Homestory Luke Edward Hall: Eine Londoner Wohnung in Waldgrün

Grie­chisch-römi­sche Anti­ke plus ver­fal­le­nes bri­ti­sches Land­haus und eine Pri­se Palm Springs“, beschrei­ben Künst­ler Luke Edward Hall und Dun­can Camp­bell ihren aus­ge­fal­le­nen Stil. Wie das funk­tio­nie­ren kann? Sehen Sie selbst!

Gut, das Geräusch der Ten­nis­bäl­le muss man sich heu­te dazu­den­ken. Aber sonst ist der Cam­den Squa­re fast noch genau­so roman­tisch wie vor hun­dert Jah­ren, als hier zwi­schen Flie­der­he­cken noch die Sport­plät­ze für die Lon­do­ner Upper Class lagen. Etwas von die­ser Nobles­se hat sich in den Gebäu­den rings­um erhal­ten und war auch in dem vik­to­ria­ni­schen Stadt­haus spür­bar, in dem Dun­can Camp­bell vor zehn Jah­ren eine Woh­nung besich­tig­te. Klein und her­un­ter­ge­kom­men waren die Räu­me, aber die Aus­sicht aus den wun­der­ba­ren alten Fens­tern ins Grü­ne, die war für Lon­do­ner Ver­hält­nis­se schon damals bei­na­he unerhört.

Beim Umbau war erst mal weni­ger Fein­geist ange­sagt als viel­mehr hand­fes­tes Zupa­cken: Böden, Raum­auf­tei­lung und Elek­trik muss­ten kom­plett erneu­ert wer­den, das Gebäu­de datiert immer­hin aus den 1840er-Jah­ren. Am Ende der Mühen stand der heu­ti­ge Grund­riss mit einem gro­ßen, offe­nen Raum als Herz, der als Wohn- und Ess­zim­mer sowie Küche fungiert.

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Zunächst muss­te die reno­vier­te Woh­nung mit Leben geflu­tet wer­den. Eine Auf­ga­be, bei der Dun­can zwei Schön­geis­ter zu Hil­fe kamen. Zum einen sein Lebens­ge­fähr­te, der erfolg­rei­che Illus­tra­tor Luke Edward Hall, der die Woh­nung schon ganz wört­lich beleb­te, weil er am Cam­den Squa­re ein­zog. Mit sich brach­te er dabei sei­ne Wer­ke, das siche­re Farb­ge­spür eines Künst­lers und das Auge für per­fek­te Insze­nie­run­gen. Das alles sorgt heu­te dafür, dass man sich beim Gang durch die Woh­nung auf jedem Schritt gut unter­hal­ten fühlt – aber nie übersättigt.

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Luke Edward Hall (links) und Dun­can Campbell

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Signa­tu­re Linie von Luke Edward Hall: vor allem für sei­ne Gesich­ter wur­de der Illus­tra­tor bekannt.

Klas­si­ker wech­seln sich mit funk­tio­na­ler Moder­ne ab, die Lie­be zu alter Pla­kat­kunst ver­trägt sich gut mit der klei­nen Schwä­che für Kurio­si­tä­ten, etwa einen Eis­wür­fel­be­häl­ter in Ana­nas­form. „Der Style unse­rer Ein­rich­tung ent­stand Stück für Stück und ent­wi­ckel­te sich mit jedem neu­en Möbel. Dazu kamen dann Wer­ke von Freun­den und schließ­lich unse­re eige­nen. Inzwi­schen ist es eine Mischung aus ver­schie­de­nen Epo­chen, Anti­qui­tä­ten, zeit­ge­nös­si­schen Möbel­stü­cken und viel, viel Far­be!“, sagt Dun­can Camp­bell heute.

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Tat­säch­lich ist der Kon­trast zwi­schen dem kräf­ti­gen Grün – Farb­ton „Forest Storm“ von Ley­land – an Wän­den oder Vor­hän­gen und den Far­ben der Pols­ter­stof­fe bezie­hungs­wei­se Kunst­wer­ke einer der span­nends­ten Cha­rak­ter­zü­ge die­ses Inte­ri­eurs. „Wir fürch­ten uns nicht davor, star­ke Far­ben, Mus­ter und Mate­ria­li­en zu mischen. Ein Zuhau­se soll­te Spaß machen und die Per­sön­lich­keit sei­ner Bewoh­ner spiegeln.“

Hier fin­den Sie wei­te­re geschmack­vol­le Ide­en zur Wand­ge­stal­tung mit Grün.

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Zu den Bewoh­nern der drei Zim­mer am Cam­den Squa­re zählt heu­te eigent­lich noch jemand: die stu­dier­te Mode­his­to­ri­ke­rin Char­lot­te Rey. Seit einem gemein­sa­men Prak­ti­kum beim Hip­s­­ter-Maga­zin „Acne Paper“ ist sie eine enge Freun­din von Dun­can Camp­bell. Spä­ter wur­de sie auch sei­ne Geschäfts­part­ne­rin, als sie 2014 die Desi­gnagen­tur Camp­bell-Rey grün­de­ten. Die bei­den sind mitt­ler­wei­le weit über Lon­dons Gren­zen hin­aus wegen ihrer unkon­ven­tio­nel­len Ansät­ze gefragt und bera­ten zum Bei­spiel Fir­men wie Bent­ley oder Bul­ga­ri in Fra­gen zeit­geis­ti­ger Mar­ken­ge­stal­tung. Als die ers­ten Auf­trä­ge ein­tru­del­ten, wur­de kur­zer­hand eine Ecke der Woh­nung zum Büro ernannt. Schließ­lich sind rich­ti­ge Büros in Lon­don teu­er. Seit­dem arbei­ten die drei Freun­de hier jede Woche wort­wört­lich an der per­fek­ten Work-Life-Balance.

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Die Woh­nung bekommt aber auch etwas zurück. So gehö­ren heu­te nicht nur die eige­ne Kunst und selbst ent­wor­fe­ne Stof­fe von Hall, son­dern auch neue Pro­dukt­de­signs von Camp­bell-Rey ganz selbst­ver­ständ­lich zum Haus­rat. Ein Rund­gang durch die Räu­me ist also auch ein Rund­gang durch das Port­fo­lio von Camp­bell-Rey. Ein biss­chen clas­sy, ein biss­chen pie­tät­los und ins­ge­samt wun­der­bar har­mo­nisch – eine bes­se­re Visi­ten­kar­te kann sich eine jun­ge Krea­ti­vagen­tur gar nicht wün­schen. Das Pro­blem ist nur: Wenn sie noch erfolg­rei­cher wer­den, wird das Wohn­bü­ro am Cam­den Squa­re eines Tages viel­leicht zu klein.

Text: Julia Strauss / Sty­ling: Chia­ra dal Can­to / Fotos Hele­nio Bar­bet­ta für Living Inside

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