Als Martina Hausel das Ferienhaus ihres Großvaters erbte, wollte sie es lediglich ein wenig renovieren. Doch am Ende blieb nur der Abriss. Heute bewahrt der Neubau in Niederbayern dennoch die Erinnerung an den vertrauten Ort – und verbindet natürliche Materialien mit französischem Wohngefühl.

Ein Ort voller Erinnerungen
Als Martina Hausel das Grundstück erbte, stand dort noch das alte Ferienhaus ihres Großvaters. In den 1950er-Jahren hatte er es am Waldrand eines Orts nahe Deggendorf gebaut – ein einfacher Holzbau, umgeben von Wiesen und später von einem Garten mit altem Baumbestand. Für Hausel war der Ort nie nur ein Grundstück: Nebenan stand das Elternhaus, hier verbrachte sie ihre Kindheitstage. „Ich erinnere mich, in einer Hängeschaukel zu sitzen und durch das große Fenster in den Garten zu schauen“, sagt sie. „Dieses Gefühl von Ruhe wollte ich wiederhaben.“

Der Plan war zunächst bescheiden: ein neues Bad, ein paar Reparaturen. Doch das Gebäude war mit Schadstoffen belastet und so blieb nur der Abriss. Hausel entschied sich für einen Neubau, der die Erinnerung bewahrt. Das dunkle Holzhaus orientiert sich in Form und Proportion am Vorgänger, ist jedoch höher und offener. Im Inneren spannt sich ein Sichtdachstuhl über einen großen Raum mit knapp fünf Metern Höhe. Rund 130 Quadratmeter Wohnfläche liegen auf einer Ebene, ergänzt durch eine kleine Schlafgalerie für den Sohn.

Hausel entwarf Grundrisse und Raumaufteilung selbst: „Ich stand oft in den alten Räumen und habe im Kopf schon das Neue gesehen.“ Auch beruflich eröffnet ihr die Erfahrung neue Wege. Hausel und ihr Mann leiten seit 20 Jahren eine Kommunikationsagentur – jetzt ist sie auch als Interiordesignerin tätig und eröffnet im Juni einen Showroom in München für französische Marken wie La Cornue oder Kostia Paris.
Französische Lässigkeit trifft ländliche Ruhe
Heute dient das Landhaus als Wochenend-Refugium. Freitags geht es hinaus ins Grüne. Das Gebäude steht auf rund 2600 Quadratmetern, umgeben von Eichen, Linden und Kastanien. Dazwischen entfaltet sich der Garten: Lavendel, alte Rosensorten, Staudenbeete und ein Kräutergarten wechseln sich ab. Ruhemomente findet man zwischen schattigen Stellen unter Bäumen bis zu Daybeds am Pool. „Je nach Tageszeit sucht man sich eine andere Ecke“, sagt Hausel.
Wohnen ohne Showroom-Gefühl
Drinnen setzt sich die lockere Atmosphäre fort: Küche, Essen und Wohnen liegen offen zusammen, verbunden durch einen langen Table de Ferme, einen Bauerntisch. Viele Möbel stammen von französischen Flohmärkten oder Antiquitätenhändlern, kombiniert mit Maßeinbauten für mehr Stauraum. Trotz der sorgfältigen Gestaltung sollte das Haus nie wie ein Showroom wirken. „Es muss gemütlich sein und benutzt werden“, sagt Hausel. Steinboden und Parkett tragen bewusst ein Antik-Finish. Sofa und Tisch dienen als Treffpunkt. Vielleicht liegt darin der besondere Reiz: Das Haus wirkt geplant, aber nicht inszeniert. Ein Ort, der Erinnerungen bewahrt und Raum für neue schafft. „Wenn ich die Tür aufschließe, habe ich sofort das Gefühl anzukommen.“
www.martinahauselinteriors.com
Text: Lilian Ingenkamp // Fotos: Mirjam Fruscella
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