Über Sinn und Unsinn: Interview mit Lacroix-Designer Sacha Walckhoff zum Welttag des Designs

Desi­gner Sacha Walck­hoff über sei­ne Arbeit als „maxi­ma­lis­ti­scher Mini­ma­list“ bei Chris­ti­an Lac­roix Maison.

Es kann schon viel sein, ein Ambi­en­te ganz in Chris­ti­an Lac­roix. Man­chen viel­leicht zu viel. Aber gera­de dar­um geht es Crea­ti­ve Direc­tor Sacha Walck­hoff: die gro­ße Ges­te, den Zau­ber, das Mehr. Seit eini­gen Jah­ren ent­wirft der Mode­de­si­gner auch Hau­te Cou­ture für den Raum. Wir tra­fen ihn inmit­ten sei­ner Stoff­kol­lek­tio­nen, um her­aus­zu­fin­den, was und vor allem wer hin­ter den Fan­ta­si­en steckt.

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Mode­de­si­gner Sacha Walckhoff

 

Wie stel­len Sie sich die Men­schen vor, die ihr Zuhau­se in Ihrem Design kleiden?
Da gibt es so vie­le Mög­lich­kei­ten. Es gibt die gro­ßen Fans, die alle Räu­me kom­plett in Lac­roix gestal­ten. Aber ich ver­su­che, ver­schie­de­ne Sti­le zu inspi­rie­ren. Wenn ich mei­ne Kol­lek­tio­nen öffent­lich prä­sen­tie­re, arran­gie­re ich sie natür­lich luxu­ri­ös, ziem­lich stark, ziem­lich maxi­ma­lis­tisch. Was, glau­be ich, sti­lis­tisch auch eine der gro­ßen Ten­den­zen für die Zukunft ist.

Das sehen wir genau­so: eine Art neue Moderne.
Exakt. Aller­dings lie­be ich es auch, über­rascht zu wer­den: wenn jemand mein Design auf eine Wei­se insze­niert, mit der ich nicht gerech­net hätte.

Füh­len Sie sich wie ein Bot­schaf­ter oder sogar Rebell?
Ja, doch. Neu­lich habe ich in einem Maga­zin eine Home­sto­ry gese­hen, viel Beige, wenig Far­be. Und plötz­lich waren da ein paar Lac­roix-Kis­sen. Dass Men­schen mit einem kla­ren, mini­ma­lis­ti­schen Geschmack so ein Bedürf­nis ver­spü­ren! Ich habe das Gefühl, dass sich das Fan­tas­ti­sche oder Far­bi­ge ganz lang­sam sei­nen Weg bahnt. Eine gute Zeit für uns.

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Fan­ta­sie­vol­ler Mus­ter­mix: die aktu­el­le Home Collec­tion von Chris­ti­an Lacroix

 

Das Fantastische bahnt sich langsam seinen Weg“

 

Kön­nen Sie sich erklä­ren, wes­halb gedeck­te Far­ben wie Beige und Grau über­haupt so beliebt sind?
Ich glau­be, sie sind ent­span­nend. Vie­le wol­len kei­ne Rei­ze in ihrem Zuhau­se. Ande­re wis­sen ein­fach nicht, wie man Far­ben kom­bi­niert. Weil das eine sehr spe­zi­el­le Fähig­keit ist.

Ist sie rein intuitiv?
Das hat schon etwas mit Instinkt zu tun. Manch­mal ist es aber auch eine Fra­ge der Erzie­hung oder Aus­bil­dung. Grund­sätz­lich ist es eben ein­fa­cher, Beige, Weiß oder Schwarz ein­zu­set­zen. Als ob man sich zum Aus­ge­hen zurecht­macht und etwas Schwar­zes anzieht, viel­leicht mit etwas Wei­ßem dar­un­ter. Man sieht gut aus. Selbst wenn man kei­nen Geschmack hat. Ich glau­be aber, dass immer mehr Men­schen davon gelang­weilt sind und mal etwas aus­pro­bie­ren wol­len. In ver­schie­de­nen Abstufungen.

