und gelegentliche Gäste suchte.“

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Ein Grundriss zwischen Offenheit und Privatsphäre

Um diese Anforderungen zu erfüllen, brauchte es einen Grundriss, der Offenheit und Diskretion ausbalanciert. So ist die Küche vom Wohnraum getrennt, aber über Sichtachsen und Materialien optisch eingebunden. Drei Schlafzimmer und vier Bäder sind so organisiert, dass auch bei voller Belegung keine Enge entsteht. Zudem bleibt jeder Bereich klar gegliedert.

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Historische Elemente zeitgemäß interpretiert

Statt auf stereotype Küstenästhetik in Blau-Weiß zu setzen, erhob das Turiner Team die Vergangenheit zum stilistischen Narrativ. Eigens entworfene Terrazzofliesen greifen die Materialität alter ligurischer Graniglia-Böden auf. Mit Wiener Geflecht bespannte Schranktüren und florale Tapeten referieren auf die gestalterische Geschichte der Riviera – gebrochen durch klare Linien und ungewöhnliche Kombinationen.

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Farben als architektonisches Werkzeug

Auch die Tonalität ist hier mehr als bloß Stilmittel, denn sie gliedert, lenkt und korrigiert. So erhalten die Fenster, die fast bis zur Decke reichen, durch gezielte Farbbänder visuelles Gewicht. Raumtiefen werden mit Kontrasten betont oder ausgeglichen. Es ist die subtile Steuerung von Übergängen – zwischen Farben, Funktionen und Stilen –, die dieses Projekt besonders macht. Damit zitieren Marcante-Testa die Historie der ligurischen Küste nicht nur, sondern schreiben sie auf zeitgemäße Weise fort.

www.marcante-testa.it

Fotos: Helenio Barbetta/©Living Inside

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