Der Blick zurück ist das beste Mittel, um Design weiter zu entwickeln“ – Monica Förster im Interview

Wie for­men Tra­di­tio­nen das Inte­ri­eur von mor­gen? Schwe­dens gefrag­tes­te Desi­gne­rin Moni­ca Förs­ter lie­fert der­zeit die schöns­ten Antworten. 

deco-home-monica-frster-_photos-8Es ist Hoch­som­mer in Kopen­ha­gen, als Moni­ca Förs­ter ihre „Christ­mas Collec­tibles“ für die Sil­ber- und Por­zel­lan­ma­nu­fak­tur Georg Jen­sen vor­stellt. Dop­pelt außer­ge­wöhn­lich, ist man von der Schwe­din doch sonst eher schnör­kel­lo­se Krea­tio­nen gewohnt. Nächs­tes Jahr fei­ert sie das 20-jäh­ri­ge Bestehen ihres Stock­hol­mer Stu­di­os, das als die Schmie­de der Design­klas­si­ker von mor­gen gilt. Moni­cas kon­zep­tio­nel­le Arbeits­wei­se, die gekonn­te Ver­bin­dung von Desi­gn­er­be und Zukunfts­vi­si­on, ist bei inter­na­tio­na­len Labels gefragt. Wir spra­chen mit ihr über den Umgang mit Tra­di­tio­nen. Und natür­lich über Weihnachten.

Für Georg Jen­sen haben Sie erst­mals Christ­baum­schmuck ent­wor­fen. Wie fei­ern Sie Weihnachten?
Wir ver­brin­gen die Fei­er­ta­ge ganz tra­di­tio­nell mit Fami­lie und Freun­den. Weil mein neu­er Part­ner und ich aber schon vor unse­rer Bezie­hung Fami­lie hat­ten, pas­sen wir nicht ganz ins klas­si­sche Bild. Die Patch­work-Kon­stel­la­ti­on erfor­dert es, sich auf Neu­es ein­zu­las­sen und Din­ge auch mal anders zu machen. Das gilt heu­te, glau­be ich, für vie­le Familien.

Wie wich­tig sind Ihnen Tra­di­tio­nen im Design?
Ich mag Tra­di­tio­nen und fin­de sie sehr wich­tig. Mit mei­nem Stu­dio arbei­te ich für unter­schied­li­che Unter­neh­men auf der gan­zen Welt. Um etwas Neu­es zu kre­ieren, das zum Auf­trag­ge­ber passt und des­sen Wer­te trans­por­tiert, betrei­ben wir immer viel Recher­che­ar­beit. Aber nicht um Retro-Design zu machen. Wir bli­cken zurück, um uns vorwärtszubewegen.

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Christ­mas Collec­tibles“ für Georg Jensen

Sind die Geschich­ten, die Ihre Krea­tio­nen erzäh­len, zugleich Ihr Erfolgsgeheimnis?
In gewis­ser Wei­se ja, denn für mich lie­fert die Geschich­te erst den Grund, etwas Neu­es zu desi­gnen. Sie gibt mir Ant­wor­ten auf die Fra­ge nach dem War­um, die ich brau­che, um intui­tiv zu arbei­ten. Gleich­zei­tig ist mir aber wich­tig, dass mei­ne Krea­tio­nen zeit­los sind.

Wie gelingt Ihnen das?
Mein Job ist es, Ver­bin­dun­gen zu erken­nen und her­zu­stel­len. Ich den­ke im Prin­zip die gan­ze Zeit dar­über nach, wie die Din­ge zusam­men­hän­gen. Ein Schlüs­sel­er­leb­nis hat­te ich am Anfang mei­nes Gra­fik­stu­di­ums: Mein Typo­gra­fie-Dozent offen­bar­te uns, dass ein von Hand gesetz­ter Text wegen sei­ner klei­nen Feh­ler und Unre­gel­mä­ßig­kei­ten vom Leser als schö­ner wahr­ge­nom­men wird und sogar bes­ser zu lesen ist als ein digi­tal erstell­ter, schein­bar per­fek­ter Druck. Wie lässt sich die­se erstaun­li­che Tat­sa­che auf ein Möbel­stück oder einen gan­zen Wohn­raum übertragen?

