Was sagen Farben über uns aus? Welche Nuancen passen zu mir persönlich und wie kann ich sie in meinem Umfeld so einsetzen, dass sie mir nutzen? Diesen Fragen geht der Farbpsychologe und Architekt Professor Axel Buether in seiner neuen Publikation „Das große Buch der Farbpsychologie“ nach.

Farbpsychologie K 2021 Axel Buether Fotograf Martin Jepp01 decohome.de

Farben seien kein starrer Code, sagt Axel Buether, sondern eine flexible Sprache

An wen richtet sich Ihr neues Buch?

Das Buch zeigt, dass Farben weit mehr sind als Dekoration oder Geschmack: Sie sind ein hochpräzises Instrument der Selbstwahrnehmung, Selbstfürsorge und Persönlichkeitsentwicklung. Ich verbinde darin erstmals neurobiologische, psychologische und kulturelle Erkenntnisse mit ganz konkreten Alltagsbereichen wie Kleidung und Wohnen. Es richtet sich an Menschen, die ihr Leben bewusster gestalten und verstehen möchten, warum Farben ihr Wohlbefinden, ihr Verhalten und ihre Entscheidungen tiefgreifend beeinflussen.

Haben die Deutschen ein spezielles Farbempfinden?

Das deutsche Farbempfinden ist historisch von Zurückhaltung, Funktionalität und einem starken Sicherheitsdenken geprägt. In unserer Kultur wurde Farbe lange mit Risiken verbunden, zu grell, zu dunkel, zu unberechenbar. Daraus entstand, was als „German Angst“ in der Farbwahl bezeichnet wird: die Unsicherheit vor Fehlentscheidungen und die Sorge vor peinlichen oder falschen Kombinationen. Mit der gesellschaftlichen Öffnung der 1970er-Jahre begann eine Farbrevolution. Inneneinrichtungen wurden individueller, die kulturelle Vielfalt wuchs und andere Farbtraditionen kamen in deutsche Wohnzimmer.

Was unterscheidet uns in Sachen Farbe und Wohnen von Nachbarländern?

Im internationalen Vergleich wirken Schweizer, Niederländer oder Skandinavier oft farbmutiger, weil Farben dort als Erweiterung des Ausdrucks gelten, nicht als potenzielle Fehlentscheidung. In Deutschland wirkt der Perfektionsdruck stärker. Viele warten ab, bis sie „die richtige Farbe“ finden. Und landen oft bei Weiß oder grauen Tönen, weil sie dort das geringste Risiko vermuten. Das sorgt für eine gewisse kollektive Tristesse in vielen Wohnungen. Gleichzeitig wächst ein neues Bewusstsein. Immer mehr Menschen suchen nuancierte, warme und persönliche Farbräume. Weg vom reinen Weiß, hin zu gebrochenen Tönen, die Charakter und Stimmung schaffen.

Warum Farbgestaltung auch Beziehungsarbeit ist und die Farbe des Jahres Schwierigkeiten birgt, lesen Sie im gesamten Interview mit Prof. Axel Buether in DECO HOME Ausgabe 1/26 (→ hier bestellen)! 

Interview: Bettina Krause

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