8 Fragen an das Designerpaar Studio Gam Fratesi

In den Ent­wür­fen von Sti­ne Gam und Enri­co Fra­te­si trifft ita­lie­ni­sche Tra­di­ti­on auf däni­schen Puris­mus. Anläss­lich eines Pro­jek­tes mit Tex­til­her­stel­ler Kva­drat sprach Redak­teu­rin Chris­ti­na Pear­ce mit ihnen über die per­fek­te Ver­bin­dung und die Bedeu­tung von Stoffen.

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Sti­ne Gam und Enri­co Fra­te­si sind Stu­dio Gam Fra­te­si – bei­de stu­dier­te Archi­tek­ten, die aller­dings noch nie ein Haus gebaut haben. Foto: Patri­cia Parinejad

Wie passt dänisches Design zum italienischen?

Über­haupt nicht (bei­de lachen). Es war nie unser Ziel, eine dänisch-ita­lie­ni­sche Fir­ma zu grün­den. Es ist ein­fach, was wir sind. Und das brin­gen wir auf den Tisch. Wir leben in Kopen­ha­gen und auch unse­re Design­spra­che ist eher skan­di­na­visch: in der Schlicht­heit, Ehr­lich­keit, den Materialien.

Wie nehmen Sie die Geschichte und Identität von Kvadrat wahr?

Es ist ein groß­ar­ti­ges Unter­neh­men. Wir haben unser aller­ers­tes Möbel­stück mit ihren Stof­fen bezo­gen, weil Far­ben und Tex­tur unse­re Phi­lo­so­phie aus­drü­cken. Pols­ter­mö­bel waren immer unse­re Stär­ke, bes­ser gesagt, kom­men sie ein­fach am bes­ten an. Ver­gan­ge­nes Jahr wur­den wir dann zum ers­ten Mal von Kva­drat enga­giert: Zum Salo­ne del Mobi­le ent­war­fen wir tex­ti­le Mas­ken für den Mai­län­der Showroom.

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Aus Stof­fen von Kva­drat fer­tig­te das Krea­tiv­duo Mas­ken für eine Instal­la­ti­on im Show­room wäh­rend der Mai­län­der Möbel­mes­se 2017
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Skiz­zen zum Maskenprojekt
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Die Idee dahin­ter: Gleich einer Mas­ke erhält auch ein Möbel durch Stoff ein neu­es Gesicht

Der neue Space in der Kölner Design Post ist also Ihr zweiter Coup in dieser Hinsicht. Wie nähern Sie sich einem solchen Projekt?

Anders als ein kurz­le­bi­ger Mes­se­stand bleibt ein Show­room bestehen und ist Arbeits­platz für Men­schen, die in gewis­ser Wei­se dar­in leben. In der Design Post tei­len sich alle Brands einen gro­ßen Raum, aber jeder hat sei­nen eige­nen Bereich. So kam uns die Idee mit den stoff­be­spann­ten Lamel­len. Sie las­sen sich mit einem ein­fa­chen Seil­zug­sys­tem öff­nen. Braucht man gera­de Pri­vat­sphä­re, schließt man sie und ist geschützt vor vor­bei­lau­fen­den Men­schen – oder auch ein­fach nur der Son­ne drau­ßen. Sie sind multifunktional.

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Neu­ge­stal­tung des Schau­raums von Kva­drat in der Köl­ner Design­post zur Möbel­mes­se 2018

Seitens vieler Architekten scheint es Vorbehalte gegenüber Stoffen zu geben, gerade bei moderner Bauweise. Warum ist das so?

Wir ver­wen­den sehr, sehr vie­le Tex­ti­li­en: Möbel­be­zü­ge, Vor­hän­ge – wir lie­ben Stof­fe! Sie ver­lei­hen dem Inte­ri­eur auf ganz natür­li­che Wei­se einen Wert. Zum Bei­spiel lässt sich eine star­ke Far­be ein­brin­gen, die trotz­dem nicht ein­neh­mend wirkt. Außer­dem ver­bes­sern sie die Akus­tik, die gan­ze Atmo­sphä­re. Stoff hat so vie­le Qua­li­tä­ten. Und er wirkt nicht, als wür­de man etwas hin­zu­fü­gen, nur um etwas hinzuzufügen.