Resul­tiert dar­aus der Hand-made-Trend?
Dass die Indus­trie ver­sucht, ein gewis­ses Hand-made-Fee­ling zu imi­tie­ren, ver­an­schau­licht das schon sehr gut, aber ganz so ein­fach ist es nicht. Ich glau­be, dass wir nie­mals voll­stän­dig digi­ta­li­siert sein wer­den, weil wir füh­len, rie­chen und schme­cken. Der Zusam­men­hang liegt im mensch­li­chen Bedürf­nis nach Tak­ti­li­tät. Das eine Besteck bes­ser zu fin­den als das ande­re, weil es sich ein­fach bes­ser anfühlt.

Wie stark inter­es­sie­ren Sie sich für Trends?
Wir beob­ach­ten genau, was in der Gesell­schaft und auch im Design pas­siert. Ich fin­de es wich­tig, dass wir uns nicht nur der Geschich­te, son­dern auch aktu­el­ler Strö­mun­gen bewusst sind – um dann dage­gen anzuschwimmen.

Trends lehnen wir bewusst ab“

 

Sie sind in Nord­schwe­den auf­ge­wach­sen, Ihr Büro ist in Stock­holm. Hat der Stand­ort Ein­fluss auf Ihr Design?
Wir arbei­ten kon­zep­tio­nell, im Mit­tel­punkt steht immer eine Idee. Damit sind wir sehr in der skan­di­na­vi­schen Design­tra­di­ti­on ver­wur­zelt, die einen gewis­sen Mini­ma­lis­mus pflegt. Im Unter­schied zum deut­schen Bau­haus ist die­ser aber weni­ger streng – ich wür­de sagen: Er ist menschlicher.

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Moni­cas Designs für Swe­de­se

Was ist Ihnen wichtig?
Mein Ziel ist es, Men­schen zu berüh­ren. Din­ge zu erschaf­fen, die zu Her­zen gehen oder zumin­dest ein Gefühl auslösen.

Wel­che Rol­le spie­len neue Technologien?
Mich inter­es­siert alles, was neu ist! Der­zeit fas­zi­niert mich vor allem künst­li­che Intel­li­genz. Im Zuge einer Koope­ra­ti­on beschäf­ti­ge ich mich gera­de mit der Fra­ge, wie es mög­lich ist, dass eine Maschi­ne eigen­stän­dig den­ken kann und dabei effi­zi­en­ter ist als bei­spiels­wei­se ein Top-Inge­nieur. Der­ar­ti­ge Zukunfts­vi­sio­nen kön­nen natür­lich auch beängs­ti­gend wir­ken. Wenn sich Struk­tu­ren ver­än­dern, führt das meist auch zu Problemen.

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Musik spielt nicht nur in Moni­cas Part­ner­schaft mit Rock­star Staf­fan Hell­strand eine Rol­le: Ihre Ker­zen­hal­ter „Tunes“ für Georg Jen­sen zitie­ren eine Tonleiter.

Wie möch­ten Sie leben?
Wah­re Lebens­qua­li­tät bedeu­tet für mich, mit mei­ner Fami­lie mit­ten in Stock­holm zu leben und trotz­dem einen Gar­ten zu haben. Mein eige­nes Gemü­se anzu­bau­en, das ist wah­rer Luxus für mich – erst weit danach kommt die Pre­mi­um-Küche aus ita­lie­ni­schem Marmor.

Haben Sie einen Rat­schlag für ein har­mo­ni­sches Weihnachtsfest?
Es gibt so vie­le ver­schie­de­ne Fami­li­en­struk­tu­ren und jeder bringt eige­ne Vor­stel­lun­gen von Weih­nach­ten ein. Das birgt Kon­flikt­po­ten­zi­al. Ich glau­be, Erin­ne­rungs­stü­cke hel­fen. Wir schmü­cken den Baum mit selbst gebas­tel­ten Anhän­gern von allen Familienmitgliedern.

Mehr: www.monicaforster.se

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Moni­ca ließ sich für den neu­en Christ­baum­schmuck von den Zeich­nun­gen ihres Soh­nes inspirieren

Die­ses Inter­view erschien erst­mals in DECO HOME 5/2018. Das Heft kön­nen Sie bei uns online bestel­len.

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