Homestory: Ein historisches Anwesen wird zum stylischen Architektenhaus

Was kommt heraus, wenn ein Architekt ein über hundert Jahre altes Londoner Reihenhaus für seine Familie zu einem Ort umgestaltet, in dem sich Groß und Klein gleichermaßen wohlfühlen? Ein lichtdurchflutetes Architektenhaus, von dessen Konzept man viel lernen kann.

Wir befinden uns im Londoner Stadtteil Shepherd’s Bush. Hier, im Westen der britischen Metropole, reihen sich moderne Bürogebäude und Shoppingmalls aneinander. Aber auch herrschaftliche Häuser, die bereits zu Zeiten Edwards VII., also um 1900, erbaut wurden. Exakt eine solche Immobilie hat Matthew Woodthorpe, der Gründer von MWAI Architects, als Wohnsitz für sich und seine Familie auserkoren. Bevor aus dem historischen dreistöckigen Reihenhaus allerdings ein echtes Zuhause für alle wurde, hieß es für ihn und sein Team erst einmal: Ärmel hochkrempeln!

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Der Anspruch lautete: Das Haus behutsam an die Anforderungen eines modernen Familienlebens anzupassen, ohne dabei die Grundform und die ursprünglichen Details, die dem Anwesen seinen Charme verleihen, zu verändern. „Wir wollten ein Familienhaus schaffen, in dem wir die nächsten zehn Jahre oder länger leben können und das uns viele Möglichkeiten bietet. Dabei haben wir uns zum Ziel gesetzt, den ursprünglichen Charakter und die großzügigen Proportionen des Hauses beizubehalten“, erklärt Matthew Woodthorpe.

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Die Küche als Mittelpunkt

Die Renovierungsarbeiten umfassten alle drei Stockwerke des Hauses, wobei der Schwerpunkt bei der Küche auf der Rückseite des Anwesens lag. Wichtig war den Bauherren, den funktionalen Raum in einen großzügigen, vielseitigen Wohnbereich umzuwandeln, in dem sich das komplette Familienleben abspielt. Wo früher ausschließlich die Mahlzeiten zubereitet wurden, sollte künftig gespielt, gearbeitet, gekocht und gelebt werden. So der Plan, der so beeindruckend elegant wie lässig in die Tat umgesetzt wurde.

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Durch die Versetzung von Wänden, den Einbau von rahmenlosen Dachfenstern und einer großzügigen Fensterfront in Richtung Garten entstand schließlich ein lichtdurchfluteter Wohnbereich, der sich harmonisch an den alten Gebäudeteil angliedert.

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Da die Küche nun weit mehr sein sollte als ein Raum, in dem Speisen zubereitet werden, wurden die typischen Küchenelemente, wie beispielsweise Kühl- und Gefrierschrank, kurzerhand hinter holzgetäfelten Türen untergebracht. Dadurch wirkt der Bereich deutlich weniger funktional, dafür aber umso wohnlicher. Matte Wandfarben von Farrow & Ball sowie der Boden aus poliertem Beton, der ohne die sonst übliche Zementbeschichtung auskommt, tun ihr Übriges dazu.

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Bei der Möblierung der Küche setzte das MWAI-Team auf maßgefertigte Stücke und arbeitete dafür mit dem Londoner Designbüro Lanserring zusammen. Der Fokus liegt auf einem übergroßen, flexiblen Tisch in der Mitte des Raumes, der mit Blöcken aus Calacatta-Marmor versehen ist. Als Inspiration hierfür dienten dem Team um Matthew Woodthorpe die viktorianischen Küchen alter Landhäuser. Der Clou: Die extrem massiv aussehenden Marmorblöcke sind hohl und dadurch erstaunlich leicht zu transportieren.

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Behutsames Bad-Makeover

Neben dem Küchen- und Livingbereich erfuhr das Badezimmer ein Makeover. Polierter Murano-Putz aus Marmorstaub, der mit Bienenwachs veredelt ist, trifft hier erneut auf eine Calcatta-Marmorverkleidung. Dadurch entstand eine Optik, die dem typischen Stil edwardianischer Landhäuser huldigt. Es versteht sich von selbst, dass auch dabei nichts dem Zufall überlassen wurde: Der wegen seines besonderen Glanzes ausgewählte Murano-Putz wurde von einem Handwerker aus Italien aufgetragen. Um sicherzustellen, dass der Farbton exakt zu den Details des Raumes passt, wie beispielsweise den antiken Türen und Türgriffen, wurde er erst am Tag der Installation vor Ort ausgewählt. Und auch bei den Badmöbeln blieben die Bauherren ihrer Linie treu: Sie entschieden sich für historisch anmutende Waschtische mit pulverbeschichteten Stahlrahmen, die von MWAI entworfen und von Lanserring maßgefertigt wurden.

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Immer den Gesamteindruck im Hinterkopf, machten die Renovierungsarbeiten selbst vor dem Außenbereich nicht Halt. Auch hier lautete der Anspruch der MWAI-Architekten, Original-Elemente wo immer möglich zu behalten – oder sie zumindest originalgetreu zu ersetzen. Da der ursprüngliche edwardianische Terrazzo-Weg, der zur Eingangstür führte, nicht erhalten werden konnte, wurde ein Estrichpfad mit einem maßgeschneiderten Blumenmuster aus viktorianischen Fliesen belegt. Verbindung zum neuen Betonboden in der Küche sowie eine Hommage an die Entstehungszeit des Hauses in einem.

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www.mwai.co.uk

Text: Stefanie Wolf / Fotos: Alexander James

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