Design-Ferienhaus: ein Luftschloss in Südafrika

Bit­te rein­kom­men und raus­schau­en: Mit smar­ten Tricks und Stil­ge­spür erwei­ter­ten zwei krea­ti­ve Kap­städ­ter ihren Hori­zont. Ein Lehr­stück über gute (Innen-)Architektur.

Ein zwei­fel­haf­tes Gestal­tungs­merk­mal moder­ner Archi­tek­tur liegt in der bedin­gungs­lo­sen Reduk­ti­on. Sie mani­fes­tiert sich all­zu oft in einer Lee­re, die der Bewoh­ner spä­ter nicht zu fül­len wagt. Greg Tru­en, Archi­tekt und Besit­zer des in Stein gemei­ßel­ten Gegen­be­wei­ses am Shel­ley Point, bringt’s auf den Punkt:

Schönheit ist eine sehr vernachlässigte Eigenschaft der Architektur. Und auch bei der Innenarchitektur wird oft vergessen, dass Menschen darin leben müssen.“

Grund­sätz­lich gel­te: Ein Bau soll­te die Lebens­qua­li­tät sei­ner Bewoh­ner ver­bes­sern. Dazu das Kli­ma der Umge­bung regu­lie­ren, gleich­zei­tig mit die­ser ver­bin­den und am Ende auch noch schön anzu­se­hen sein. Dass Greg die­se Prin­zi­pi­en beherrscht, zeigt sich in der zwei Stun­den nörd­lich von Kap­stadt gele­ge­nen Sil­ver Bay Vil­la. Das Wochen­end-Retre­at ist eine Ode an den Weitblick.

Suedafrika_Ferienhaus_Shelley_Point_Saota_GAP 0135978

Des­sen wahn­wit­zigs­te Wir­kung ent­fal­tet sich im Augen­blick der Ankunft: Der Bun­ga­low ist auf und an einem Dünen­kamm gebaut. Besu­cher betre­ten also von der Rück­sei­te kom­mend das Ober­ge­schoss, das sich in wand­ho­hen Fens­tern dem Atlan­tik öff­net. „Die Süd­afri­ka­ner lie­ben Häu­ser, die sie mit der Außen­welt ver­bin­den. An der West­küs­te, wo Sil­ver Bay liegt, wird die Tra­di­ti­on reet­ge­deck­ter, wei­ßer Cot­ta­ges gepflegt. Damit woll­ten wir nicht bre­chen und doch etwas bau­en, das uns krea­tiv reizt.“ Eine Hori­zont­er­wei­te­rung im dop­pel­ten Sinne.

Suedafrika_Ferienhaus_Shelley_Point_Saota_GAP 0136008

Das Design mit sei­nen natür­li­chen Mate­ria­li­en und Far­ben zitiert die Küs­ten­land­schaft vor der Tür. Inter­es­sant wird das Gesamt­kon­zept aber erst durch ein paar cle­ve­re Tricks. Die Ver­bin­dungs­tre­ben unter dem Reet­dach sind kei­ne Euka­lyp­tus­holz-Bal­ken wie der Rest der Kon­struk­ti­on, son­dern dün­ne Stahl­ge­stän­ge – das macht den Look luftiger.

Suedafrika_Ferienhaus_Shelley_Point_Saota_SilverBay_1a_Int_106_Stairwell_003_gt

Für das Inte­ri­or misch­ten Greg und sei­ne Frau Liz, eine Wohn­zeit­schrif­ten­re­dak­teu­rin, Design­klas­si­ker und Natur­tö­ne mit soge­nann­ten „Wild­cards“ auf: Einen etwas ver­leb­ten Vin­ta­ge-Holz­tisch zu Eames-Chairs, über­gro­ße Leuch­ten und XL-Sofa zum Used-Look-Kelim.

Suedafrika_Ferienhaus_Shelley_Point_Saota_GAP 0135984   GAP 0135990.jpg

Neben dem erhöh­ten Ein­gang und der offe­nen Living-Area brach­te die Natur selbst die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen. Wer die Küs­te von Süd­afri­ka kennt, spür­te mit hoher Wahr­schein­lich­keit schon mal den „South-Eas­ter­ly“ durch Hemd und Haar toben – ein pene­tran­ter Wind, prag­ma­tisch benannt nach sei­ner Her­kunfts­rich­tung. Doch die­se bringt nicht nur Wind, son­dern auch Son­ne und Meer. Die kom­plett ver­glas­te Vil­len­front reckt sich daher mit Fug und Recht gen Osten. Aber eben nicht ganz: Greg ver­schob die Fas­sa­de um 15 Grad Rich­tung Süden. Im Unter­ge­schoss gestal­te­te er sie zusätz­lich in Zick­zack­li­ni­en, um die dahin­ter lie­gen­den Schlaf­zim­mer zur lich­ten, aber sturm­frei­en Zone zu machen.

Suedafrika_Ferienhaus_Shelley_Point_Saota_SilverBay_1a_Int_B01_Playroom_001_ec

Suedafrika_Ferienhaus_Shelley_Point_Saota_GAP 0136011

In den so ent­stan­de­nen Fens­ter­ecken wur­den abge­run­de­te Vor­hang­schie­nen in die Beton­de­cke ein­ge­las­sen – für beschützt-gemüt­li­ches Höh­len-Fee­ling in der Nacht. Wes­halb der Vor­hang in moder­ner Archi­tek­tur oft ein Sta­tis­ten- bis gar kein Leben führt, wis­sen Greg und sei­ne Frau Liz nicht sicher zu sagen. „Viel­leicht den­ken vie­le, dass er in über­bor­den­dem Zier­rat ver­wur­zelt ist, also dem Gegen­teil des­sen, wofür moder­ne Archi­tek­tur steht. Aber mitt­ler­wei­le gibt es so vie­le fan­tas­ti­sche Stof­fe, die eine archi­tek­to­ni­sche Qua­li­tät haben.“ Liz emp­fiehlt: Tex­ti­li­en immer ihrem Zweck anpas­sen, dar­auf ach­ten, dass sie Son­ne und ande­ren Wet­ter­la­gen trot­zen. Und bei Gar­di­nen in gutes Mate­ri­al inves­tie­ren, das nicht extra gesäumt wer­den muss. „Das macht den Look so viel lässiger.“

Suedafrika_Ferienhaus_Shelley_Point_Saota_GAP 0136002

Liz hat ihren smar­ten Läs­sig-Look mit der Welt ver­zahnt, die Sil­ver Bay umgibt und in die sie immer wie­der ein­tau­chen will – ohne Ver­falls­da­tum. „Die Idee soll­te sein, so kom­for­ta­bel, unge­zwun­gen und ele­gant zu leben wie mög­lich. Aus wel­cher Kul­tur, Ära oder Desi­gnepo­che man die­se Schön­heit zitiert, bleibt jedem selbst über­las­sen. Oder auch ein Mix aus allen drei­en? Wich­tig ist nur, den gewähl­ten Style dann auch durch­zu­zie­hen – von Anfang bis zum süßen Ende.“

Suedafrika_Ferienhaus_Shelley_Point_Saota_GAP 0135991

Design und Archi­tek­tur: Sao­ta Archi­tects  / Fotos: Sven Alberding/Bureaux/GAP Interiors

Hei­ßer Tipp für Süd­afri­ka-Rei­sen­de: Sil­ver Bay wird auch an Urlaubs­gäs­te ver­mie­tet. Bis zu acht Selbst­ver­sor­ger plus Kids haben Platz: www.silver bay.co.za

FacebookTwitterPinterestWhatsAppEmailPrint
Empfohlene Artikel