Versteckte Türen, verschiebbare Wände, mobile Kronleuchter – das Team von MKCA Architecture hat eine Wohnung in Carnegie Hill so renoviert, dass sie sich immer wieder neu an die Anforderungen einer fünfköpfigen Familie anpassen lässt. 

370 Quadratmeter Wohnfläche bieten für fünf Familienmitglieder eigentlich genügend Platz. Eigentlich. Sind der Schnitt und die Zimmeraufteilung jedoch nicht optimal, kann es hier schon mal eng werden, wenn Gäste oder eine große Party auf dem Plan stehen. Deshalb haben die Inhaber eines Appartments im New Yorker Viertel Carnegie Hill, die Architekten von Michael K Chen Architecture (MKCA) mit der Renovierung ihrer Wohnung beauftragt. Das Ziel: Eine Neugestaltung mit flexiblen Räumen, die entweder von einzelnen Familienmitgliedern oder gemeinschaftlich genutzt werden können.

MKCA Architecture setzt auf Flexibilität

Alle architektonischen Eingriffe von MKCA gehen auf die grundlegende Motivation des Projekts zurück: die Wohnung in ein fließendes, elegantes, modernes Zuhause zu verwandeln und gleichzeitig gewagte architektonische wie ästhetische Entscheidungen zu treffen. „Von Anfang an haben uns die Kunden gebeten, sie aus ihrer Komfortzone herauszuholen. Das Paar hatte ganz klare Vorstellungen davon, wie es leben wollte und wie bestimmte Räume funktionieren sollten“, sagt Michael K Chen. Der windradförmige Grundriss der Wohnung ließ dabei viel Gestaltungsfreiheit und fließende Übergänge zwischen den einzelnen Räumen zu.

Michael K Chen

In der kompletten Upper East Side Wohnung lassen sich Türen schwenken oder wegschieben und Zimmer gezielt nach Bedarf umgestalten. Das gibt der Familie Raum für die wichtige gemeinsame Zeit und ermöglicht gleichzeitig eigenständige Aktivitäten. Diese Strategie wird bereits beim Betreten der Wohnung über den Aufzug deutlich. Die raumhohe Eingangstür ist so konstruiert, dass sie dank schwenkbarer Scharniere ständig offen bleiben kann. Und auch die Wand zwischen dem Eingangsvorraum und der Küche kann einfach weggleiten. Generell haben die Architekten klassische Wände aus der Wohnung fast komplett verbannt. Dadurch sind Räume entstanden, die bei Bedarf ineinander übergehen können.

Das fließende Gefühl wird durch die durchdachte Anwendung von Materialien im ganzen Gebäude akzentuiert. Ein gegossener Terrazzoboden begrüßt die Besucher im Vorraum des Aufzugs und führt durch Küche, angrenzende Speisekammer, Schlafzimmerbereich, Garderobe, Gästetoilette und zurück zur Galerie. Von dort geht es weiter in die Wohn-, Ess- und Medienbereiche. So zieht der Boden durch ein verspieltes und ausdrucksstarkes Muster buchstäblich Verbindungen von Raum zu Raum.

„Ein Galerieraum gilt als Markenzeichen einer klassischen Park Avenue-Wohnung“, erklärt Michael K Chen, Direktor von MKCA Architecture

Wunderbar wandelbar

Wenn gewünscht verschmelzen mehrere Räume zu einer Einheit, beispielsweise der Essbereich und die Bibliothek. Konsequenterweise können sich auch die maßgefertigten Möbel, je nach Szenario, verändern. Sitzen statt der Familie geladene Gäste bei einer formellen Veranstaltung am Tisch, lässt sich der Tisch einfach vergrößern und die Bänke werden durch Stühle getauscht. Sogar die mit einem Drehmechanismus ausgestattete Deckenleuchte von Ladies and Gentlemen Studio kann in die Mitte des Raumes geschwenkt werden. Ebenso kann eine große Sitzgruppe im Wohnzimmer so angeordnet werden, dass wahlweise mehrere separate Zonen oder eine große Runde entstehen. „Durch die Porosität zwischen Essbereich/Bibliothek und Wohnzimmer schlüpfen Menschen leicht in die Räume und wieder heraus. Es ist ein Ort für zwanglose Familienessen, zum Lesen, Abhängen, Spielen. Und es ist auch ein Raum für groß angelegte, formelle Unterhaltung“, so Michael K Chen.

Der Tisch mit wellenförmiger Platte von Bildhauer und Designer Christopher Kurtz lässt sich vergrößern und verkleinern

 

Im Hauptschlafzimmer gesellen sich Seiden- und Sisal-Wandverkleidungen zu einem von MKCA entworfenen Bett. Die Vorhänge wurden aus einem maßgeschneiderten Webstoff aus Wolle, Seide und Mohair von Hiroko Takeda hergestellt

It’s a kind of magic…

Verschiebbare Wände, Türen, die aussehen wie Schranktüren, jedoch in ein anderes Zimmer führen, ein geheimer Spirituosenschrank im Wohnzimmer, ein Arbeitszimmer im Arbeitszimmer samt verstecktem Fernseher – was sich nach Zaubervorführung oder Science Fiction-Film anhört, wurde im Appartement in Carnegie Hill Realität. Denn dank geschickter Planung von MKCA und der Aufgeschlossenheit der Eigentümerfamilie lassen sich alle Räume immer wieder neu konfigurieren und nutzen. Die Verschmelzung von Funktionen in allen Größenordnungen – von Räumen, die mehreren Zwecken dienen, bis hin zu sich wandelnden Möbelstücken – ist ein Markenzeichen von MKCA Architecture und ein wesentlicher Bestandteil des Appartements. „Mit Kunden zusammenzuarbeiten, die uns herausfordern und bereit sind, Zeit und Energie zu investieren, um neue Dinge auszuprobieren, ist wirklich alles, was wir brauchen, um unsere beste Arbeit zu leisten“, resümiert Michael K Chen.

 
 
 
 
 
 
 
 

www.mkca.com

Fotos: Max Burkhalter
Text: Stefanie Wolf