Mit ihrer Handschrift vereinen Raphaël Le Berre und Thomas Vevaud die kühne Designströmung Memphis und elegante Elemente des Art déco zu einer ungewöhnlichen Symbiose. Das neue Apartmentprojekt Plaine Monceau im 17. Arrondissement ist neben ihrer Galerie in Paris ein Aushängeschild für den Stil des Designduos. Hier erklären wir, was ihn ausmacht.

Das Pariser Apartment Plaine Monceau aus dem 19. Jahrhundert wurde vor der Einrichtung neu strukturiert, um es den Ansprüchen eines modernen Familienzuhause anzupassen. Für ein zusätzliches Schlafzimmer musste ein Teil des Flurs weichen. Im Wohnzimmer wiederum fielen einige Trennwände, was Größe erzeugt, Licht hinein fluten lässt und den Raum direkt mit der Küche verbindet.

Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Wohnzimmer©Stephan Julliard decohome.de

Vasen-Trio auf dem Tisch: Hippolyte Chambost © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Die Devise: Altes erhalten, Neues integrieren

Wegen ihrer Vorliebe für hochwertige Handwerkskunst restaurierten die beiden Designer von Le Berre Vevaud all die ursprünglichen Details aus dem 19. Jahrhundert wie die Wandvertäfelung, die schmiedeeisernen Balkone, die kunstvollen Zierleisten und Fischgrätparkettböden. Der gewachsene Raum ermöglichte es neue ästhetische Horizonte zu erschließen und innovative Designlösungen zu finden. Das Dekor prägt ein Mix aus Antiquitäten, Kunst, überraschenden Formen und Farbflächen sowie den reichen Texturen der Möbelkollektion aus der eigenen Galerie in Paris.

Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Kaminzimmer©Stephan Julliard decohome.de

Skulptur neben dem Kamin: Francois Marie Arnold Thevenin © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Nur wer die Form kennt, kann sie brechen

In der Einrichtung des Pariser Apartments dominieren Stile des 20. Jahrhunderts – üppige Farben und kräftige geometrische Formen erinnern an die plakative Designbewegung Memphis, dazu schafft Art déco Mobiliar aus eleganten Materialien wie Velours einen interessanten Kontrast. Das helle Farbschema fordert vielschichtige Texturen und Farbakzente, wie etwa die mit safranfarbenem Stoff gepolsterten Sessel und das italienische Nieren-Sofa aus den 1950er Jahren (Glustin Gallery). Ein besonderer Twist im Wohnzimmer und im Flur sind die rechteckigen Farbflächen, die einen Kontrast zur Wandverkleidung in Kassettenoptik erzeugen. Angrenzend an eine leuchtend blaue Fläche im Eingangsbereich hängt der passend dazu kuratierte konkave Spiegel von Christophe Gaignon.

„Wir sind Kunstliebhaber, daher legen wir großen Wert darauf, einzigartige, zeitgenössische Kunstwerke in die Projekte unserer Kunden zu integrieren. Normalerweise sind die ausgewählten Werke unsere persönlichen Favoriten mit bestimmten Farben, Linien und Formen, um die Ästhetik des Designprojekts zu ergänzen. Die Leidenschaft für dekorative Elemente ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit“, so Raphaël Le Berre.

Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Flur©Stephan Julliard decohome.de

Das Gemälde von Hannah Whitaker ist in seiner Farbigkeit Brücke und Kontrapunkt zugleich

Unter dem Spiegel: Die „Bélize“-Konsole mit weißer Marmorplatte von Le Berre Vevaud. „Ein neues Möbelstück für die Kollektion unserer Galerie in Paris entsteht meist während eines Interior-Projektes wie diesem. Es muss einen Raum füllen, wo kein anderes Stück passt. So können wir unseren Stil ergänzen und gleichzeitig eine echte Neuheit schaffen“, erklärt Thomas Vevaud.

Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Kunstwerk Flur©Stephan Julliard decohome.de

So wird eine Küche einzigartig

Die Küche ist das Kommunikationszentrum der Wohnung: Eine eckige, asymmetrisch geschnitzte Granitinsel ist das Herzstück und gruppiert Hocker aus massivem Walnussholz um sich. Der riesige Kronleuchter aus strukturiertem weißen Gips von Gilles & Bossier lenkt noch mehr Aufmerksamkeit ins Zentrum. Wo andere einen Fliesenspiegel oder Stein als Rückwand gewählt hätten, entschied sich das Designduo für ein schimmerndes „Meteoriten“-Fresko. Es wurde im Auftrag der Pariser Dekor-Malerin Solène Eloy entworfen und spiegelt die Farbpalette der Kücheninsel wider. Der Boden ist mit schwarzem Granitpflaster aus Simbabwe veredelt, das in das Eichenparkett mit Fischgrätmuster eingebettet ist.

Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Designer©Stephan Julliard decohome.de
 
Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Designer©Stephan Julliard decohome.de
Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Kueche©Stephan Julliard decohome.de
 
Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Kueche©Stephan Julliard decohome.de
Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Kueche Details Kunst©Stephan Julliard decohome.de
 
Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Kueche Details Kunst©Stephan Julliard decohome.de

„Runde Formen sind unsere klare Linie“

Das Schlafzimmer ist der Ruhepohl der Wohnung. Gedämpfte Blautöne schaffen Gelassenheit und einen sanften Ausgleich im Vergleich zu den elektrisierenden Akzenten im Flur. „Kreativität steht für uns immer an erster Stelle“, betont Thomas Vevaud. „In der experimentellen Phase des Gestaltens suchen wir Materialien und Farbpaletten, beraten uns gegenseitig und verfeinern individuelle Ideen. Raphaël und ich haben ganz unterschiedliche Biographien. Gemeinsam bringen wir dann Harmonie in unsere Projekte. Runde Formen sind unsere klare Linie – der Rest kann variieren. So auch der Schlaf- und Wohnbereich in Plaine Monceau.“

Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Schlafzimmer©Stephan Julliard decohome.de

Im Schlafzimmer ist es die Kunst („Untitled Mars Yard“ von Marina Gaddoneix), die sanfte Töne spannend einfängt

Auch im Badezimmer wird Harmonie großgeschrieben: Weißer Marmor mit leichten Kajallinien bildet das Gegenstück zum bekanntesten Design von Le Berre Vevaud: Hocker Barth aus Nero Marquina-Marmor. Bis auf wenige Chrom-Akzente bleibt der Rest minimalistisch. In dieser Räumlichkeit noch immer selten gesehen: Ein Bild als Dekorationselement, hier von Pierre Bonnefille.

Galerie in Paris Le BerreVevaud Plaine Monceau Bad©Stephan Julliard decohome.de

Plaine Monceau ist das perfekte Beispiel für den Designcharakter à la Berre Vevaud: An allererster Stelle steht der vorhandene Raum und seine architektonische Identität. Den gilt es kennenzulernen und wertzuschätzen, bevor man in ihn investiert. Der Einrichtungsstil der beiden, die Wahl der Farben und die Möbel schmiegen sich dann wie eine Seele um den Körper. Sie schaffen Neugier und Kontrast. „Ein gut gestalteter Raum soll für uns Emotionen und Empfindungen wecken“, so Raphaël Le Berre und Thomas Vevaud.

Das Portrait der Designer und mehr über die Galerie in Paris lesen Sie in DECO HOME 4/2022.

www.leberrevevaud.com

Text: Sabrina Holland / Fotos: Stephan Julliard