City Trip Frankfurt: Ein Insider gibt Tipps

Villa-Kennedy-Chef Georg Plesser kennt Frankfurt wie seine Westentasche. Nur zu gerne entwirft er individuelle Städte-Touren für seine Hotel-Gäste. Wir haben ihn nach den angesagtesten Locations in Mainhattan gefragt.

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Die neue Jackie-O-Suite in der Villa Kennedy – der wohl schönste Ausgangspunkt für einen Frankfurtbesuch

 

Herr Plesser, was entgegnen Sie Menschen, die behaupten, Frankfurt sei nicht mehr als ein Messeziel?

Loslaufen! Die Stadt ist klein. In 30 Minuten kann man nahezu alles Sehenswerte erreichen. Wer in der Villa Kennedy startet, kommt an zwölf Museen vorbei, von denen zwei bis drei inzwischen definitiv Weltruf haben. Die Van-Gogh-Ausstellung in diesem Jahr wird sicher ein internationales Zugpferd werden. Die Oper wurde in den vergangenen sechs Jahren fünfmal zur besten Oper gewählt, zuletzt 2018. Das haben viele nicht ganz oben auf der Liste.

Die Frankfurter Restaurantszene hat sich in den letzten zehn Jahren enorm entwickelt und gewandelt. Und ich rede noch gar nicht von den Bars. Wir konkurrieren mit Berlin um die besten Lokalitäten. In den einschlägigen Rankings ist Frankfurt mittlerweile gesetzt. The Parlour hat sich einen Namen in der internationalen Szene gemacht.

Es ist ungemein wichtig, dass wir Szenekenner hier im Haus haben. Unsere Concierges kennen alles und öffnen die Türen. Aber es soll auch so sein, dass mein Barchef, wenn Gäste am Tresen sitzen, empfiehlt: Geh mal morgen in diese oder jene Bar, die nicht zu uns gehört. Er gibt einen Tipp, der nicht in den einschlägigen Führern steht. Ich bin überzeugt, dass wir ohne Wenn und Aber einen verwöhnten Gast mindestens zwei oder drei Tage sehr gut in Frankfurt unterhalten können.

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Villa-Kennedy-Chef Georg Plesser

Was macht Deutschland attraktiv für Gäste aus dem Ausland?

Ich glaube – und da spreche ich jetzt nicht nur von der Villa Kennedy –, wir sind mit Abstand das beste Preis-Leistungs-Produkt in der ganzen Welt. Was man in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf und München für immer noch relativ wenig Geld bekommt, ist einzigartig. Ich meine damit das Spitzensegment. In London oder Paris zahlt man einfach der Destination geschuldet weit über tausend Euro die Nacht. Da bekommt man hier einiges mehr für sein Geld.

Neben dem Preis-Leistungs-Verhältnis bieten wir in Deutschland auch wirklich Top-Qualität und inzwischen auch immer mehr innovative Angebote. Man sieht immer häufiger in den Rankings großer internationaler Zeitungen, wo man hinreisen soll. Es gibt so viele Facetten von Deutschland, die für das internationale Publikum hochinteressant sind. Natürlich wird auch das typisch Deutsche gemocht. Die Sauberkeit, das Perfektionierte, das Funktionieren sind gerade für Länder wie Amerika, in denen man auf Sicherheit aus ist, ein ganz großes Thema. Da reist man sehr gerne durch Deutschland.

Was sind die Eckpfeiler gehobener Hotellerie heute und in Zukunft?

Es ist und wird immer weniger „Bling-Bling“. Es geht auch nur noch bedingt darum, wer die beste Hardware hat, sondern darum, Erlebnisse zu schaffen. Man muss dieses Haus mit einem Lächeln und glücklichen Augen verlassen. Das zu erreichen, ist die Kunst. Und da ist jeder Mensch komplett anders und die Herausforderung, das Individuelle herauszukitzeln, wird die Zukunft bestimmen.

Das passiert nicht nur hier im Haus. Wir können einen Gast auch glücklich machen, indem wir ihn auf eine Tour durch Frankfurt schicken, die genau auf ihn zugeschnitten ist. Weil wir hingehört haben und gesehen haben, wer er ist. Die Schwierigkeit dabei ist – und das ist die größte Herausforderung unserer Branche –, Mitarbeiter zu finden und zu begeistern, die das umsetzen können.

Was mögen Sie an Ihrem Job?

Ich bin seit über 30 Jahren in der Hotellerie. Und es war immer die Mischung aus der Arbeit mit Menschen – sowohl Gäste als auch Mitarbeiter – und dem internationalen Aspekt. Ich bin weit herumgekommen in der Welt, und das war auch mein Ziel, als ich angefangen habe. Zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Und es ist kein Ammenmärchen: Es gibt keinen Tag, der dem anderen gleicht. Ein Hotel hat 365 Tage 24 Stunden auf, hat jeden Tag andere Gäste. Eine wirkliche Routine kehrt selten ein. Und ich gebe offen zu, auch wenn das Wort immer ein bisschen gescholten wird: Im Luxus zu arbeiten oder auch mehr oder minder zu leben, gefällt mir gut.

