Stoffkunde: Der Unterschied zwischen Samt und Velours

Weich sind sie alle. Doch worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Samt, Velours und der Chenille? Wir haben die drei Stoffe mit dem großen und gerade sehr angesagten Kuschelfaktor mal genauer unter die Lupe genommen.

Samt

Das älteste und meist edelste dieser drei Gewebe ist sicherlich der Samt. Er war aufgrund seines Flors das erste Gewebe mit einer dritten Dimension. Sein Name leitet sich vom griechischen Wort ‚hexaminos‘ ab, was so viel bedeutet wie ’sechsfädig‘. Beim Samt handelt es sich um ein Gewebe mit darüberliegendem, eingearbeitetem Fadenflor – das ist das, was ihn so weich macht. Nur Gewebe bis maximal drei Millimeter Florhöhe werden als Samt bezeichnet.

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Stoffe der Kollektion „Crafted Poetry“ – Velvet „Sweet Lovin“ ist ein aus Polyester gewebter Bezugsstoff (Chivasso)

Kleiner Exkurs in die Vergangenheit

Ursprünglich wurde Samt, dessen Entstehung im Orient vermutet wird, aus Seidengarn hergestellt. Bald schon gelangte die Technik jedoch auch nach Europa. 1247 wurde in Italien eine Samtweberzunft gegründet. 1474 gab es allein in Mailand bereits 15.000 Samtweber. Nach und nach breitete sich seine Herstellung in ganz Europa aus. Die Engländer lernten diese Kunst von den Flamen und entwickelten im 16. Jahrhundert den nach seinem Entstehungsort auch Manchester genannten Cordsamt. Die Franzosen eigneten sich die Kunst der Samtweberei im 17. Jahrhundert an und kreierten eine Methode zur großflächigen Musterung der Stoffe. In Deutschland entfaltete sich die Samtindustrie erst in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Heutzutage gibt es auch Baumwoll- und Chemieseidensamt.

Generell unterscheidet man folgende Samtarten:

Kettsamt: Auch Rutensamt genannt, entsteht in sogenannter Rutentechnik. Hierfür wird ein zweites Kettfadensystem benötigt. Es ist eine Doppelgewebetechnik, bei der im Prinzip zwei Gewebe gleichzeitig hergestellt werden. Dabei kommt ein weiteres Fadensystem, die Polkette hinzu, aus dem der Flor entsteht. Die Polkette wird an den Schussfäden der Grundgewebe befestigt. Beim Webvorgang wird die Polkette über feine Metallstäbe (Ruten genannt) in Schlingen gelegt, die anschließend aufgeschnitten werden.

Schuss-Samt: Trägt auch die Handelsbezeichnung Velvet, was ja eigentlich einfach nur die englische Übersetzung von Samt ist. Wie der Kettsamt ist auch der Schuss-Samt ein Websystem bei dem der Fadenflor eingearbeitet wird. Beim Schuss-Samt sind die Fäden für den Flor allerdings an den Kettfäden befestigt.

Der Flocksamt wird auch als unechter Samt bezeichnet, weil hierfür Faserflocken auf einen Untergrund geklebt werden.

Pannesamt, auch Spiegelsamt genannt, ist eine glänzende Samtart, deren Optik durch Flachbügeln (panieren) entsteht.

Mit Samtbrokat bezeichnet man eine schwere, feste Webart, bei der ein gemusterter Stoff mit eingewebten Gold- und Silberfäden entsteht.

Beim Cordsamt bilden nur die Schussfäden den Flor, wodurch die charakteristischen Streifen entstehen.

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Sofa „Palazzo“ von Rubelli ist mit „Velours décontracté“ aus der Kieffer-Kollektion bezogen

Was beim Velours anders ist

Grob gesagt handelt es sich sowohl bei Samt als auch Velours um sogenannte Polgewebe, die neben den beiden Grundfadensystemen Kette und Schuss über ein drittes Fadensystem verfügen, das den in Schlingen liegenden Pol bildet. Dieser wird nach dem Weben aufgeschnitten, wodurch der mehr oder minder weiche Flor entsteht. Womit wir auch schon beim wesentlichsten Unterschied sind. Denn obwohl wir die Bezeichnung samtweich mit etwas verbinden, das eigentlich schon ziemlich weich ist, hat der Samt den kürzeren Flor und somit ist Velours definitiv weicher. Genau genommen ist Velours einfach das französische Wort für Samt. Nur, dass wir als Velours generell einen Stoff mit weicher, samtartiger Oberfläche bezeichnen – wie etwa bei Veloursleder. Spätestens nun wird klar, warum diese Begriffe immer wieder für Verwirrung hinsichtlich ihres genauen Gebrauchs führen.

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Seidenvelours „Burnish“ aus der Mark Alexander-Kollektion (Romo)

Dies sind die gängigsten Veloursarten:

Veloursgewebe: Entstehen ebenfalls durch das Aufschneiden der Schlinge. Der Flor ist jedoch länger als beim Samt.

Veloursgewirke sind Textilien mit einer aufgerauten Oberfläche.

Velourstuft wird meist bei der Teppichherstellung verwendet. Dabei werden genadelte Schlaufen im Anschluss aufgetrennt. Um die Fasern in Form zu halten, wird meist auf der Rückseite eine Kunstlatexdispersion aufgetragen.

Als Veloursleder wird aufgerautes Leder bezeichnet.

Beim Veloursvlies, auch Nadelvlies genannt, stellt eine Dilourmaschine die Fasern auf.

Und was ist mit Chenille?

Chenille ist die französische Bezeichnung für Raupe und bezieht sich auf das Chenillegarn, das mit seinen feinen abstehenden Faden-Enden an eine kleine haarige Raupe erinnert. Auch Chenillegewebe zählen zu den besonderen Hautschmeichlern unter den Stoffen und besitzen eine samtähnliche Haptik und Optik. Chenille zählt zu den Velours-Geweben. Besonderheit ist hier allerdings das Chenillegarn, welches vorab hergestellt werden muss. Das Chenillegarn wird dann im eigentlichen Webvorgang als Schussgarn verwendet. Chenille wird vor allem im Bereich der Badtextilien verwendet.

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Serie „Mirage“ von Feiler mit einer Kombination aus flauschigem Schlingengewebe und doppelseitiger Chenillebordüre

Noch mehr Spannendes und Wissenswertes über Stoffe erfahren Sie im neuen Textillexikon ABC der Stoffe und in allen anderen Artikeln aus der Serie Stoffkunde.

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