Sie haben nicht nur eine eigene Designsprache, sondern auch eine starke Stimme: Anlässlich des Weltfrauentags widmen wir diesen Artikel fünf Frauen, die hängen, bauen, knüpfen, transformieren und schweißen.

Anna Zimmermann: die (Zusammen-)Schweißerin

Als Designerin hat Anna Zimmermann oft mit Handwerksbetrieben zu tun. Da stieß sie immer wieder auf Werkstätten, die fast ausschließlich mit Männern besetzt waren und die sie nicht ernst nahmen, wenn sie bestimmte Arbeiten ausführen wollte. Weil auch sexistische Kommentare keine Seltenheit waren, entschied sie sich, das Handwerk des Schweißens selbst zu lernen. Eher spaßeshalber lud sie Freundinnen zum Feminist Welding Club ein – in Anlehnung an „Knitting Clubs“, in denen gemeinsam gestrickt wird und die wiederum eher weiblich konnotiert sind.

weltfrauentag anna zimmermann feminist welding club foto anna zimmermann decohome.de

Schnell wurde aus ihrer Idee ein ernst zu nehmendes Projekt und seit Anfang 2024 gibt sie regelmäßig Workshops für Frauen und Flinta, also alle, die sich als Frau identifizieren. „Es geht nicht nur ums Schweißen“, sagt die Collectible-Designerin, die ihren Lebensmittelpunkt 2025 von London zurück in ihre Wahlheimat Wien verlegt hat, „sondern, wie das deutsche Wort zusammenschweißen verrät, auch um ein verbindendes Element. Ein Miteinander.“

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(Foto: Maria Ritsch)

Martina Tauber: die Kunstberaterin

Kuratorin, Kunsthändlerin, -beraterin, -dozentin und Kreativdirektorin: Martina Taubers Aufgabenfeld ist breit gefächert. Der Fokus aber liegt in der kunsthistorischen Beratung. Das bedeutet, sie unterstützt Kunden mit individuell kuratierten Konzepten ein Zuhause zu schaffen, das ihre Persönlichkeit widerspiegelt. Gemeinsame Sache macht Martina Tauber mit Einrichterin Stephanie Thatenhorst im Münchner Showflat der Interiordesignerin: Hier ist die Kunstberaterin nicht nur für die Kunstauswahl und Hängung zuständig, sondern gibt auch regelmäßig Führungen durch das Apartment und Einblicke in ihre Gedankenwelt zur Entwicklung des Kunstkonzepts im Showflat.

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(Foto: Sarah Bingham)

„Design ist zweckgebunden, lösungsorientiert und sucht Antworten. Kunst ist zweckfrei, stellt Fragen und öffnet Räume für Interpretation.“

Laura Karasinski: Die, die auch Luftschlösser bauen kann

„Vor einer Weile habe ich an der Uni einen Interiordesign-Kurs unterrichtet, zufällig eine reine Frauenklasse. Thema des Semesters: einen Co-Working-Space explizit für Frauen und LGBTQI+ Personen zu entwerfen. Daraus ist ein wunderschönes Luftschloss entstanden“, so Laura Karasinski. Ihr gestalterisches Gespür hat Art-Directrice und (Interior-) Designerin Laura Karasinski 2016 das Cover der Österreich-„Forbes“ gesichert. Persönliche Tipps von Laura Karasinski, speziell zur Küchenplanung lesen Sie →hier.

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(Foto: Apollonia Theresa Bitzan)

Lila Valadan: die Teppichkünstlerin

Seit den 1900er Jahren ist das Thema mit der Familiengeschichte von Lila Valadan verknüpft. Sie selbst beschäftigt sich seit 30 Jahren mit neopersischer Teppichkunst und Collectible Design. Ihren Erfolg in einem vorwiegend männlichen Umfeld erklärt die Wahl-Hamburgerin so: „Ich glaube, meine wichtigste Fähigkeit war, nicht zu versuchen, wie ein Mann zu sein – sondern bei mir zu bleiben, als Frau. Ich habe nie versucht, mich anzupassen oder lauter zu werden, nur um ernst genommen zu werden. In einer männerdominierten Branche war meine größte Stärke, dass ich nicht mitgespielt habe, sondern meinen eigenen Weg gegangen bin: ruhig, klar, mit Haltung. Ich glaube fest daran, dass man von jedem etwas lernen kann. Es geht nicht um Konkurrenz. Es geht darum, bei sich zu bleiben, zu wachsen – und mutig zu sein, auch wenn der Weg ungewohnt ist.“

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(Foto: André Giesemann)

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(Foto: Tom Giesemann)

Natalie Schwörer: die Transformatorin

Für unsere DECO HOME Ausgabe 1/26 sprachen wir mit Natalie Schwörer, Co-Ownerin der Münchner Neuen Werkstätten, unter anderem zu Tendenzen in der deutschen Interiordesign-Landschaft. Ihre Beobachtung: „Der große Trend liegt im Eklektischen. Das Zuhause soll individuell sein – wie der eigene Kleidungsstil. Früher war das nicht so. Als ich studiert habe, hieß es noch: ‚Wir Architekten sind auch Innenarchitekten.‘ Der Stil war klar minimalistisch. Ich finde es gut, dass sich das aufgeweicht hat. In Italien sehe ich eine Art Gegenbewegung: Das Design wird hier etwas strenger und zurückgenommener.“

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(Foto: Neue Werkstätten)

Für den frisch umgestalteten Showroom der Neuen Werkstätten beauftragte Schwörer Arianna Lelli Mami und Chiara Di Pinto vom italienischen Innenarchitekturbüro Studiopepe. „Es ging dabei vor allem um Atmosphäre, wie Design gelebt und inszeniert wird.“ Der Anlass war allerdings ein ganz pragmatischer: „Der Boden musste erneuert werden (lacht). Abder da wusste ich: Jetzt können wir umdenken. Ich habe das Potenzial der Neuen Werkstätten schon vor vielen Jahren gesehen, doch der richtige Moment war noch nicht da. Aber der Markt hat sich verändert. Unsere Aufgabe ist es nicht mehr, Möbel schön zu präsentieren, sondern ganzheitlich zu inspirieren und auf anderen Wegen neugierig zu machen.“

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(Foto: Andrea Ferrari)

Natürlich lassen wir aber auch die Männer aus der Designwelt zu Wort kommen. →Hier spricht Fabian Freytag über das Interior seines Penthouses in Berlin.