„Kunstobjekt oder Leuchte?“ mag sich mancher beim Anblick der Lichtquellen des italienischen Familienunternehmens fragen. Wir sagen: beides! Ein Blick hinter die Werkstatttüren in Bergamo, wo noch in Handarbeit gefertigt wird. 

Foto: Henri del Olmo

„Wenn ich eine neue Leuchte schaffen will, beginne ich immer mit einem Prototyp. Mein Labor ist eine Werkstatt, wo ich andauernd die verschiedensten Materialien, Komponenten und Gegenstände sammle. Hier entsteht alles. Ich baue zusammen, schweiße, biege, gestalte. Ich muss das Material fühlen, sehen, wie es mit dem Licht spielt”, erzählt Enzo Catellani, der das Unternehmen vor über 30 Jahren gegründet hat.

Foto: Henri del Olmo

Echte Handwerkskunst

Alle Leuchten aus dem Hause Catellani & Smith werden in Werkstätten am Ufer des Flusses Serio in Bergamo hergestellt. Geformt von den Händen eines Handwerkers oder Künstlers – mit all den ‚Unvollkommenheiten‘, die damit einhergehen –, ist jede Leuchte ein Unikat.
„Der Großteil meiner Produktion besteht aus Teilen, die eine beträchtliche handwerkliche Bearbeitung erfordern: Es ist der Handwerker, der sie konstruiert, seine manuelle Arbeit, die Unregelmäßigkeiten mit sich bringt und damit jeden Gegenstand einmalig macht“, sagt Enzo Catellani.

Foto: Henri del Olmo

Von der Form zur Idee

Der kreative Prozess beginnt durch das Zusammenspiel von Licht mit unterschiedlichen Materialien. Messing, Aluminium, Kupfer, Glas, Fiberglas, Carbon oder Technofiber, mit gold-, silber- oder kupferveredelten Oberflächen, unregelmäßig oder eben – jeder Rohstoff erzielt besondere und unterschiedliche Lichteffekte. Das Material, das sich am besten eignet, um den gewünschten Lichteffekt zu erzielen, wird im Anschluss immer wieder getestet, um die bestmöglichen Ergebnisse und Funktionen erhalten.

Foto: Henri del Olmo

„In dieser ersten Phase gibt es keinen wirklichen Entwurf, die Idee muss sofort Form annehmen, zum Gegenstand werden. Erst danach gehe ich zur klassischen Konstruktionsphase über: Machbarkeit, technische Eigenschaften und ähnliches. Es ist die Idee des Lichts und der Wunsch, diese Idee zu erzählen, die mich bei der Konstruktion leiten. Und ich glaube, das spürt man“, erklärt Enzo Catellani.

Foto: Nava Rapacchietta

„Fil de Fer“ und „Petits Bijoux“

Zwei ganz besondere Leuchtenkollektionen sind „Fil de Fer“ und „Petits Bijoux“. Erstere wird aus Aluminiumdraht hergestellt, den erfahrene Hände zu den ikonische Kugel formen. Zuerst wird die Struktur der Leuchte mit unterschiedlichen Durchmessern, entsprechend den verschiedenen Versionen der Leuchte (Boden, Aufhängung, Wand, Decke, Tisch), gebaut. Im Anschluss werden die elektrischen Teile von Hand hinzugefügt. So wird auch jede der winzigen Glühbirnen im Inneren der Kugel einzeln und mit besonderer Sorgfalt platziert.

Entstehungsprozess von „Fil de Fer“.
Fotos: Henri del Olmo
 
 
 
Entstehungsprozess von „Fil de Fer“
 

Ebenso aufwändig ist die Herstellung von „Petits Bijoux“. Die Leuchte besteht aus unbehandelten Messingringen, die von dünnen Kabeln, die aufeinander folgen, zusammengehalten werden, um eine Kugel zu bilden. Hinter transparenten Abdeckungen mit Messingclips verbergen sich mehrere LEDs, die für ein helles Licht sorgen. Die „Petits Bijoux“-Leuchten gibt es in zwei Standardgrößen, kann aber auch speziell nach Kundenwunsch angefertigt werden. Die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt – der Handarbeit sei Dank.

 

Aufwändiger Prozess: Eine Leuchte aus der Kollektion „Petits Bijoux“ entsteht Fotos: Nava Rapacchietta

 

www.catellanismith.com

Fotos: Henri del Olmo / Nava Rapacchietta

Text: Stefanie Wolf