Wohnpsychologie: Darum wirken Animal Prints so anziehend

Leo-Look, Zebrafell und Co. – unser Experte für Wohnpsychologie Uwe Linke erklärt, warum wir uns der anziehenden Wirkung exotischer Animalprints nicht entziehen können.

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Leo All Over – mit Wohntextilien von House of Hackney

Dunkel lockende Welten

Tanja Blixens Roman, der in seiner Verfilmung „Jenseits von Afrika“ bekannt wurde, spielt in einer Zeit, als schon eine Nelke eine allgemein bekannte Botschaft des gegenseitigen Erkennens vermittelte. Ein Leopardenprint wäre damals eine allzu offensichtliche, fast plumpe Anmache gewesen. Gleich einer einfachen, anspruchslosen Blume, die solche Ansprüche vermittelt, steht der Tierprint aus dem wilden Afrika für unzähmbare Leidenschaft und gleichzeitig unbeschreibliche Eleganz, für die Lust eines Raubtieres, seine Beute zu jagen und sich dabei geschmeidig und ästhetisch zu bewegen. Hier geht es auch um Verführung, um die kaum greifbare, lockende Macht, die vom scheinbar schwächeren Weiblichen ausgeht und der das stärkere Männchen verfällt.

Der Leopard besticht nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch geräuschlose Wendigkeit sowie die Schnelligkeit und Ausdauer, mit der er die Beute hetzt, bis sie erliegt. Panther sind anmutige Geschöpfe, deren leopardentypische Flecken wir wegen der dunklen Grundfarbe nur schwer erkennen können. Gemeinsam haben die gefleckten Wildtiere, dass sie Katzen sind – launisch, mutig und stark. Die Faszination dieser Tiere besteht in der Mischung aus mystischer Exotik und edler Seltenheit, die sie ausstrahlen und dabei eigentlich zur Vorsicht mahnen oder in der Täuschung blenden. Psychologisch reduziert kann man sagen: Angst, Abenteuer und Ästhetik, gepaart mit einem Hauch unerfüllter Sehnsucht.

In der Mode symbolisiert der Animalprint Extravaganz und Exzentrik. Er verleiht seiner meist wohl weiblichen Trägerin Stärke, die er jedoch aufgrund seiner Auffälligkeit auch voraussetzt. Mit diesem Look fällt man auf und will das auch. Der bisweilen etwas zweifelhafte Ruf, den Tierprint-Trägerinnen haben, liegt wohl darin begründet, dass das typische Wesen, das wir damit verbinden, perfekt getarnt ist und zunächst harmlos langsam erscheint, dann aber kaum wähle-risch mit gezieltem Biss in Kehle oder Genick geräuschlos erlegt.

Zu Hause bringt der Style die perfekte Ergänzung zu floralen und eine spannende wie exotische Abwechslung zu geometrischen Mustern. Gut zur Geltung kommt er als Tapete, Kissen oder Bezug eines Solitärmöbels. Tarnmuster verleihen Räumen das markante Flair einer dunkel lockenden Welt, die noch Überraschungen und Abenteuer bereithält. Ein bisschen Abenteuer darf im heimischen Wohnzimmer doch ab und an schon mal sein, oder? Doch bitte treiben Sie es nicht gar zu wild! Die Katze erträgt zu viel Konkurrenz ebenso wenig wie Schlangen.

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Über Uwe Linke

Der Experte für Wohnpsychologie lebt in München. Nach einer Ausbildung zum Schneider und Modedesigner führte Uwe Linke bis 2010 sein eigenes Einrichtungshaus. Nebenher bildete er sich zum systemischen Coach und Heilpraktiker für Psycho- und Paartherapie weiter. Heute entwirft er persönlich zugeschnittene Raumkonzepte und erklärt in DECO HOME aktuelle Trends und Phänomene aus der Interior-Welt.

 

Dieser Artikel erschien erstmals in DECO HOME 1/2019 im Rahmen einer Musterlehre. Mit vielen Einrichtungsideen und Accessoires mit Prints von Zebra, Leo & Co.

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