Wenn Sie zur Generation X gehören, ist Ihnen die Fliesenwahl Ihrer (Groß-)Eltern sicherlich auch in besonderer Erinnerung geblieben: Keine Angst vor farbigen Fliesen in Küche und Bad, keine Zurückhaltung beim Muster. Die Freude an Ausdrucksstärke ist nach dem cleanen Look nun wieder da. Doch diesmal mit einem ganzheitlicheren Ästhetikansatz. Was man bei der Gestaltung, Farb- und Materialwahl oder Pflege beachten muss, zeigen wir Ihnen hier.

Palet (Inspiration: Estudio Reciente)
Farbe, Muster und Verlegung
Die Entscheidung für die Fliesenfarbe, ein bestimmtes Muster oder die Art der Verlegung sollte auf der Überlegung basieren, ob Mobiliar, zum Beispiel eine Küchenzeile, ergänzt, hervorgehoben oder in den Hintergrund gestellt werden soll.
- Küche in Weiß, Beige oder Naturfarbe: Wenn sich die Küche zurücknimmt und die gesamte Raumatmosphäre hell bleiben soll, eignen sich neutrale Töne wie Grau, Beige und Creme sowie Sand- und Erdtöne.
- Farbenfrohe Fronten: Fliesen, welche die Farbe der Fronten aufnehmen, sorgen für ein harmonisches Gesamtbild. Angenehm, wenn auch auffällig, kann die Verwendung von (abgetönten) Komplementärfarben wirken.
- Küchen mit Holzfronten: Je nach Holzton lassen sich mit kräftigen Farben wie Rot oder Grün starke Kontraste kreieren. Für eine weichere Ästhetik bietet es sich an, in der Farbfamilie zu bleiben, die harmonisch mit Eiche, Nussbaum, Birke, Ahorn oder Fichte funktioniert.
- Küche im Industrial Style: Dem cleanen Stil wird durch Fliesen in warmen Farben oder mit Mustern die Kühle genommen. Wer jedoch genau das betonen möchte, liegt mit monochromen Fliesen in kühlen Tönen richtig.
„Rosa Fliesen kommen am besten zur Geltung, wenn sie mit Materialien kombiniert werden, die für Ausgewogenheit und Tiefe sorgen. Natursteine wie Marmor oder Kalkstein sorgen für einen ruhigen, raffinierten Kontrast, während warme Hölzer Weichheit und Wärme verleihen. Gebürstete Metalle oder dunklere Akzente können ebenfalls verwendet werden, um die Farbe zu erden und der Küche ein architektonischeres Flair zu verleihen.“
Damla Turgut, Gründerin Otto Tiles & Design
- Verwendung von Fliesen mit (bunten) Mustern: Hierbei sind unter anderem die Raumgröße, seine Funktion, die Fugenfarbe (kontrastreich oder angepasst an die Fliesenfarbe für ein homogenes Erscheinungsbild), sowie Stil oder Materialien des restlichen Interieurs zu beachten.
- Fliesenformat: Das Format beeinflusst die Raumwirkung stark, so wirken Fliesen mit wenigen Fugen großzügiger und ruhiger. Kleine Varianten wie marokkanische Zellige oder Mosaike können mehr Tiefe, aber auch Unruhe erzeugen.
- Verlegung: Raumproportionen lassen sich bewusst verändern, indem Fliesen quer oder vertikal verlegt werden.
„Ob Fischgrät, Schachbrett, Mosaik oder ganz schlicht und linear: Format und Muster bestimmen Rhythmus, Dynamik und Wirkung im Raum. Besonders handgemachte Fliesen oder handbemalte Varianten verleihen der Fläche das gewisse Extra. Ihre bewusst nicht perfekte Oberfläche bringt Tiefe, Haptik und lebendige Lichtreflexe ins Interieur. Auffällige Muster sorgen für den gewünschten Aha-Effekt, während ein Mix aus Farben und Strukturen Spannung erzeugt – subtil oder als klares Statement, je nach Konzept.“
Thomas Mang, Architekt und Interiordesigner
Material und Haptik
Welche Fliesenart ist die Richtige für mein Projekt? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. In welchem Zimmer sollen die Fliesen verlegt werden, welche Funktionalität haben sie und wie sollen sie sich optisch in das Gesamtkonzept einfügen?
- Keramikfliesen: De beliebteste und häufigste Art. Sie sind aus Ton, Sand, Feldspan und weiteren Rohstoffen zusammengesetzt und zeichnen sich durch ihre Widerstandsfähigkeit und Vielfältigkeit aus. Sie sind im Innen- und Außenbereich einsetzbar.
- Steinzeugfliesen: Feinkeramik wird sehr stark verdichtet. Durch ihre Festigkeit nimmt die Fliese fast kein Wasser mehr auf und ist somit abriebfest und frostbeständig.
- Feinsteinzeugfliesen: Ihre herausragende Eigenschaft ist ebenfalls ihre geringe Wasseraufnahme und Robustheit. Ihre Rutschfestigkeit hängt von der Oberflächenstruktur ab, die entweder durch Einsatz von Granulat oder Schleifen erreicht wird.
- Natursteinfliesen: Echte Steinarten wie Granit, Marmor, Schiefer oder Travertin prägen den Look der Fliesen, die sich durch das natürlich gewachsene Material in Farbe, Struktur und Maserung unterscheiden.
- Zementfliesen: Diese Fliesenart wird häufig in Handarbeit getrocknet, nicht wie die Feinsteinzeugfliesen gebrannt. Um Schmutz und Fett abzuweisen, erhalten sie eine Imprägnierung.
- Glasfliesen: Glasfliesen finden vor allem als Wandfliese Verwendung. Das liegt zum einen daran, dass sie rutschig werden können, zum anderen an ihrer vielfältigen Kolorierung, die sich mit unterschiedlichen Fronten und Materialien kombinieren lässt.
Die Haptik wird von der Tatsache geprägt, ob sie glasiert oder unglasiert sind. Ihre Abriebgruppe entscheidet über die Abnutzung. Dazu gibt es eine Aufteilung in fünf Gruppen: von sehr leichter Beanspruchung (z.B. Wandfliesen) über mittlere Beanspruchung (im Schlafzimmer) bis zu starker Beanspruchung (alle Wohnbereiche plus Terrasse und Balkon. Also dort, wo es häufig Kontakt mit Schuhen mit Profil gibt).
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