In Villers-sur-Mer nahe Deauville übersetzt Innenarchitektin Véronique Cotrel die Nuancen der normannischen Küste in ein Ferienhaus voller Streifen, Filmreferenzen und flirrender Sommerenergie.
Es gibt Häuser, die sofort vergnüglich stimmen. Die Villa des Rêves gehört zweifellos dazu. In Villers-sur-Mer, nur wenige Minuten von Deauville entfernt, hat die Pariser Innenarchitektin Véronique Cotrel ein Feriendomizil geschaffen, das den Geist der klassischen Badeorte mit überraschend zeitgenössischer Leichtigkeit interpretiert. Statt neutraler Sandfarben setzt sie auf grafische Streifen, klare Kontraste und eine Farbpalette, die so lebendig wirkt wie das Licht über dem Ärmelkanal.

Der Ort liefert dafür die perfekte Kulisse. Deauville zählt seit mehr als einem Jahrhundert zu den elegantesten Badeorten Frankreichs, berühmt für seine Strandpromenade, die bunten Sonnenschirme und die gestreiften Fachwerkhäuser. Genau diese Bilder sind auch der Ausgangspunkt für Cotrels Konzept. „Der Strand von Deauville mit seinen Farben, Streifen und Keramiken war eine wichtige Inspirationsquelle“, erklärt sie. Dass hier jedes Jahr das amerikanische Filmfestival stattfindet, eröffnete eine zusätzliche Referenz. „Wir haben spielerisch mit diesem filmischen Erbe gearbeitet, mit Anspielungen auf die Aquatic Musicals des amerikanischen Kinos der 30er- bis 50er-Jahre und einem kleinen Augenzwinkern in Richtung Wes Anderson.“

Warum die Gestaltung eines Ferienhauses mehr darf
Von Beginn an verstand Cotrel das Projekt weniger als klassische Renovierung denn als räumliche Inszenierung. „Dieses Haus ist kein Ort für den Alltag“, sagt sie. „Menschen kommen für ein paar Tage oder eine Woche Urlaub her. Das erlaubt uns, kreativer zu sein und ein echtes Universum zu schaffen, fast wie ein Theater- oder Filmset.“ Tatsächlich entfalten sich die Räume wie sorgfältig komponierte Szenen. Streifen, grafische Motive und wiederkehrende Details ziehen sich durch das Haus – eine heitere Dramaturgie.

Ferienhaus in der Normandie: So funktioniert die Farbpalette
Die Farben orientieren sich direkt an der Landschaft der Normandie. Verschiedene Nuancen von Gras- und Seegrün erinnern an die umliegenden Wiesen, Blau verweist auf das Meer, während warme Rot-, Orange- und Rosatöne die Backsteinarchitektur der Region zitieren. „Farbe kann unglaublich viel mit unserer Stimmung machen“, sagt Cotrel. „Gerade am Meer, wo das Licht ständig in Bewegung ist.“ Möbel und Accessoires bleiben bewusst zurückhaltend.


Der Klasiker: Streifenmuster
Besonders prägnant ist das Spiel mit Linien, das sich bis an die Fassade fortsetzt. „Sie wirkte ursprünglich eher zurückhaltend“, erzählt Cotrel. „Wir wollten sie wieder zum Leben erwecken und die typischen Fachwerkstrukturen der Region stärker betonen.“ Durch weichere, nuanciertere Farbtöne entstand eine Balance aus grafischer Klarheit und zeitloser Eleganz: eine Neuinterpretation der Küstenarchitektur, ohne in Nostalgie zu verfallen.

Da die Villa vor allem als Ferienhaus vermietet wird, spielte auch die Nutzung eine zentrale Rolle. Neben intimen Rückzugsorten gibt es großzügige Gemeinschaftszonen mit zwei Küchen und langen Esstischen. Ein eigens entwickeltes Soundsystem verteilt Musik über verschiedene Bereiche, ohne die Ruhe der Umgebung zu stören. So wird die Villa des Rêves zu einer atmosphärischen Erzählung über Sommer, Farbe und Leichtigkeit. Oder, wie Cotrel es formuliert: „Ich wollte einen Ort schaffen, der Energie gibt und zeigt, dass Urlaub auch bedeutet, sich selbst etwas leichter zu nehmen.“

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Text: Henrike Ziesemer // Fotos: Nicolas Anetson







