Am Weltfrauentag richten wir den Blick auf die weibliche Design-Riege am Bauhaus, denn auch im Jubiläumsjahr werden die Frauen der Schule noch allzu oft vernachlässigt.

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Der Einfachheit halber wurde Mityiko während ihrer Zeit in Deutschland nur Michiko genannt.  Studentenausweis von »Mityiko« Yamawaki. © Nachlass Michiko Yamawaki

„Nicht Technik oder Werkzeug bestimmen, was Kunst ist, sondern der Mensch, wenn er die Gabe hat, damit Kunst zu schaffen“ –  Lucia Moholy

Wenn vom Bauhaus die Rede ist, fallen in erster Linie Namen wie Walter Gropius, Paul Klee oder Mies van der Rohe. Doch rund ein Drittel aller Bauhaus-Schüler waren Frauen. Das heisst zwischen 1919 und 1933 besuchten insgesamt 462 Frauen das Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin. Ein wesentlicher Grund dafür war die Tatsache, dass in der Weimarer Republik den Frauen per Verfassung die Gleichstellung zugesprochen worden war. Weibliche Talente wurden bewusst gefördert. In der Kunst-, Design- und Architekturszene stellten sie allerdings auch am Bauhaus eine Neuheit dar. Daher ging die Gleichstellung auch noch nicht so weit, Frauen in allen Studienbereichen zuzulassen. Das wäre selbst den Herren am Bauhaus zu progressiv gewesen.

Frauen am Bauhaus

Die wenigsten Künstlerinnen waren Malerinnen oder Bildhauerinnen und nur eine Handvoll Frauen besuchte die Architekturklassen. Vielmehr waren sie in der Handweberei, der Metall- und der Keramikwerkstatt aktiv. Und das mit großem Erfolg. Zu den bekanntesten Künstlerinnen zählen sicherlich Gunta Stölzl, Marianne Brandt und Anni Albers. Sind den Meisten heute Namen wie Ise Gropius oder die Musikpädagogin Gertrud Grunow kaum mehr ein Begriff, waren sie doch in ihrer Zeit bekannt und einflussreich.

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Auf einem Entwurf von Anni Albers basiert der von der britischen Manufaktur Christopher Farr aufgelegte Teppich „Study Rug“ (Markanto)
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„Bauhaus Teppich 1“ von Gunta Stölzl, der Erneuern des Textildesigns (Markanto)
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Streng nach den Formprinzipien des Bauhaus aus Kreis, Kugel und Quadrat gestaltet ist die Teekanne aus 925er Sterling Silber von Marianne Brandt (Tecnolumen)
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„Bauhaus Teppich 3“ von Gunta Stölzl (Markanto)
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Marianne Brandt entwarf den zeitlos schönen Aschenbecher aus poliertem Edelstahl (Alessi)

Gertrud Grunow – Einem ganzheitlichen Kreativitätskonzept folgend, das eine bewusste Wahrnehmung durch Bewegungsübungen fördern wollte, ließ Gertrud Grunow ihre Schülerinnen die Farben tanzen. Wie angesehen sie schon zur Zeit ihres Eintritts ins Bauhaus war, belegt die Tatsache, dass sie als einzige Frau mit einem schriftlichen Beitrag im Katalog der Ausstellung „Staatliches Bauhaus Weimar“ vertreten war. Nach einer expressionistischen Ästhetik unter der Leitung von Johannes Itten fand jedoch mit der Übernahme durch Walter Gropius ein Wandel zu mehr Funktionalität und Neuer Sachlichkeit statt und Gertrud Grunow verließ das Bauhaus wieder.
Ise Gropius – Damit begann die Stunde von Ise Gropius, der Frau des zweiten Bauhaus-Leiters und dessen rechte Hand. Sie wurde von ihrem Mann gerne als „Mrs Bauhaus“ bezeichnet und avancierte zur leidenschaftlichen PR-Frau hinter der avantgardistischen Designschmiede. Ihre Aufzeichnungen und Protokolle sind zudem bis heute eine wichtige Quelle über die Zeit von Walter Gropius in Dessau und Weimar.
Gunta Stölzl – Die einzige Frau, der es gelang am Bauhaus eine Führungsposition einzunehmen. Als technische und künstlerische Leiterin der Webwerkstatt am Dessauer Bauhaus entwickelte sie in einem der am wenigsten angesehenen Bereiche Stoffe und Prototypen, die  zu einer der wichtigsten Einnahmequellen der Schule wurde.
Anni Albers – Eine der international bekanntesten Bauhaus-Frauen war Anni Albers. Ihr gelang es auch nach ihrer Bauhaus-Zeit in den USA, wohin sie 1933 mit ihrem Mann Josef Albers emigrierte, als Designerin, Künstlerin und Hochschullehrerin zu arbeiten.
Michio Yamawaki – kam mit ihrem Mann, dem Architekt und Fotograf Iwao Yamawaki, 1930 für zwei Jahre ans Bauhaus. Sie studierte unter anderem bei Kandinsky und arbeitete in der Weberei bei Gunta Stölzl und Anni Albers. Nach ihrer Rückkehr zählte das Ehepaar zu den wichtigsten Botschaftern des Bauhaus in Japan. Michiko arbeitete in ihrer Heimat als Model, Designerin und Dozentin.

Buchtipp: Wegweisende Künstlerinnen der Moderne

Der im Knesebeck-Verlag erschienene Band „Frauen am Bauhaus“ ist die bislang ausführlichste Publikation zu diesem Thema und stellt eine Auswahl von 45 Künstlerinnen, ihr Leben und ihren Werdegang vor, anhand derer die Rolle der weiblichen Mitglieder am Bauhaus deutlich wird. Spannend zu lesen, denn erst in der Summe der Porträts wird klar, wie schwierig es nicht nur war als Frau am Bauhaus zu bestehen, sondern auch in vielen anderen Bereichen ein Leben abseits der gesellschaftlichen Norm zu führen.

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192 Seiten, ISBN 978-3-95728-230-9, 35 Euro