Cristina Celestino gehört aktuell zu den gefragtesten Gesichtern im internationalen Design. Ein Gespräch über den Stand der Dinge, aktuelle Trends und ein ganz wunderbares neues Hotelinterior-Projekt.

Frau Celestino, glauben Sie die aktuelle Situation in der (Design-) Welt bringt neue Farbtrends hervor?

Ich glaube viele Brands und Designer spielen gerne mit Farben und zeigen, dass nicht nur klassische und „sichere“ Farben in Wandgestaltung, Böden oder Stoffen die beste Wahl sind. Und ich denke, dass viele das jetzt auch in ihrem Zuhause haben wollen. Ich kann allerdings keine konkreten neuen Farben oder Brand Identities in diesem Jahr erkennen – weil alles so plötzlich angehalten wurde. Sicher ist, dass es einen neuen Fokus auf das Material gibt: möglichst natürlich und möglichst nachhaltig. Und es gibt denke ich ein größeres Interesse Outdoor- und hybride Möbel zu entwickeln, die sich für drinnen und draußen gleichermaßen eignen. Oder multifunktional sind. Die Grenzen zwischen dem Design von Zuhause, Office und anderen öffentlichen Orten sind nun fließend.

Beeinflusst das auch Ihr eigenes Design?

Unser Fokus liegt ohnehin auf dem Material, eben möglichst natürlich und nachhaltig. Die Brands wiederum verstehen vielleicht, dass wir gar nicht immer neue Möbel brauchen, mehr und mehr Produkte. Sondern wir Designer uns mehr Zeit nehmen sollten gute Konzepte zu entwickeln und die Dinge einfach noch besser zu gestalten, bevor wir sie auf dem Salone del Mobile den Kunden zeigen.

Glauben Sie der nächste Salone dieses Jahr im September wird anders sein als sonst?

Ich glaube es wird eigenartig sein, mehr eine nette Gelegenheit sich mal wieder zu treffen. Die wichtigeren neuen Designs wird es wohl erst im April nächstes Jahr zu sehen geben.

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Was muss modernes Hoteldesign jetzt leisten?

Meiner Meinung nach müssen sich Hotels und Gastronomie gerade in der aktuellen Situation wie ein Zuhause auf Zeit anfühlen. Die Ansprüche und Erwartungen sind höher als jemals zuvor. Man muss sich willkommen fühlen und auch Luxus sollte nie in Prahlerei abrutschen. Neben der Perfektion in funktionalen Details geht es vor allem um etwas sehr Emotionales.

Und wie zeigt sich das in Ihrem neuesten Interiorprojekt?

Ich wollte eine starke Verbindung der Location mit ihrer Umgebung schaffen, dem hübschen Städtchen Ravello an der Amalfiküste – ein Balkon direkt über dem Meer. Die neuen Hotelsuiten sollten nicht nur aus rein ästhetischer Sicht interessant sein, sondern eine Geschichte erzählen. Alle Details zusammen sagen etwas über diesen Ort aus, den historischen Palazzo Avino.

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Was heißt das konkret?

Ich wollte zum Beispiel die designte Natur hereinbringen, die sich im klassischen barocken Garten von Ravello findet. Die spiegelt sich im geometrisch gestalteten Terrakottaboden oder textilen Elementen wie Teppichen, die ich mit CC-Tapis für den Palazzo entworfen haben. Dazu Onyx-Fliesen in den Bädern – ein sehr farbiges und zugleich grafisches Material. Sie sind sehr kostbar, aber kein Fake-Luxury, wie ich finde.

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Wie gehen Sie mit Farben und Materialien um?

Ich wollte mit den architektonischen Elementen dieses historischen Ortes spielen. Der Palazzo war ursprünglich nicht als Hotel angelegt, jedes Zimmer brachte seinen eigenen Raumplan und damit eigene Herausforderungen mit. Bevor ich anfing, war alles weiß, was oft mit dem mediterranen Lebensgefühl und dem Meer verknüpft wird. Ich wollte weiter gehen und entschied, mit Aquamarin, Sand und Korallentönen die Nischen und eingelassenen Mauern hinter den Betten hervorzuheben, um die Architektur zu betonen. Die modernen Elemente habe ich dann mit klassischem wie Kronleuchtern von Venini oder Marmorbädern kombiniert.

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Was mögen Sie selbst daran am meisten?

Ich glaube mein Konzept ehrt die originale Identität dieses Hotels und ist gleichzeitig modern. Details wie Perlmutt, Oberflächen mit Krakelee-Effekt oder Klinken in Korallen- und Muschelform bringen das Meer herein und symbolisieren die besondere Lage von Ravello zwischen Bergen und dem Mittelmeer.

Haben Sie persönlich Pläne für eine erste Reise?

Vielleicht Lanzarote. Ich war schon mal vor zwei oder drei Jahren dort und fand es toll. Eine sehr intensive Naturerfahrung – sehr unterschiedlich vom Meer zu den Wäldern und Bergen. Und ich liebe den architektonischen Stil, eine Mischung aus New Tropical Design mit viel handwerklichen Elementen. Ich liebe wirklich alles an dieser Insel.

Fotos Palazzo Avino: Davide Lovatti

www.cristinacelestino.com