Hinter den Kulissen bei Zimmer + Rohde! Teil 3/4 – Die Weberei

Wie aus einer Skiz­ze ein Stoff wird und aus wie vie­len Fäden eine Ket­te besteht, erzäh­len wir in in Teil III unse­rer vier­tei­li­gen Online­se­rie über die Ent­ste­hung der Früh­jahrs­kol­lek­ti­on 2019 von Zim­mer + Rohde. 

Vom Papier auf den Stoff

Die soge­nann­ten Schuss­fä­den bil­den im Zusam­men­spiel mit dem Kett­garn das Design sowie das farb­li­che Erschei­nungs­bild eines Stof­fes. Um ein aus­ge­wähl­tes Des­sin auf Tex­ti­li­en über­tra­gen zu kön­nen, wird die Ori­gi­nal­vor­la­ge vom Papier ein­ge­scannt und mit einer spe­zi­fi­schen CAD Soft­ware bear­bei­tet. Es wird eine eine soge­nann­te Web-Patro­ne aus­ge­ar­bei­tet, damit der digi­tal gesteu­er­te Web­stuhl erkennt in wel­cher Rei­hen­fol­ge die ent­spre­chen­den Kett­fä­den geho­ben und gesenkt wer­den müs­sen, um das gewünsch­te Motiv zu erhalten.

 

 

Mensch & Maschine 

Die Vor­be­rei­tun­gen für das Weben und Ein­rich­ten des Web­stuhls sind äußerst auf­wen­dig und benö­ti­gen neben tech­ni­scher Fach­kennt­nis viel Erfah­rung. Inklu­si­ve des Fär­bens der Gar­ne dau­ern die­se über 2 Wochen. Somit ist die Vor­be­rei­tungs­zeit das, was beim indus­tri­el­len Pro­zess des Webens am längs­ten dau­ert, denn die moder­nen Jac­quard-Web­stüh­le, wie auf den Bil­dern, weben 50 – 60 Meter am Tag – also cir­ca eine Stoffrolle.

Doch bevor gewebt wer­den kann,  müs­sen die tex­ti­len Fasern zu Gar­nen für Ket­te, die Längs­fä­den in einem Gewe­be, und Schuss, die quer ver­lau­fen­den Fäden, gespon­nen wer­den. Für die Ket­te von Design „Mixed Media“ (oben und unten) wird dafür ein sehr fei­nes Poly­es­ter­garn jeweils in einer spe­zi­ell für jedes Kolo­rit fest­ge­leg­ten Far­be ein­ge­färbt. Anschlie­ßend wer­den die Gar­ne zu einer  Ket­te „geschärt“. Der Begriff Schä­ren lei­tet sich von „eine Schar Fäden bil­den“ ab.

Eine Kette kann 100 bis 3000 Meter lang sein“

Um die fer­ti­ge Ket­te auf dem Web­stuhl zu instal­lie­ren und ein­zu­zie­hen ist Team­work gefragt – für den Vor­gang  wer­den min­des­tens zwei bis drei Per­so­nen benö­tigt. Jeder ein­zel­ne Faden muss durch eine Lit­ze, eine Öse am Schaft des Web­stuhls, gezo­gen wer­den damit er für das fein detail­lier­te Mus­ter ein­zeln ange­steu­ert wer­den kann.

Die Span­nung aller Fäden muss gleich­mä­ßig sein und alle Fak­to­ren stim­men, um spä­ter eine rei­bungs­lo­se und per­fek­te Pro­duk­ti­on zu ermög­li­chen. Daher sind gera­de die­se Pro­zes­se wesent­lich zeit­auf­wen­di­ger als das Weben an sich.

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Die Ket­te für die­sen „Mixed Media“ ist sehr fein und besteht bei einer Brei­te von 140 cm aus ins­ge­samt 11520 Fäden. Das sind über 80 Fäden pro cm.

Ein Webstuhl kann circa 11.000 Meter Stoff pro Jahr produzieren“

Sind auch die letz­ten Vor­be­rei­tun­gen getrof­fen kann der Web­pro­zess star­ten. Weben bedeu­tet in ver­ein­fach­ter Form das recht­wink­li­ge Ver­kreu­zen von Faden­sys­te­men nach einer bestimm­ten Ord­nung. Es wer­den unter­schied­li­che Grup­pen der Kett­fä­den gebil­det, die gleich­zei­tig ange­ho­ben oder gesenkt werden.

In den ent­ste­hen­den Zwi­schen­raum wird ein Quer­fa­den ein­ge­schos­sen, der Schuss­fa­den. Die vor­her ange­hobenen Fäden wer­den gesenkt und die vor­her gesenk­ten Fäden ange­ho­ben und ein recht­win­ke­lig ver­kreuz­tes Gewe­be wird geformt. So ent­steht Mil­li­me­ter für Mil­li­me­ter ein Design, das sich ca. alle 70 cm wie­der­holt. Die­ses sich wie­der­ho­len­de Mus­ter nen­net man Rapport.

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Wenn der Stoff gewebt ist, ist er aller­dings noch längst nicht fer­tig. Zuerst wird Zen­ti­me­ter für Zen­ti­me­ter kon­trol­liert, ob auch kei­ne Web­feh­ler dar­in auf­tau­chen. Danach durch­läuft er meh­re­re Ver­ede­lungs­pro­zes­se. Der Stoff wird zum Bei­spiel auf die rich­ti­ge Brei­te gespannt und gedämpft, damit er einen schö­nen wei­chen Fall erhält und spä­ter am Fens­ter ein­fach zu deko­rie­ren ist. Nach der Ver­ede­lung wird er erneut kon­trol­liert, fein säu­ber­lich auf­ge­rollt und in das Lager geschickt.

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Pssst … ein ers­tes Bild aus der brand­neu­en Früh­jahrs­kol­lek­ti­on mit „Mixed Media“ in vol­ler Pracht.

So ent­ste­hen am Ende meter­wei­se schö­ne Stof­fe, die für Gemüt­lich­keit sor­gen und Räu­me zur Gel­tung brin­gen. Und wie die neus­ten Krea­tio­nen von Zim­mer + Roh­de aus­se­hen, zei­gen wir in Teil 4 unse­rer exklu­si­ve Online­se­rie mit dem hes­si­schen Textilverlag.

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