Tipps vom Profi: Warum man auch die Zimmerdecke gestalten sollte und wie’s gelingt

Die fünf­te Wand wird in fast jedem Haus ver­nach­läs­sigt. Dabei schaf­fen gestri­che­ne oder tape­zier­te Zim­mer­de­cken eine ein­zig­ar­ti­ge Atmo­sphä­re im Raum. Wie Sie das krea­ti­ve Unter­fan­gen ange­hen und wor­auf es zu ach­ten gilt, erklärt Inte­rior­desi­gner Ingo Stein.

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Ein­rich­ter, Shop­be­sit­zer und einer unse­rer liebs­ten Wohn­ma­xi­ma­lis­ten – spä­tes­tens der Blick in sein Haus nahe Köln ver­rät, war­um wir immer wie­der ger­ne mit Ingo Stein zusam­men­ar­bei­ten. Noch dazu gestal­ten nur weni­ge so selbst­ver­ständ­lich bei­na­he jede Zim­mer­de­cke wie der Rhein­län­der. Hier kom­men sei­ne Tipps:

Ja, die Arbeit lohnt sich

Es ist ein Ammen­mär­chen, dass gestri­che­ne oder tape­zier­te Decken erdrü­ckend wir­ken – in den meis­ten Fäl­len erscheint der Raum dadurch höher und grö­ßer. Ich rate immer dazu den gesam­ten Raum ein­schließ­lich der Decke zu strei­chen, aller­dings nicht Ton in Ton, weil der Raum sonst an Höhe ver­liert. Mit einer gestal­te­ten Zim­mer­de­cke kann Räu­men etwas sehr Beson­de­res ver­lie­hen wer­den. Außer­dem gibt es nichts Schö­ne­res, als sich vom Sofa oder Tisch aus, im Blick nach oben auf ein Motiv zu ver­lie­ren. Der Effekt einer tape­zier­ten Zim­mer­de­cke ist ähn­lich zu beschrei­ben, wie bei alten Per­ser- oder Motiv­tep­pi­chen auf dem Boden – nur noch bes­ser! Es bringt eine wahn­sin­ni­ge Dyna­mik und Ein­zig­ar­tig­keit in den Raum.

Farbwahl und Finish

Von Pas­tell­tö­nen bis Schwarz, als Lack oder mat­te Far­be –  es gibt kei­ne Gren­zen. Die Farb­wahl ist wun­der­ba­rer­wei­se rei­ne Geschmack­sa­che. Beson­ders schön wirkt Lack an der Decke, da sich ein­fal­len­des Licht dar­in spie­gelt und edel wir­ken lässt. Natür­lich kommt es immer dar­auf an, wel­che Stim­mung man in einem Raum erzie­len möch­te oder wie man ihn zu wel­cher Tages­zeit nut­zen möchte.

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Bild: Alcro
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Bild: Far­row & Ball (Mehr zur Wand­ge­stal­tung im Kin­der­zim­mer lesen Sie hier)

Das müs­sen Sie beim Strei­chen beachten

  • Zuerst die Ecken und Kan­ten mit einem Pin­sel strei­chen, danach die Flä­chen mit der Rol­le. Auch wenn es etwas anstren­gend ist: ver­su­chen Sie mög­lichst lan­ge und gleich­mä­ßi­ge Bah­nen mit der Farb­rol­le zu ziehen.
  • Dunk­le Far­ben bedeu­ten lei­der meist mehr­mals strei­chen. Genau­so ist es bei Lacken. Hier ist es enorm wich­tig, dass sie ein Sigel mit dem grü­nen Engel haben, wenn man kei­ne Mög­lich­keit hat, die Räu­me unbe­wohnt ein paar Wochen aus­damp­fen zu lassen.
  • Bei far­bi­gen Zim­mer­de­cken bin ich kein Fan von Rau­h­fa­ser und rate immer dazu, wenn erlaubt, sich die Mühe zu machen die­se erst zu ent­fer­nen. Es wirkt glat­ter, hoch­wer­ti­ger und auch größer.

Tapeten, die sich für die Zimmerdecke eignen

Am aller bes­ten eig­nen sich gra­fi­sche Mus­ter, wie zum Bei­spiel Strei­fen. Sie stre­cken den Raum je nach Anbrin­gen in die Län­ge oder Brei­te. Aber auch Tape­ten mit Orna­men­ten, flo­ra­len Mus­tern oder Moti­ven wie Flie­sen sind fast immer mög­lich. Gene­rell ist es wich­tig, dass das gewähl­te Mus­ter von allen Sei­ten im Raum ange­schaut wer­den kann, ohne dass es auf dem Kopf steht. Foto­ta­pe­ten oder Moti­ve, die ein kla­res „oben und unten“ haben, eig­nen sich daher nicht.

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Bild: Paul Rae­si­de. Die gan­ze Wohn­ge­schich­te gibt es in Aus­ga­be 2/20 zu sehen
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So gelingt das Anbringen

  • Zim­mer­de­cken soll­te man nicht allei­ne tape­zie­ren. Umso län­ger die Bah­nen sind, umso mehr Leu­te müs­sen hel­fen und mit Besen oder Schrub­bern unter­stüt­zen. So kann jeder einen Teil der Bahn zügig, gera­de und bla­sen­frei an die Decke anbrin­gen. Am Anfang ist es etwas tri­cky, aber nach den ers­ten 2–3 Bah­nen wird es immer einfacher.
  • Beim Decke tape­zie­ren rate ich in der Mit­te des Raumes/der Decke zu begin­nen, damit sich das Mus­ter gleich­mä­ßig nach rechts und links ver­teilt. So ist der Fokus mit­tig vom Raum und man bekommt ein aus­ge­wo­ge­nes Gesamtbild.
  • Ach­ten Sie dar­auf, wie die Anga­ben des Her­stel­lers zu bezüg­lich des Kleis­ters sind. Es unter­schei­det sich je nach Mate­ri­al der Tape­te (Papier oder Vinyl). Mein Tipp: immer ein Töpf­chen Ova­lit dazu kau­fen und damit die Ecken sowie Sei­ten zusätz­lich bestrei­chen, damit sich die Rän­der nicht wie­der ablösen.
  • Über­schüs­si­ger Kleis­ter und Ova­lit las­sen sich auch im tro­cke­nen Zustand  leicht mit einem feuch­ten Tuch abwi­schen. Vor­sicht: Nicht fest rei­ben, son­dern vor­sich­tig tup­fen! Bei alten Vin­ta­ge Tape­ten aus Papier ist das jedoch nicht zu empfehlen.
  • Bei Vinylta­pe­ten strei­che ich nicht die Bah­nen, son­dern direkt die Decke mit Ova­lit und einem immer wie­der nass­ge­mach­ten Pin­sel ein und gebe dann die tro­cke­ne Tape­te darauf.
  • Wie bei den Wän­den immer dar­auf ach­ten, dass die Tape­te gut und glatt gestri­chen wird und kei­ne Bla­sen ent­ste­hen. Dafür mit einem tro­cke­nen Lap­pen oder Küchen­tuch von der Mit­te zu den Rän­der auswischen.
  • Für alle, die ein zusätz­li­ches High­light set­zen wol­len: die Decken­ta­pe­te mit Stuck einrahmen.

www.ingostein.com

Wei­te­re Tipps zur Wand­ge­stal­tung gibt es auch hier: Wand­ge­stal­tung mit Schwarz, Rosa oder Grün

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