Stoffkunde Seide: Herkunft, Geschichte & Wissenswertes

Sie gel­ten als die edels­ten unter den Tex­ti­li­en und Jahr­tau­sen­de lang hüte­ten die Chi­ne­sen das Geheim­nis ihrer Her­stel­lung: Sei­de. Wir erklä­ren, wie das begehr­te Luxus­ge­we­be nach Mit­tel­eu­ro­pa kam und wie es entsteht.

Seide

Die Sei­den­kis­sen auf dem Sofa pas­sen zum Des­sin der Tape­te (De Gour­ney)

Titel­bild: Sei­den­jac­quard „Ming Ming“ von Jim Thomp­son

Sei­de gehört, wie die Wol­le, zu den tie­ri­schen Faser­stof­fen. Sie ist die ein­zi­ge in der Natur vor­kom­men­de tex­ti­le End­los­fa­ser und wird aus den Kokons von Sei­den­spin­ner­rau­pen gewonnen.

Was Seidenstoffe so besonders macht

Sei­de glänzt, ist rela­tiv reiß­fest und wirkt sowohl gegen Käl­te als auch Wär­me iso­lie­rend. Außer­dem kann sie bis zu einem Drit­tel ihres Gewich­tes an Was­ser auf­neh­men und in vie­len leuch­ten­den Far­ben ein­ge­färbt wer­den. Da die Eiweiß­struk­tur der Sei­de jener unse­rer Haut ähnelt ist sie beson­ders haut­ver­träg­lich. Sei­de ist emp­find­lich gegen­über Abrieb, hohe Tem­pe­ra­tu­ren sowie Was­ser­fle­cken. Welt­größ­ter Pro­du­zent für Roh­sei­de ist Chi­na vor Indi­en, Thai­land, Japan und Brasilien.

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Sei­den­jac­quard „San­ti­cel­li“ von Desi­gners Guild

Wie die Seide nach Europa kam

Schon im alten Chi­na war Sei­de bekannt, so dass bereits zum Beginn unse­rer christ­li­chen Zeit­rech­nung ein reger Fern­han­del mit chi­ne­si­scher Sei­de bestand, die über den See­weg nach Indi­en und Ägyp­ten bis ins Römi­sche Reich gelang­te. Als Land­weg dien­te die Seidenstraße.

Obwohl es bei Todes­stra­fe ver­bo­ten war, Rau­pen oder Eier außer Lan­des zu brin­gen, schmug­gel­ten im Jahr 555 zwei per­si­sche Mön­che eini­ge Eier nach Kon­stan­ti­no­pel. Mit die­sen sowie dem Wis­sen über die Auf­zucht von Sei­den­spin­nern wur­de nun auch die Pro­duk­ti­on von Sei­den­stof­fen außer­halb Chi­nas möglich.

Ab dem 12. Jh. war Ita­li­en füh­rend auf dem Gebiet der euro­päi­schen Sei­den­pro­duk­ti­on. Über den Bren­ner­pass gelang­te das edle Gewe­be nach Mit­tel­eu­ro­pa. Bedeu­ten­de Zen­tren der Sei­den­in­dus­trie ent­wi­ckel­ten sich in Zürich, Lyon und Krefeld.

 

Die Seidenproduktion

Die meis­ten Sei­den­rau­pen ernäh­ren sich von den Blät­tern des Maul­beer­bau­mes. In Drü­sen im Maul pro­du­zie­ren sie den Sei­den­fa­den und legen ihn zum Ver­pup­pen in Schlau­fen um sich her­um. Damit sie die Kokons nicht zer­bei­ßen wer­den sie vor dem Schlüp­fen in hei­ßem Was­ser getötet.

Die tierfreundlichere Variante

Nur für die Gewin­nung von Wild- oder Dupi­on-Sei­de wer­den die Kokons bereits geschlüpf­ter Schmet­ter­lin­ge ver­wen­det. Der Faden die­ser Kokons ist daher in meh­re­re Tei­le zer­ris­sen. Beim Ver­we­ben wer­den die Fäden ver­dickt wodurch eine unre­gel­mä­ßi­ge Tex­ti­l­ober­flä­che entsteht.

 

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Schmet­ter­lin­ge flat­tern über Sei­de-Lei­nen-Jac­quard „Mari­po­sa“ von Desi­gner Mat­thew Wil­liam­son (Osbor­ne & Litt­le)

Die verschiedenen Schichten des Kokons

Die obers­te Schicht des Kokons besteht aus kur­zen wir­ren Fasern, die abge­zupft oder abge­kämmt wer­den bis der Anfang des etwa 1000 m lan­gen wert­vol­len Mit­tel­teils, die Has­pel­sei­de, gefun­den ist. Nun wer­den fünf bis 30 Kokons zugleich abge­has­pelt. Die­se nur leicht mit­ein­an­der ver­wun­de­nen Fäden nennt man Grège oder Ecru-Sei­de.

 

Die­se Roh­sei­de ist beige und noch rela­tiv glanz­los, denn damit die Sei­den­fä­den zusam­men­haf­ten umgibt sie der soge­nann­te Sei­den­leim. Die­ser wird durch Kochen in Sei­fen­was­ser ent­fernt. Nun erst wer­den die Sei­den­fä­den geschmei­di­ger und glän­zen­der. Die kom­plett ent­bas­te­te Sei­de heißt Glanz- oder Cui­te-Sei­de. Sie wird zu den teu­ers­ten Sei­den – Sei­den­da­mast, Atlass­sei­de oder Sei­den­du­ch­esse – verwebt.

Die inne­ren 2000 m, die wie­der­um öfter rei­ßen wan­dern in die Schap­pe- oder Bouret­te-Sei­den-Spin­ne­rei. Sie wird grob gespon­nen, ist stumpf und hat vie­le Noppen.

Je nach Web­ver­fah­ren oder Behand­lung ent­ste­hen vie­le unter­schied­li­che Sei­den­qua­li­tä­ten. Typi­sche Sei­den­stof­fe sind u. a.: Bro­kat, Bal­lon- bzw. Fall­schirm­sei­de, Damast, Crê­pe Satin, Dupi­o­sei­de, Duch­esse, Geor­get­te, Organ­za, Satin oder Atlas, Taft, Sei­d­ent­will oder Waschseide.

Noch mehr Span­nen­des und Wis­sens­wer­tes über Stof­fe erfah­ren Sie im neu­en Textil­le­xi­kon ABC der Stof­fe und in allen ande­ren Arti­keln aus der Serie Stoff­kun­de.

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Unter­schied­li­che Far­ben in Kett- und Schuss­fä­den ver­lei­hen Dupi­ons­ei­de „Lyrik II“ von San­der­son einen iri­sie­ren­den Schimmer

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In einem drei­di­men­sio­na­len Druck auf Sei­de ver­bin­det Des­sin „Hana“ asia­ti­sche und euro­päi­sche Ein­flüs­se, hand­werk­li­che Tra­di­ti­on und moderns­te Tech­nik (Chris­ti­an Fisch­ba­cher)

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