Noch bevor die Milan Design Week 2026 mit dem heutigen Tag offiziell gestartet hat, ist die Stadt längst im Ausnahmezustand. Pressetermine, erste Präsentationen und ein Abstecher nach Alcova liefern traditionell die verlässlichsten Hinweise darauf, was uns in den kommenden Tagen beschäftigen wird. Wir nehmen Sie mit und teilen unsere Eindrücke!
Geometrie schlägt Kurve
Nach Jahren voller organischer Silhouetten tauchen nun vermehrt klare, geometrische Figuren auf: Zylinder, Kreise und Dreiecke setzen einen bewusst konstruierten Kontrapunkt zu den weich geschwungenen Linien der vergangenen Saisons. Interessant dabei ist weniger der Bruch als das Zusammenspiel: Beide Formensprachen existieren parallel. Was früher als Gegensätze gedacht wurde, wird jetzt als gestalterische Einheit inszeniert.

Moroso
Retro bleibt – aber mit neuer Attitüde
Auch der Retro Hype nimmt nicht ab. Neu ist der kühlere Unterton an einigen Stellen. Statt nostalgischer Gemütlichkeit zeigt sich der Mid-Century-Stil aktuell kantiger und erinnert dabei an südamerikanische Designtraditionen, insbesondere aus Brasilien. Auch viele polnische Designs mit ähnlicher Handschrift fügen sich hier ein. So prägen Hochglanzoberflächen, lackiertes Palisanderholz und eine gewisse formale Strenge das Bild.
Große Marken wie Flexform, Molteni oder Minotti greifen den Modernismus der 1950er- und 60er-Jahre auf und parieren die historische Formen des Mailänder Retro-Flairs mit ihren neuen Kollektionen. Und in Sachen Gartengestaltung geht der Trend zu wunderbar wilden Grünzonen.

Flexform
Material Matters
Während sich Formen verändern, bleibt das Material erstaunlich konstant. Aluminium, Chrom und andere metallische Oberflächen können als etablierte Größen im aktuellen Interior-Kosmos angesehen werden. Besonders in Kombination mit dunklen Hölzern und Hochglanzlackierungen entsteht ein Look, der vertraut wirkt und dennoch zeitgemäß erscheint.
Alcova back in town
Nach zwei Jahren außerhalb des Stadtgebiets kehrt die Designplattform Alcova wieder ins alte Militärkrankenhaus in Baggio zürück. Was nicht nur dem Zeitmanagement getriebener Journalisten gut tut, sondern auch für den besonderen Milano-Effekt ein guter Wechsel ist. Auf dem alten Militärgelände sind Ausstellungen in der Küche, dem Hangar, den ehemaligen Krankenzimmern, einer Villa und einer Kirche zu sehen. An sich schon ein extrem spannender Mix, der nur selten enttäuscht.
Auch inhaltlich mischen sich wenige etablierte Marken mit aufstrebendem Design und vielen kleineren, interessanten Brands. Und das ergab dieses Jahr einen sehr hochwertigen Mix, vor allem auch in der neuen Location, der modernistischen Villa Pestarini, etwas weiter stadteinwärts gelegen.
Erste Erkenntnis des Wochenendes
Die vielleicht wichtigste Beobachtung nach zwei Tagen: 2026 wird kein Jahr radikaler Umbrüche. Stattdessen zeigt sich eine Branche, die bestehende Ideen weiterentwickelt, verfeinert und neu kombiniert. Oder anders gesagt: weniger Revolution, mehr Präzision. Weitere Eindrücke und Entdeckungen aus Mailand folgen in den nächsten Tagen. Stay tuned!

PET Lamp x Alvaro Catalán de Ozon