zum Arti­kel: „Far­ben gekonnt kom­bi­nie­ren

 

Ihr Design wird oft mit Ihrer Per­sön­lich­keit ver­knüpft. Kön­nen Sie das in Wor­te fassen?
Ja, das ist sehr leicht: Ich bin ein maxi­ma­lis­ti­scher Mini­ma­list. Wenn ich das sage, lachen erst mal alle. Aber wis­sen Sie, ich bin in der Schweiz aus­ge­bil­det wor­den und in mei­ner Kind­heit war skan­di­na­vi­sches Design der gro­ße Hype. In Paris habe ich daher anfangs für sehr mono­chro­ma­ti­sche Brands gear­bei­tet. Dass ich bei Lac­roix gelan­det bin, war ein Unfall. Jetzt bin ich seit fast 25 Jah­ren hier. Ich habe gelernt, wie man all die­se kom­ple­xen For­men zusam­men­setzt. Aber ich bin immer noch, wer ich bin. Und ich glau­be, was ich gelernt habe und was ich bin, ergibt eben einen guten Mix. Der Kon­trast ist es, der alles inter­es­sant macht.

Kann die Inte­ri­or-Bran­che von der Fashion-Bran­che etwas ler­nen – oder umgekehrt?
Sie sind sehr unter­schied­lich, allein schon wegen der Inter­val­le. Die Mode­in­dus­trie erneu­ert sich mitt­ler­wei­le alle drei Mona­te, bei der Ein­rich­tung geschieht das inner­halb meh­re­rer Jah­re. Das ent­spannt mich und auch qua­li­täts­tech­nisch ist das sehr wich­tig. Weil man Zeit hat, die rich­ti­gen Lini­en und Mate­ria­li­en zu fin­den. Man kann heu­te in der Mode­welt oft sehen, sogar bei den gro­ßen Mar­ken, dass die Stof­fe nicht die Qua­li­tät haben, die sie haben soll­ten, oder der Schnitt nicht so schön ist, wie er sein könn­te. Da kön­nen die Desi­gner oft gar nichts dafür, das ist der Eile geschul­det. Ich weiß, wie das ist. Man braucht Zeit, um Schö­nes her­vor­zu­brin­gen. Und die Mode­in­dus­trie hat sie nicht mehr. Daher glau­be ich, dass sie sich auf das Wesent­li­che besin­nen soll­te. Nicht mehr so vie­le Din­ge anzu­bie­ten, son­dern wie­der Qua­li­tät und Know-how regie­ren zu lassen.

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Flo­ra­le Designs zu tex­ti­len Strei­fen­mus­tern: so insze­niert Sacha Walk­hoff die aktu­el­le Kol­lek­ti­on von Chris­ti­an Lacroix

Das wür­de zumin­dest viel bes­ser zum aktu­el­len Zeit­geist pas­sen: dem Wunsch, Din­ge zu ver­lang­sa­men, zu wis­sen, wo Mate­ria­li­en oder Zuta­ten herkommen.
Ganz genau. Die gro­ßen Häu­ser brin­gen mitt­ler­wei­le bis zu 15 Kol­lek­tio­nen im Jahr her­aus. Fünf­zehn! Wer braucht das? Ich kau­fe drei Anzü­ge im Jahr, nicht 15. Das ist gro­ßer Unsinn. Des­we­gen ist es für mich schön, heu­te haupt­säch­lich im Life­style-Bereich zu arbei­ten. Weil das Timing mir sehr viel mehr ent­spricht. Man hat Zeit, sich Gedan­ken zu machen, Pro­to­ty­pen zu ent­wer­fen und sie auch wie­der zu ver­wer­fen, wenn sie nicht funk­tio­nie­ren. Ich fin­de, das schul­den wir unse­ren Kun­den. Das ist mein Luxus.

 

www.christian-lacroix.com
Inter­view: Chris­ti­na Pearce

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