2018 hat die Villa Kennedy neue Suiten präsentiert. Welche Gäste wollen Sie damit ansprechen?

Die Suiten wurden vor allem für unseren Freizeitgast umgebaut, weniger für den Geschäftsgast. Sie befinden sich in der alten Villa von 1901. Die Thematik dreht sich rund um Kennedy. Wir haben diese Epoche wieder aufleben lassen. Deutschland wird als Freizeitgastgeber immer populärer. Wir haben inzwischen zahlreiche Gäste aus dem Ausland, vorwiegend aus Amerika, Russland, dem Mittleren Osten und Asien, die hier drei bis vier Tage verbringen, vermögend sind und in einer schönen großen Suite wohnen wollen. Wenn diese dann noch Geschichte erzählt, kommt das sehr gut an.

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Wohnraum der 2018 neu gestalteten Audrey-Hepburn-Suite in der Villa Kennedy

Wie wichtig ist es, Historie aufrechtzuerhalten?

Sie ist einer unserer größten Werte. Es gibt kaum einen Gast, der reinkommt, gerade wenn er zum ersten Mal da ist, und nicht fragt: Was war das mal? Und schon haben es unsere Mitarbeiter wesentlich einfacher, ein Entree zu schaffen. Nicht wenige wollen sogar tiefer einsteigen in das Thema. Das hat manchmal ganz banal mit dem Namen zu tun. Villa Kennedy: Was, Kennedy mal hier?

Eigentlich haben wir sogar drei Geschichten: Privathaus, Max-Planck-Institut und jetzt Hotel. Das wird abgefragt und das ist auch schön. Der Sense of Place spielt in allen unseren Häusern eine große Rolle. Deshalb gehen wir behutsam damit um und wissen relativ viel darüber. Ich hatte lange Jahre eine Mitarbeiterin, die sich mit einem professionellen Denkmalforscher komplett in das Thema hereingearbeitet hat. Wir haben Unterlagen noch und noch, was in diesen Mauern alles passiert ist.

Das bedeutet, dass das Interiordesign mehr mit der Geschichte des Hauses korrespondiert und weniger mit der Stadt Frankfurt?

Beides ist gefragt! Das ist natürlich in manchen Städten schwieriger und Frankfurt zählt sicher dazu. In Florenz lässt sich alles einfacher miteinander verbinden – Kunst, Kultur, Geschichte. Ich finde, es muss auch immer noch natürlich wirken. Wir können hier nicht nur Apfelwein, Handkäse und Musik bieten, auch wenn das natürlich in Frankfurt dazu gehört. Wo es behutsam geht, soll die Stadt miteinbezogen werden. Ein Top-Thema bei uns ist sicherlich Kennedy. Und daneben noch der Standort Deutschland. Die gute alte deutsche Eiche repräsentiert Beständigkeit und kommt hier in jeglicher Facette vor. Draußen im Hof ganz lebendig und 40 Jahre alt. Aber auch ganz bewusst bei der Auswahl der Böden und Möbel.

Interview: Anne Gelpke

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Ruhezone: Der Spa-Pool in der Villa Kennedy


 

Georg Plessers Tipps für Frankfurt:

1 – Das Städel Museum

Highlights 2019: Picasso. Druckgrafik als Experiment (3. April bis 30. Juni 2019) und Making Van Gogh, Geschichte einer deutschen Liebe (23. Oktober 2019 bis 16. Februar 2020). Info: www.staedelmuseum.de

2 – Street-Food-Markt in Alt-Sachsenhausen

Jeden Samstag von 10 bis 18 Uhr poppt der Mark im hippen Viertel auf. Es gibt Köstlichkeiten von nah und fern, die Standbetreiber legen Wert auf Regionalität bei den Zutaten und Internationalität bei den Rezepten. Und alles ist homemade. Info: www.marktimhof.de

3 – Dinner im Carte Blanche

Der Name ist Programm: Im Carte Blanche kredenzt die Küche Überraschungsmenüs mit zwei bis sieben Gängen. Ein Hochgenuss! Info: www.carteblanche-ffm.de

4 – Das Weinsinn

Das neue Restaurant im immer hipper werdenden Bahnhofsviertel ist laut Plesser vor allem Samstag abends einen Besuch wert. Info: www.weinsinn-frankfurt.de

5 – Cocktails im The Parlour

Die Cocktail-Bar in der Zwingergasse 6 gehört zu den besten in ganz Deutschland.

6 – Besuch in der Oper

„Mehrfach preisgekrönt, unbedingt hingehen“, empfiehlt Georg Plesser. Info und Programm: www.oper-frankfurt.de

7 – Die Villa Kennedy

1963 besuchte John F. Kennedy die Villa. Zur Eröffnung des Rocco-Forte-Hotels 2006 wurde sie nach ihm benannt. Info: www.roccofortehotels.com

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Die Villa Kennedy von außen

Dieses Interview erschien erstmals in DECO HOME 2/2019

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