 

Meiner Meinung nach verstehen die Dänen es besser, sich auf die Perspektiven der neuen Welt einzulassen“

Enrico, was mögen Sie am skandinavischen Design?

Die Skan­di­na­vi­er haben einen beson­de­ren Ansatz, eine Ener­gie. Nicht dass die Ita­lie­ner kei­ne hät­ten. Aber in Skan­di­na­vi­en herrscht eine posi­ti­ve Ein­stel­lung wie im zwei­ten Gol­den Age des Möbel­de­signs. Die Akteu­re sind erfolg­reich, ener­gie­ge­la­den, sehr jung. Ita­li­en hat­te die­sen Gene­ra­tio­nen­wech­sel nicht. Die älte­re Gene­ra­ti­on regiert noch immer mit der glei­chen Men­ta­li­tät und das steht neu­en Din­gen häu­fig im Weg. Mei­ner Mei­nung nach ver­ste­hen die Dänen es bes­ser, sich auf die Per­spek­ti­ven der neu­en Welt ein­zu­las­sen. Die Ita­lie­ner schau­en eher zurück. Das fin­de ich problematisch.

Als Ita­lie­ner bin ich dank­bar, früh von den Skan­di­na­vi­ern geför­dert wor­den zu sein. Aber die jun­ge Gene­ra­ti­on hat es schwer. Wenn ein jun­ger Däne in einem Café arbei­tet, kann er ein gutes Leben haben, das es ihm erlaubt, opti­mis­tisch zu sein. Viel­leicht ist die­ser Opti­mis­mus die bes­te Qua­li­tät, um etwas zu entwerfen.

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Das Zeug zum moder­nen Klas­si­ker hat der 2013 für Gubi ent­wor­fe­ne „Beet­le Dining Chair“
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Mit Glas- oder Mar­mor­plat­te erhält­lich ist „Couch­tisch TS, den das Paar eben­falls für Gubi entwarf
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Pen­del­leuch­te „Sus­pen­se“ ent­wi­ckel­ten Gam Fra­te­si für den däni­schen Leuch­ten­her­stel­le Lightyears
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Eine Neu­in­ter­pre­ta­ti­on des klas­si­schen Wie­ner Geflechts zei­gen Loun­ge­ses­sel „Mor­ris“ und Sofa „Tar­ga“ für GTV Gebrü­der Tho­net Vienna

Stine, was mögen Sie besonders am italienischen Design?

Die lei­den­schaft­li­chen Men­schen. Ich bin fas­zi­niert von dem Stolz, der einem über­all in den Manu­fak­tu­ren begeg­net. Egal wie weit man in der Wert­schöp­fungs­ket­te zurück­geht, jeder Ein­zel­ne fühlt sich geehrt, ein Stück von etwas erschaf­fen zu dür­fen. Die Ita­lie­ner geben immer alles, die Lösung für ein Pro­blem zu fin­den, um etwas zum gewünsch­ten Ergeb­nis zu brin­gen. Das Hand­werk an sich ist in Däne­mark nicht so präsent.

Was empfinden Sie momentan als die größten Herausforderungen von Design und Architektur?

Wir glau­ben, die Idee von Inti­mi­tät, einer beson­de­ren Weich­heit, ist beson­ders wich­tig. Selbst in einem Show­room. Jeder Ort muss ein gutes Gefühl her­vor­ru­fen. Das ist Teil unse­rer Philosophie.

Ein letztes Statement bitte: Stoffe sind …

Da müs­sen wir sofort an unse­re Mas­ken für die Instal­la­ti­on in Mai­land den­ken. Weil der Stoff die Mas­ke eines Pro­dukts ist. Er ver­än­dert immer die Wir­kung. Das kann thea­tra­lisch sein, ver­spielt oder dra­ma­tisch. Er ist die letz­te Schicht, die man auf­trägt, und sie bestimmt die Persönlichkeit.

 

Mehr unter: www.gamfratesi.com | Die­ses Inter­view ist erst­mals im Kva­drat-Gui­de, einem DECO HOME Bei­le­ger, erschie­nen, der online durch­ge­blät­tert wer­den kann. Hier geht’s zum ePa­per:

kvadrat-guide-decohome.de_

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