„Ein Farbkonzept umfasst nicht nur die Wände, sondern auch Fußboden, Türen, Möbel und Textilien. Es ist wie ein großes Mobile, das am Schluss ausbalanciert sein sollte“, sagt Julia Flöter. Worauf es jenseits des guten Tons ankommt und warum weiße Wände nicht glücklich machen, verrät die Einrichtungs- und Farbberaterin hier.

1. Farbmuster und Wandfarbe richtig wählen

Gedruckte Farbkarten aus den Baumarkt weichen oft von der Originalfarbe ab. Um farbechte und großzügige Muster zu bekommen, rät Julia Flöter daher Probedosen zu kaufen und Vliestapeten damit zu bestreichen. Auch sollten sie an die Wand gehängt und nicht auf den Boden gelegt werden. „Senkrecht reflektiert das Licht anders, und nur so zeigt sich die spätere Wirkung im Tagesverlauf bei Tages- und Kunstlicht.“

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Farbfächer helfen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Für die Auswahl braucht es größere Muster, weiß Julia Flöter. (Foto: Rose Time / rosephotography)

2. Anreize schaffen

Ein Raum und seine Materialien müssen immer als Ganzes betrachtet werden. Wenn Töne einander zu sehr ähneln, kreiert man ein Suchbild und die Ebenen verschwimmen. Materialien sollten lieber betont werden, nicht überdeckt. „Zu einem gelblichen Eichenparkett würde ich zum Beispiel kein Ocker oder gelbliches Beige als Wandfarbe empfehlen.“ 

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Inspiration via Plum Living (Foto: Hervé Goluza)

3. Schattige Räume vertragen mehr Farbe, nicht weniger

Über jeden tageslichtarmen Raum legt sich ein Schattengrau, das die Nuancen dunkler und stumpfer wirken lässt. Für nordseitige oder innenliegende Zimmer empfiehlt Flöter deshalb kräftigere Töne mit Leuchtkraft – oder warmes Beige mit rötlichem Unterton statt grauer Beigevarianten. Umgekehrt: Wer eine leuchtende Farbe auf eine sonnige Wand streicht, riskiert eine Überdosis.

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Wandfarbe via Farrow & Ball

4. Adieu Akzentwand

Auch wenn sie sich immer noch großer Beliebtheit erfreut: Eine Akzentwand funktioniert selten so gut wie man hofft. „Eine einzeln gestrichene Wand wirkt ein wenig, als würde man morgens aufstehen, nur roten Lippenstift auftragen und sonst ungeschminkt und im Schlafanzug bleiben. Der Farbton kann wunderschön sein, aber der Rahmen fehlt. Wenn ich mit Akzentwänden arbeite, gestalte ich meist auch die angrenzenden Wände und die Decke in einem passenden, helleren Ton. So wirkt die Farbe eingebunden und der Raum rundum durchdacht.“ Auch eine Lieblingsfarbe in allen Räume einzusetzen, ist überdosiert, sagt die Farbberaterin. „Ein Lieblingsgericht schmeckt auch nicht besser, wenn man ein spezielles Gewürz in Mengen verwendet. Der Reiz guter Farbkonzepte liegt im Wechsel von Atmosphären und in Blickachsen, die unterschiedliche Töne gekonnt vereinen.“

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Wandfarbe via Little Greene

5. Der Bad-Rat

Wandfarben reflektieren – auch ins Gesicht. „In einem rosa gestrichenen Badezimmer wird der Teint deutlich rosiger aussehen, Wände in Dunkelgrün dagegen reflektieren grünes Licht, was weniger schmeichelhaft wirkt.“ Für das Tagesbad sollte man also lieber wärmere Töne wählen. Im Gäste-WC darf es hingehen auch mal dramatischer zugehen: dunkles Blau, Bordeaux. Und die Decke mitgestrichen.

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Wandfarbe via Mylands

6. Schmuckkästchen kreieren, statt kleine Räume zwanghaft vergrößern wollen

Der wohl hartnäckigste Irrtum beim Thema Wandgestaltung: Je heller und weißer, desto größer und besser wirkt der Raum. „Weiß ist nicht der Weg zum Glück. Genau wie weiße Ränder unter der Decke abzukleben. Für mein Empfinden hört der Raum dort nämlich dann optisch auf und wirkt niedriger“, so Flöter. Gerade kleine Zimmer werden zu Schmuckkästchen, wenn Wand und Decke in einem Ton gestrichen werden – oder die Decke sogar dunkler bleibt als die Wände. Wer den oberen Abschluss weiß lässt, betont das Raum-Ende eher; wer ihn mitstreicht, schenkt dem Raum stattdessen Großzügigkeit.

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Inspiration via Studio Duggan

7. Das Licht entscheidet mit

Bei fest verbauten LEDs zählt nicht nur die Lichtfarbe in Kelvin, sondern auch der Farbwiedergabewert, kurz CRI. Die Farbexpertin empfiehlt einen CRI von über 90, sonst kippt jeder Ton. „Wenn man relativ kühles weißes Licht hat, wirkt auch ein Aprikot-Ton nicht mehr quietschig.“ Wer mit einem frischen Anstrich hadert, sollte also vor dem „gleich wieder neu streichen“ zuerst das Leuchtmittel tauschen. Manchmal ist nicht die Farbe das Problem.

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Inspiration via Jane Churchill

8. Die fünfte Wand nicht vergessen

Die Zimmerdecke nimmt genauso viel Fläche ein wie der Boden – und wird trotzdem fast immer übersehen. In Räumen mit großen Fensterfronten, in denen die Wand kaum sichtbar bleibt, prägt sie die Wahrnehmung sogar stärker als die Wandfarbe. Daher sollte sie eigentlich immer mit gestrichen werden, findet Julia Flöter. Ganz besonders über einem kühlen Fliesenboden, wo ein warmer, heller Deckenton sofort Behaglichkeit entgegensetzt.

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Wandfarbe via Klint

9. Weiß macht nicht glücklich

Beige und Grau gelten als sicher, sagt Flöter, sind aber selten der Weg zum gemütlichen, individuellen Zuhause. „Ich habe noch nie erlebt, dass jemand nach der Beratung gesagt hat, er hätte gern wieder weiße Wände.“ Eher komme die Gegenfrage, nämlich wie man so lange ohne Farbe ausgekommen sei.

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Wandfarbe von Brillux

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