Der mit dem Licht spielte – Ingo Maurer

Er ver­lieh Glüh­bir­nen Flü­gel, durch­leuch­te­te Cam­pa­rifla­schen und zer­brach jede Men­ge Por­zel­lan – für sein Spiel mit dem Licht beweg­te sich Ingo Mau­rer ger­ne abseits aus­ge­tre­te­ner Design­pfa­de. Mit 87 Jah­ren ver­starb der Licht­po­et in München.

Spot an – für seinen letzten großen Auftritt

Wo er am Werk war ent­stand eine Büh­ne für das Licht. Auch wenn er ein erklär­ter Freund der Glüh­bir­ne war und deren Abschaf­fung stets bedau­er­te ging Ingo Mau­rer mit sei­nen unge­wöhn­li­chen Lam­pen und Licht­sys­te­me stets mit der Zeit und setz­te die neu­es­ten Tech­nik ein.

Nur zwei Tage vor sei­nem Tod wur­de in Mün­chen sein letz­tes gro­ßes Werk vor­ge­stellt: Für den Win­ter­gar­ten des Resi­denz­thea­ters gestal­te­te er die zwölf Meter lan­ge Licht­in­stal­la­ti­on „Sil­ver Cloud“.

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Gro­ßer Auf­tritt: Für das Münch­ner Resi­denz­thea­ter hat Ingo Mau­rer zuletzt das neue licht­ge­stal­te­ri­sche Kon­zept des Win­ter­gar­tens sowie eine neue Leucht­schrift entwickelt
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Die „Sil­ver Cloud“, eine rund zwölf Meter lan­ge Wol­ke aus 3000 reflek­tie­ren­den hand­ver­sil­ber­ten Papier­blät­tern, die per­ma­nent in Bewe­gung sind, ziert an expo­nier­ter Stel­le den Win­ter­gar­ten und war am 19. Okto­ber 2019 erst­mals für Besu­cher des Resi­denz­thea­ters zu sehen
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Der Ent­wurf der „Sil­ver Cloud“ bezieht sich auf ein Licht­ob­jekt, das Ingo Mau­rer vor zwei Jahr­zehn­ten für Issey Miya­ke ent­wor­fen hat­te. Die Wol­ke aus reflek­tie­ren­den Blät­tern rückt die spie­le­ri­sche Rea­li­tät des Thea­ters in den Blick
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Sie­ben gold­far­be­ne Ven­ti­la­to­ren sor­gen dafür, dass die sil­ber­nen Blät­ter, als gin­ge ein Wind­hauch durch sie hin­durch, per­ma­nent in Bewe­gung sind. Dar­über hin­aus strah­len rote LEDs die in ener­ge­ti­schem Rot gehal­te­ne Decke an und ver­lei­hen dem Raum ein beson­ders strah­len­des war­mes Licht

Schlechtes Licht macht unglücklich“

Ingo Maurer

Von Glühbirnen, Zetteln und zerbrochenen Tellern

Als Licht­de­si­gner war der 1932 auf der Insel Rei­chen­au gebo­re­ne eigent­lich Auto­di­dakt. Nach einer Aus­bil­dung zum Typo­graf stu­dier­te Ingo Mau­rer Gebrauchs­gra­fik und ging 1960 in die USA, wo er in New York und San Fran­cis­co als Desi­gner arbei­te­te. Zurück in Mün­chen grün­de­te er 1963 sei­ne Fir­ma Design M.

Schon sei­ne ers­te Leuch­te „Bulb“, wel­che die Form einer über­gro­ßen sti­li­sier­ten Glüh­bir­ne hat, wur­de ein Ver­kaufs­hit. Bereits drei Jah­re spä­ter wur­de sie in die Design­samm­lung des Muse­um of Modern Art in New York auf­ge­nom­men. Es folg­ten legen­dä­re Ent­wür­fe wie „Lucel­li­no“ oder „Zettel’z“.

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Sei­ner gro­ßen Lie­be – der Glüh­bir­ne – ver­lieh er mit „Lucel­li­no“ 1992 Flü­gel aus Gänsefedern
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Den Moment, wenn ein gan­zer Sta­pel Por­zel­lan zu Boden fällt und zer­bricht friert Ingo Mau­rer in sei­ner limi­tier­ten Pen­del­leuch­te „Por­ca Mise­ria“ ein (1994)
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Inter­ak­tiv: Leuch­te „Zettel’z 5“ (1997) kommt mit unbe­schrie­be­nen Blät­tern und lädt den Besit­zer ein die­se selbst zu beschrif­ten oder zu bemalen

Auch München lässt er strahlen

Der viel­fach aus­ge­zeich­ne­te Desi­gner gestal­te­te pri­va­ten wie öffent­li­chen Raum: So tau­chen sei­ne Beleuch­tungs­kon­zep­te gleich drei U-Bahn­hö­fe sowie das Zwi­schen­ge­schoß am Mari­en­platz in sei­ner Wahl­hei­mat Mün­chen in ange­nehm far­bi­ges Licht. Dane­ben spiel­te er in sei­nen Instal­la­tio­nen im Ein­kaufs­quar­tier Schwan­thal­er­hö­he und der­zeit in der Rotun­de der Pina­ko­thek der Moder­ne mit den Licht- und Raum­re­fle­xio­nen glän­zen­der run­der Oberflächen.

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Mit elf innen far­big lackier­ten fast vier Meter gro­ßen Alu­mi­ni­um­leuch­ten tauch­te Ingo Mau­rer 1998 die Münch­ner U-Bahn­sta­ti­on West­fried­hof in ein  völ­lig neu­es und noch dazu ange­neh­mes Licht. Es folg­te 1999 die U-Bahn­sta­ti­on Moos­feld im Osten der Stadt und schließ­lich die Münch­ner Freiheit
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102 auf­blas­ba­re Licht­ele­men­te instal­lier­te der Meis­ter des Lichts bei Sport Schus­ter in der Münch­ner Innen­stadt, die in sanf­tem Schwung den Weg in einen neu­en Laden­teil weisen
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Die raum­grei­fen­de Pen­del­wel­le „Dan­cing Mir­rors“ aus 27 Pen­deln unter­schied­li­cher Län­ge gestal­te­ten Ingo Mau­rer und Sebas­ti­an Hept­ing für das Münch­ner Ein­kaufs­quar­tier Schwanthalerhöhe
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Sein eiför­mi­ges glän­zen­des „Pen­du­lum“, das schwin­gend wie im Ruhe­zu­stand Raum­er­fah­rung mög­lich macht, ist noch bis 16.02.2019 in der Rotun­de der Pina­ko­thek der Moder­ne zu sehen

Auch inter­na­tio­nal waren sei­ne Ide­en gefragt. So im Ato­mi­um in Brüs­sel oder in New York, wo er für das Unicef-Gebäu­de eine über­di­men­sio­na­le fra­gil wir­ken­de Schnee­flo­cke aus Edel­stahl und 16.000 Kris­tall­pris­men ent­wi­ckel­te, die jedoch pro­blem­los selbst rau­es­ten Wet­ter- und Wit­te­rungs­be­din­gun­gen trotzt.

 

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www.ingo-maurer.com

Mehr zum The­ma Licht gibt es in der neu­en Aus­ga­be der DECO HOME

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