Moderne Architektur: 6 Stilregeln für mehr Gemütlichkeit

Was zeit­ge­nös­si­sche Archi­tek­tur vor allem ande­ren cha­rak­te­ri­siert, ist ihre meist kla­re, linea­re Form­ge­bung – und gro­ße Fens­ter. Kal­te Mate­ria­li­en wie Beton wer­den ger­ne als stil­ge­ben­des Ele­ment ein­ge­setzt. Die Schwie­rig­keit liegt also dar­in, in die­se Umge­bung Wär­me zu brin­gen: Mate­ria­li­en und Gestal­tungs­tricks, die sich eignen. 

#1 Die Umgebung zitieren

Natür­lich loh­nen sich die gro­ßen Fens­ter vor allem dann, wenn es drau­ßen etwas zu sehen gibt – das Meer, wil­de oder auch gezähm­te Natur. Wie im Bei­spiel unten von den Archi­tek­ten des süd­afri­ka­ni­schen Stu­di­os Sao­ta (→ lesen Sie hier mehr dar­über) schafft es eine tol­le Atmo­sphä­re, wenn Ein­rich­tungs­ele­men­te die Far­ben der Land­schaft reflek­tie­ren und damit eine opti­sche Ver­bin­dung brin­gen. Außer viel­leicht im Baum­haus kann man kaum näher an der Natur zu leben. Schön und ein­fach umset­zen lässt sich das Prin­zip mit Tep­pi­chen, deren Kolo­rit, Des­sin und Struk­tur den Außen­raum nach innen ver­län­gern und damit nicht wie Fremd­kör­per im kubi­schen Gebäu­de wirken.

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So ein­fach und doch so effekt­voll: Ein ein­zi­ger Tep­pich kann den Unter­schied machen. Hier wird deut­lich, wie wich­tig die pas­sen­de Far­big­keit ist, damit die Land­schaft vor dem Fens­ter der Haupt­dar­stel­ler im Design bleibt.

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Marok­ka­ni­scher Tep­pich: Tig­mi

#2 Passende Materialien: Stoffe, Holz, Naturstein

Die wich­tigs­te Maxi­me ist ein aus­ge­gli­che­ner Mix von ver­schie­de­nen Mate­ria­li­en, die der gerad­li­ni­gen Archi­tek­tur die Stren­ge nehmen.

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Wun­der­bar moder­ner Mix mit Vin­ta­ge-Appeal: Das Kopen­ha­ge­ner Hotel The Audo, unter ande­rem mit Möbeln von Menu, einem Stoff mit Blatt-Design von Dedar und Unis von Kvadrat.

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Eine farb­lich zurück­hal­ten­de, sehr gelun­ge­ne Kom­po­si­ti­on im moder­nen Raum kre­ierten die Inte­rior­desi­gner von Black & Milk in einem Lon­do­ner Apart­ment. Schnee­wei­ße Wän­de wer­den von sanf­ten Beige- und Rosé-Tönen, dunk­le­ren Akzen­ten in Form von Kunst­wer­ken, viel Holz und viel Struk­tur eingefangen.

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Kla­re Lini­en mit wei­chen, war­men Mate­ria­li­en wie Velours und Holz zu bre­chen, ist die wahr­schein­lich ein­fachs­te und eine der wir­kunsvolls­ten Mög­lich­kei­ten für etwas mehr Gemüt­lich­keit im moder­nen Ambi­en­te (Bild: BoCon­cept)

Ein belieb­tes Mit­tel, selbst­re­fe­ren­zi­ell mit Archi­tek­tur umzu­ge­hen ist die Offen­le­gung des Bau­stoffs Beton. Doch lei­der ist das nicht nur cool, son­dern auch kühl. Wer ihn den­noch sicht­bar machen will, kann mit Höl­zern und star­ken Stoff­struk­tu­ren einen schö­nen Gegen­pol schaffen.

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Ein schö­nes Bei­spiel, wie mit wei­chen, struk­tu­rier­ten Mate­ria­li­en Tie­fe und auch Zonen geschaf­fen wer­den im offe­nen Raum­plan. Möbel­de­sign von David Lopez Quin­coces für Lema

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Min­des­tens genau­so wich­tig und effekt­voll wie Holz oder Stof­fe: Pflan­zen! (Bild und Möbel: Ket­tal)

#3 Unterschätztes Stil-Element: Stoffe

Allen, die es nicht glau­ben mögen, sei ver­ra­ten: Auch die moder­ne Bau­wei­se ver­trägt Vor­hän­ge, ger­ne auch gemus­tert. Gera­de wenn sie die kla­ren Lini­en unter­stüt­zend bre­chen, kom­plet­tie­ren sie das Gesamt­kon­zept und kön­nen auch akus­tisch klei­ne Wun­der wirken.

