Musterkunde: Karo – So unterscheiden sich Tartan, Glencheck, Pepita und Co.

Karos sind in der Mode so angesagt wie lange nicht. Räumen können sie ein zeitloses, aber auch modernes Gesicht geben. Wir begeben uns auf Raster-Fahndung: Wie unterscheiden sich die wichtigsten Webmuster und wie sind sie entstanden? Plus: die schönsten Stoff- und Tapetenbeispiele.

Bei Karostoffen denken viele gleich an kernige Typen mit Kilt und Dudelsack. Natürlich pflegen die Schotten ihre Traditionen bis heute, doch erfunden haben sie das Karo nicht.  Grob unterscheidet man mehrfarbige und zweifarbige Karomuster. Während die mehrfarbigen wie Tartan eher klassisch und cosy wirken, sind letztere wie Hahnentritt oder Pepita modisch mehr auf Zack und wirken auch im Interieur elegant und modern.

Mehrfarbige Karomuster

Tartan

Das traditionell mehrfarbige Schottenkaro entsteht durch ineinander übergehende und sich überlagernde Streifen. Es gibt allerdings auch einfache Varianten mit nur zwei Farben. In Schottland hat jeder Clan, sogar jede Berufsgruppe oder Region ihr eigenes Tartan-Dessin. Bis heute werden sie für Kilts und andere Kleidungsstücke aber auch Plaids oder als Bezugsstoff verwendet. Doch schon lange vor den Schotten, die das Tartan-Muster seit mehreren Jahrhunderten verwenden, tauchte das älteste aller Karodessins in anderen Kulturen auf: Einige sind bereits über 5000 Jahre alt und wurden in China auf den Hüten von Jadefiguren entdeckt. In Europa kamen Karomuster in der keltischen Latène-Kultur (um 400-300 v. Chr.) auf.

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Frisch und leicht wirkt Baumwolle „La Palma“ (JAB Anstoetz)
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Die Klassiker der Schottenkaros: Stoff und Tapete von Ralph Lauren
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In modernen Farbvarianten kommt Agnes vom Fine Textilverlag.
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Eine besondere Interpretation des klassischen Tartan-Musters ist der bedruckte Baumwollvelours Macallan (Rubelli)
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Wenn es richtig warm sein soll: Wollstoff „Fenton Check Teal“ (Sanderson) mit weicher Oberfläche

 

Windowpane

Dieses Muster ist ein XXL-Karo und nach der Form von Fensterscheiben mit Holzrahmen benannt. Feine Linien laufen dabei zu großen Rechtecken zusammen, so dass ein auffälliges und großflächiges Muster entsteht.

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Windowpane in der Mode des skandinavischen Labels Baum und Pferdgarten

Drei Textildesigns, die vom Windowpane-Karo inspiriert sind:

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Bezugsstoff aus der Mountain Deluxe Kollektion von Fine.
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Tapete „Astrid“ von Sandberg
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Mischgewebe Fen Plaid von Colefax & Fowler

Argyle

Das Argyle-Muster besteht aus bunten, schachbrettartig angeordneten, rautenförmigen Blöcken, über die meist in einer Kontrastfarbe gekreuzte Streifen verlaufen. Bekannt ist dieses Dessin vor allem von Burlington-Socken.

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Sivas von Pierre Frey ist inspiriert von der Madrasa Weberei.
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Polyester „Harry“ aus der Kollektion „New Windsor“ von Camengo
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Innerhalb eines Farbkonzepts lassen sich unterschiedliche Karos problemlos mixen (Jane Churchill)

Klassisch zweifarbige Karomuster

Glencheck

Unterschiedliche Bindungsarten beim Weben erzeugen dieses klassisch schwarz-weiße Dessin. Der Glencheck wurde in der Nähe von Loch Ness in den Schottischen Highlands entwickelt und  ist eine traditionelle Musterung für Hemden, Anzüge oder Kravatten.

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Klassischer Glencheck (Mitte) von JAB Anstoetz

Wird das feine Design eines Glencheck von farbigen Karolinien überlagert, ist es ein Prince-of-Wales-Check. Dieser wurde im 14. Jahrhundert für Edward II. von England entworfen, als er Fürst von Wales war. Für Verwirrungen bei der Verwendung der beiden Begriffe sorgte im 20. Jahrhundert Edward VIII., der den Glencheck ohne Überkaro trug. Doch damit nicht genug: In Frankreich heißt der Glencheck Prince de Galle und in Österreich Esterhazy.

Hahnentritt

Weisen Kette und Schuss bei einem zweifarbigen leinwandbindigen Karo zwei Fäden breite Streifen auf, heißt es Hahnentritt. Der Name leitet sich von der Ähnlichkeit dieses Webmusters mit der Fußspur eines Hahnes ab. Manche erinnert dieses Muster allerdings auch an winzige Windräder. In der Mode ist Hahnentritt vor allem durch die französische Stilikone Coco Chanel bekannt geworden, die großer Fan des Musters war.

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Das großformatige Hahnentritt-Muster aus der St. Moritz Kollektion von JAB Anstoetz erinnert auch an das angesagte Wiener Geflecht. Davor: moderne Karo-Interpretation in starken Farben

Pepita

Sind die Karos nicht größer als einen Zentimeter und in Köperbindung diagonal verwoben, spricht man von Pepita. Benannt wurde dieses Muster nach der spanischen Tänzerin Josefa de la Oliva, denn Pepita ist die Verniedlichung von Josefina. Besonders häufig wird dieses Dessin in schwarz-weiß verwendet.

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In zehn Farben erhältlich ist das Pepita-Dessin auf Dekostoff Pica Linen von Carlucci

Vichy

Als Vichy-Karo oder auch Bauernkaro wird meist ein zweifarbiges Dessin in Leinwandbindung aus gekreuzten Streifen bezeichnet. Es findet sich mit größerer Musterung häufig auf Tischdecken in italienischen Restaurants. Mit feinerer Musterung ist es ein klassisches Dessin für Herrenhemden. Richtigerweise handelt es sich beim Vichy-Karo jedoch um ein Muster aus diagonalen Streifen bei deren Aufeinandertreffen statt Quadraten kleine Rauten entstehen.

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Blau-Weiß oder Rot-Weiß ist das Vichy- oder Bauern-Karo häufig als Tischdecke in bayerischen Biergärten aber auch italienischen Lokalen zu finden (Colefax & Fowler)

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Mehrschichtig interpretiert: Tapete Frida von Borastapeter.

Noch nicht genug von schönen Stoffen? Dann finden sie hier noch mehr Wissenswertes über Loden oder Leinen!

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