Fest verwurzelt: Teppichdesignern Lila Valadan im Interview

Gemein­sam mit ira­ni­schen Knüp­fe­rin­nen fer­tigt Desi­gne­rin Lila Val­a­dan ein­zig­ar­ti­ge Noma­den­tep­pi­che. Wir spra­chen mit ihr über alte Tra­di­tio­nen, Geduld und das Stre­ben nach Schönheit.

Warum haben Sie sich auf Nomadenteppiche spezialisiert?

Mei­ne ers­te Begeg­nung mit den Tep­pi­chen der Noma­den des alten Per­si­ens begann wie jede gute Geschich­te mit der Lie­be. Als ich mei­nen Mann hei­ra­te­te, war das der Beginn eines Aben­teu­ers vol­ler Far­ben, For­men und Mythen. Wir reis­ten ins Zagros­ge­bir­ge, um zu erfah­ren, wie die Frau­en ihre Lie­be zur Natur in expres­si­ven Tep­pi­chen aus­drü­cken. Die meis­ten Moti­ve stam­men aus pre-isla­mi­scher Zeit, ähneln jedoch Wer­ken expres­sio­nis­ti­scher Kunst Euro­pas. Eine Moder­ne, lan­ge bevor die Moder­ne erfun­den war. Inzwi­schen sind sol­che Stü­cke kaum noch zu fin­den. Es liegt mir am Her­zen, die­se Tra­di­ti­on zu bewah­ren und in die Welt zu tragen.

Sie arbeiten nur mit Knüpferinnen?

Ja, im Iran weben und knüp­fen die Frau­en zuhau­se an ihrem Web­stuhl. Alle ande­ren Arbei­ten, von der Schaf­schur bis zum Finish lie­gen in Män­ner­hand. Die Noma­din­nen haben so viel Gefühl für Far­be und Ästhe­tik. Sie ver­schö­nern ihr Zuhau­se, sie fer­ti­gen klei­ne Taschen, Bän­der, Tücher und Tep­pi­che. Ihr Leben strebt nach Schönheit.

Was fasziniert Sie an den Teppichen der Nomadinnen?

Ein Tep­pich spie­gelt die Gefüh­le der Knüp­fe­rin. Sie arbei­tet schließ­lich mehr als ein Jahr lang an einem Stück. Gleich­zei­tig zeugt er von ihrer Genau­ig­keit und Per­fek­ti­on. Mich fas­zi­niert die Kon­zen­tra­ti­on, die von einer Webe­rin aus­geht. Ich spü­re den Reich­tum die­ser Lebens­wei­se, die­se Geduld und Ruhe. Wenn in einem Dorf ein Todes­fall pas­siert, wird eine Woche lang nicht gear­bei­tet. Die­se Tra­di­ti­on ver­dient unse­ren Respekt.

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Desi­gne­rin Lila Valadan

Leben die Familien noch nomadisch?

Zum Teil ja, zum Teil nein. Die Zivi­li­sa­ti­on geht nicht an ihnen vor­bei. Oft stu­die­ren die Kin­der und möch­ten die­ses har­te Leben nicht mehr füh­ren. Aber die Tra­di­ti­on der
Vor­fah­ren begeis­tert und macht die Men­schen stolz, so kön­nen sich vie­le nicht ganz von ihrer aut­ar­ken Lebens­wei­se trennen.

Wird es bald keine Knüpferinnen mehr geben?

Nein, wir pfle­gen lang­jäh­ri­ge Bezie­hun­gen zu den Fami­li­en, die für uns arbei­ten. Und auch jun­ge Frau­en ent­schei­den sich noch für die­sen Beruf. Alle Ira­ner lie­ben den Tep­pich und unse­re Knüp­fe­rin­nen glau­ben an das, was sie tun. Sie wis­sen: Sie sind Teil einer Natio­nal­tra­di­ti­on, Teil eines Kunstwerks.

Wie sind Sie persönlich in die Arbeit involviert?

Ich bin bei jedem Arbeits­schritt dabei. Wir suchen gemein­sam die Wol­le aus. Wenn wir die Far­ben bestim­men, fah­re ich in eine Gegend, wo es die bes­ten Krapp-Pflan­zen gibt. Je älter das Fär­ber­krapp ist, des­to schö­nes wird der Rot­ton der Gar­ne. Oft besu­che ich die Knüp­fe­rin­nen und set­ze gemein­sam mit ihnen alte Vor­la­gen um.

Wie wichtig ist die Tradition für Sie?

Alle mei­ne Mus­ter haben mit der Geschich­te und Tra­di­ti­on zu tun. Um rich­tig modern zu sein, musst du dich mit der Tra­di­ti­on aus­ein­an­der­set­zen. Dann hast du eine Visi­on und kannst dei­nen Weg verfolgen.

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Für welche Teppicharten schlägt Ihr Herz?

Ich lebe mei­ne Indi­vi­dua­li­tät aus. Da mache ich kei­ne Unter­schie­de zwi­schen Flach­ge­we­be oder Tep­pich, zwi­schen flo­ra­len oder geo­me­tri­schen Mus­tern. Bei den Flach­ge­we­ben kön­nen wir grö­ße­re Maße anbie­ten, das ver­leiht ihnen eine majes­tä­ti­sche Aus­strah­lung. Ich mag gro­ße Tep­pi­che, ich lie­be die Großzügigkeit.

Worauf sollte man bei der Wahl eines Teppichs achten?

Ein Tep­pich muss sich der Wohn­si­tua­ti­on anpas­sen. Aber er darf nicht nur har­mo­ni­sie­ren, es muss auch eine Span­nung erzeu­gen. Und ver­trau­en Sie Ihrem Gefühl.

Was verrät der Teppich über einen Besitzer?

Sehr viel. Unse­re Kun­den ent­schei­den sich für ein beson­de­res Stück, auf das sie manch­mal lan­ge war­ten. Unse­re Tep­pi­che sind sehr nach­hal­tig. Ich glau­be der Mensch gehört in die Natur und mit einem Tep­pich kommt ein Gar­ten zu ihm ins Wohn­zim­mer. Wir arbei­ten nur mit Natur­ma­te­ria­li­en und Pflan­zen­far­ben. Unse­re Kun­den kön­nen sich mit den Tep­pi­chen iden­ti­fi­zie­ren, denn sie ste­hen für die­sel­ben Wer­te, an die sie glauben.

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Noch mehr zum The­ma Boden und Tep­pi­che gibt’s auch in der aktu­el­len Aus­ga­be DECO HOME 2/19.

Inter­view: Ani­ta Güpping

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