Design Ideen: Wie man den eigenen Ausdruck findet

„Stil ist niemals eindeutig.“, ist die einflussreiche Mailänder Designgaleristin Nina Yashar überzeugt. Durch ihre designstarke Hand geriet Anna Maria Enselmis Apartment zur Wohlfühlzentrale. Hier erklären die Stilprofis Grundlagen guten Designs und gelungener Einrichtung.

Eigentlich bräuchte jeder zwei: ein Zuhause zum leben und beleben und eines, um sich zu isolieren“, ist Anna Maria Enselmi überzeugt. Damit meint sie freilich nicht den verordneten Lebensstil der letzten Monate, sondern eine heilende Isolation zum Entspannen, Arbeiten und Dinge tun, die man für sich haben will. Anna Maria ist selbst in der komfortablen Lage, mehrere Apartments in Mailand zu bewohnen – eines für ihr Familienleben und eines, das nur ihr gehört.

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Mit spiegelnden Schachbrettböden als steingewordenem Kindheitstraum und einem begehbaren Kleiderschrank, in dem die Fashion-Expertin Fundstücke ihres Lebens sammelt: „Dort lagern meine Vintage-Kleider und Accessoires. Ich schaue sie an, ich trage sie und manchmal spiele ich einfach nur wie ein kleines Kind mit Mamas Sachen.“

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Schon häufiger hatte Anna Maria mit Designgaleristin Nina Yashar bei Wohnungseinrichtungen gemeinsame Sache gemacht. Diese aber sollten nur Stücke schmücken, welche die Ex-Ballerina am meisten liebt. Keine Kompromisse, ein Alltag wie auf einer Bühne vor sich selbst.

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Ausgangspunkt aller Designüberlegungen war der Stil der 50er-Jahre und Anna Marias persönliche Verehrung für den ikonischen Gio Ponti. Ihre wahre Mentorin und inspirative Komplizin aber fand sie in Nina Yashar, die seit Ende der 90er-Jahre die Galerie Nilufar in der Via della Spiga betreibt und schon lange zur festen Größe im Mailänder Style-Geschehen gehört.

 

„Stil ist für mich: nicht nur einem zu folgen.“

 

„Der beste Weg, um einen eigenen Ausdruck zu finden, liegt kaum darin, Entwürfe einer einzigen Ära oder eines einzigen Designers zusammenzubringen. Vielmehr ist essenziell, Synergien und Kommunikation zwischen verschiedenen Strömungen zu schaffen. Stil ist niemals eindeutig.“

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Die ausgewählten Lieblingsstücke, die Einzug in Anna Marias Brera-Apartment erhielten, wurden vor einer strahlend weißen Kulisse inszeniert. Eine folgerichtige Entscheidung zum optisch gekachelten Marmorboden aus reinem Weiß und reinem Schwarz. Was heute geradezu spielerisch erscheint, war sehr schwer zu beschaffen – und vielleicht auch nur genau hier möglich. „Mailand hat meinen Horizont erweitert. Es hat mich gelehrt, dass Wünsche realisiert werden können, wenn man sich reinhängt. Hier hört man niemals auf zu träumen“, sagt Anna Maria nicht ohne Pathos.

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Farben kommen bei ihr ausschließlich auf kleinem Raum zur Geltung – mit Möbeloberflächen, Vasen von Ettore Sottsass, Gemälden oder Skulpturen.

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Ungewöhnlich früh formte sich ein Streben nach Schönheit bei der heutigen Designexpertin. Ihre Profession fand sie über die Jahre in namhaften Modehäusern, doch auch die Einrichtung zählte bereits zu ihren Interessen, als andere noch mit Puppenhäusern beschäftigt waren. „Meine Eltern kauften mir Wohnzeitschriften. Ich war ein Teen­ager, fast noch ein Kind, als ich sie überredete, einen guten Innenarchitekten zu engagieren und unser Haus umzugestalten. Sie waren höchst erstaunt, willigten aber ein. Wahrscheinlich nur aus Liebe zu mir“, erinnert sich Anna Maria amüsiert.

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Trotz oder gerade wegen aller Leidenschaft lernte sie über die Jahre auseinanderzuhalten, was ein Ort braucht und was Schwärmerei bleiben sollte.

 

„Räume dürfen niemals ausschließlich den Träumen gewidmet sein.“

 

Eine gute Gestaltung lebt davon, dass sie Sinn macht. Und das vollzieht sich am besten im Dialog. Die Harmonie zwischen Anna Maria Enselmi und Nina Yashar beweist: Selbst ein stilistisch gebildeter Mensch profitiert vom Austausch mit Gleichgesinnten, erreicht Tiefe im Ausdruck, zu der er allein kaum gefunden hätte.

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Das gilt heute vielleicht mehr als jemals zuvor. Designexpertin Nina Yashar sinniert: „Es gab nun eine Pause, welche die Welt wirklich brauchte. Ich glaube, Design wird sich in Zukunft viel mehr an Nachhaltigkeit orientieren und digitaler werden. Und ich hoffe, dass auch andere Unternehmer verstanden haben, wie wichtig es ist, innezuhalten, Entscheidungen zu reflektieren und auch mal geduldig auf den richtigen Zeitpunkt zu warten.“

Fotos: Helenio Barbetta / Livinginside
www.nilufar.com

Diese Homestory erschien mit einer anderen Bildauswahl erstmals in DECO HOME 3/2020.

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