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Ganz ohne Far­be, aber mit einer fein abge­stimm­ten Aus­wahl natür­li­cher wie Lei­nen, See­gras und Bam­bus kommt die­se Gestal­tung aus (Stof­fe und Tape­te: Mark Alex­an­der)

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Schi­cke Idee: Vor­hän­ge in ver­schie­de­nen Nuan­cen der glei­chen Farb­fa­mi­lie. Hier ein Bei­spiel von Sun­brel­la.

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Auch Casa­mance ins­zen­tiert sei­ne Stof­fe gekonnt im Ton-in-Ton-Look. Wich­tig: mat­te mit glän­zen­den oder gemus­ter­ten Ober­flä­chen mischen, um optisch Tie­fe und Span­nung zu schaffen.

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Mus­ter zum Sicht­be­ton: uner­war­tet gute Schlaf­zim­mer-Kom­bi­na­ti­on von Romo

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Hat durch sei­ne mat­te, samt­wei­che Ober­flä­che eine sehr moder­ne Anmu­tung: Deko­ra­ti­ons­stoff Tro­pi­cal von Zim­mer + Rohde

#4 Farben halten die Gestaltung zusammen

Ist Sicht­be­ton nicht die Wand­ge­stal­tung der Wahl, kön­nen kräf­ti­ge Far­ben hel­fen in der moder­nen offe­nen Archi­tek­tur Berei­che zu defi­nie­ren. Ohne dass sie den Ein­druck der Weit­läu­fig­keit beein­träch­ti­gen, tra­gen Far­ben dazu bei, dass Bli­cke ver­wei­len dür­fen und die Gestal­tung mit Möbeln nicht belie­big wirkt.

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Immer eine gute Idee: die abge­tön­ten Nuan­cen von Far­row & Ball. Gera­de Grün­tö­ne sind zum Gar­ten hin eine tol­le Mög­lich­keit das Außen im Inne­ren zu reflektieren.

Doch Far­ben müs­sen nicht immer auf den Wän­den bespielt wer­den. Eine mitt­ler­wei­le wie­der sehr belieb­te (und übri­gens auch akus­tik­freund­li­che) Vari­an­te sind  auf­fäl­li­ge Tep­pi­che. Style-Tipp: Der oder die Farb­tö­ne der Wahl unbe­dingt in Kis­sen und Co. wie­der­keh­ren lassen.

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Ghost Sitz­grup­pe und Bild: Ger­va­so­ni

Ein­rich­te­rin Kate Chal­lis strich den Bücher­re­gal-Hin­ter­grund in einem tie­fen Petrol­ton (→ Die gan­ze Home­sto­ry lesen Sie hier).

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Foto: Cha­ryn Cairns

#5 Keypieces inszenieren

Ein wei­te­res Mit­tel, um die kla­re Linie aus der Mono­to­nie zu füh­ren sind star­ke Stü­cke, die durch Mate­ri­al, Kolo­rit oder Form Auf­merk­sam­keit zie­hen und ähn­lich wie die Wand­far­be den Raum defi­nie­ren können.

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2019 leg­te Cas­si­na den Capi­tol Com­plex Chair wie­der auf, der einst eigens für Le Cor­bu­si­ers außer­or­dent­li­ches Bau­werk Capi­tol Com­plex im indi­schen Chan­di­garh ent­wor­fen wur­de. Vor weni­gen Jah­ren adel­te die UNESCO jenes zum Weltkulturerbe.

Ins­be­son­de­re beim belieb­ten All-Over-Look in Weiß soll­te man Stü­cke insze­nie­ren, an denen das Auge hän­gen bleibt. Ein pas­sen­des Mate­ri­al ist Leder – am bes­ten in der zeit­ge­mä­ßen cognac­far­be­nen Vari­an­te anstatt Schwarz. Wenn dann auch noch Tep­pich, Kis­sen und Plaids dezent gemus­tert sind, wird auch ste­ri­les Rein­weiß eine Büh­ne der Gemütlichkeit.

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Möbel: Kol­lek­ti­on Lifes­teel von Flex­form (Foto: Alain Brugier)

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Königs­blau und Braun­tö­ne waren bei einem Bau­pro­jekt in Syd­ney defi­nie­ren­de Aspek­te des Inte­rior­designs (Sao­ta Archi­tects). Stil­bil­den­des Ele­ment: ein Kunstwerk

#6 Moderne Architektur und Natur

Sei­en wir mal ehr­lich: Moder­ne Archi­tek­tur wird nicht nur gebaut, um belebt, son­dern auch um ange­schaut zu wer­den. Beson­ders spek­ta­ku­lär wirkt eine wil­de Land­schafts­ar­chi­tek­tur vor der Tür, die einen Kon­tra­punkt zur Stren­ge des Baus setzt und ihm damit einen schö­nen Rah­men gibt.

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Läs­sig fin­den sich schlan­ke Out­door­mö­bel von Manut­ti im Gesamt­kon­zept ein

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