Retro-Chic in einem Hamburger Stadthaus

Innenarchitektin Inger Winter erklärt das Konzept: So funktioniert der Retro- meets Skihotel- meets Luxusliner-Look im Hamburger Stadthaus von Familie Golinski.

Die Angst, ästhetisch eine Entscheidung zu treffen, die man später bereut, ist groß“, wissen Annette und Veit Golinski. Lange schoben sie die Renovierung ihres 60er-Jahre-Hauses im Hamburger Westen hinaus. „Aber die Küche fiel auseinander und sollte vergrößert werden und das Bad oben war marode – es wurde langsam bedrohlich“, erinnern sich die beiden.

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Über dem Tisch hängen Leuchten von Jo Hammerborg. Die Küche (Bulthaup) befindet sich hinter Glas

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Am Ende machen die Details den Unterschied

Als Design- und Vintage-Liebhaber hatten die Golinskis klare Vorstellungen, wie die 280 Quadratmeter zukünftig aussehen sollten. Sie beauftragten die Innenarchitektin Inger Winter mit der Realisierung ihrer Wünsche. Passend zur Architektur sollte das Flair der 50er- und 60er-Jahre mitschwingen – aber bitte ins Heute übersetzt.

„Das Projekt war ein Traum. Alles neu, inklusive Möblierung, und alles maßgeschneidert.“

Inger Winter

Schnell war klar, dass der große, L-förmige Wohnbereich zoniert wird. Inger entwarf ein Regal als Raumteiler, dessen Farben, Streben und Messingkapseln die Zeit der Nierentische zitieren. Passend dazu die Umrahmung der Tür zum Flur aus filigranem geschwärztem Stahlblech, Nussbaum und Glas sowie die transparente Schiebetür zur Küche. Hier war früher nur eine Durchreiche. Nussbaum taucht auch an den Fronten von Küchen- und Garderobenschrank sowie als Wandvertäfelung auf – eine raffinierte Klammer und typisch Sixties.

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Die Wand vom Flur zum Wohnraum wartet noch auf Bilder

Sommer und Winter im je eigenen Salon genießen

Die Wandvertäfelung im „Wintersalon“ weckt bei Veit Golinski Erinnerungen an die luxuriösen alten Skihotels in der Schweiz. Seine Frau hatte sich einen Kamin gewünscht. So war die Idee geboren.

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Wintersalon: Holzvertäfelung, Kamin und Designersessel von Finn Juhl schaffen Atmosphäre

Einige vorhandene Möbel waren gesetzt, etwa der Esstisch. Weil seine Birnbaumplatte schon viel erlebt hatte, wurde sie mit neuem Gestell, auch aus geschwärztem Stahl, in die Retro-Romantik integriert. Genauso die Anrichte – sie stand einst in einem Friseurladen. Ihr Sockel bekam, passend zu den Heizungsverkleidungen, eine Messingblende. Alles wirkt wie aus einem Guss, als sei es immer da gewesen. „Für Ruhe sorgt das großzügige Fischgrätparkett“, so die Innenarchitektin.

Stoffe und ein stimmiges Farbkonzept sorgen für ein wohnliches Ambiente

Während eines Stadtbummels in Köln – Annette ist Rheinländerin – entdeckte das Paar bei Becker Interior eine interessante Leuchte. Aus dem Verkaufsgespräch wurde ein Auftrag für sämtliche Vorhänge, Kissen und Teppiche im Haus. Auch für die Wandfarben hatte Becker-Mitarbeiter Alois Mertz Ideen. „Während der Montage hat Herr Mertz sogar ein paar Wochen hier gewohnt. Die Zusammenarbeit mit Inger war prima“, erzählen die Bauherren. 

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Das komplett in Holz verkleidete Familien-„Nest“

Aber nicht nur die Dekorateure, auch die Tischler haben sich im Zuhause der Golinskis ausgetobt. Der Flur im Obergeschoss birgt einen Einbauschrank mit Gleittüren. Ein Schlafraum hat ein eingepasstes Bettpodest plus Regalrückwand, was an die Kabine eines Luxusliners erinnert. Ein weiterer ist als Boudoir gestaltet, in Altrosa mit Grastapete und aparten, in den Mauerdurchbruch eingepassten Messingregalen. 

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Die holzgerahmte Tür und ein großer Waschtisch verliehen dem Bad Retro-Flair

Wenn die Golinskis heute in „Saint-Tropez“ sitzen oder im Boudoir aufwachen, wissen sie: „Der Aufwand hat sich gelohnt. Wir würden es wieder so machen.“

Info: www.ingerwinter.de, www.beckerinterior.com 

Text: Ulrike Wilhelmi / Fotos: Georg Tedeschi

Diese Homestory erschien erstmals in DECO HOME 1/2020.

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