Interiordesignerin wurde Stefanie Wolf eher unerwartet. Als ihr beim Wohnungskauf der Grundriss nicht gefiel, legte sie kurzerhand selbst Hand an und gestaltete die Räume neu. Mit ihrem Studio Wolf in Offenbach am Main pflegt sie eine Handschrift, die mal mutig ist und bunt, manchmal leiser und zurückhaltend, doch immer einem roten Faden folgt. Hier erklärt die Einrichterin, weshalb es wichtig ist, auch mal mutig zu sein und Farbe zu bekennen.

Portrait Studio Wolf decohome.de

(Foto: Hannah Lea Schwiegelhofer-Raczuhn)

Frau Wolf, Sie haben viele Jahre im Bereich Marketing und Vertrieb gearbeitet – was gab den Ausschlag, Ihr eigenes Designstudio zu gründen? 

Angefangen hatte alles vor rund sieben Jahren mit dem Kauf unserer Eigentumswohnung, die sich damals noch im Rohbau befand. Mir gefiel der Grundriss nicht sonderlich gut, auch war die Detailplanung nicht wirklich in unserem Sinne. Also habe ich die Architektenpläne geändert, die Wände verschoben, den Elektroplan angepasst und das Bad neu geplant. Damals alles noch handschriftlich. Doch dann hatte ich sprichwörtlich Blut geleckt und wollte mich zu dem Thema weiterbilden. Ich entschloss mich, ein Onlinestudium im Bereich Interiordesign zu absolvieren, meinen Job zu kündigen und zunächst als Freelancerin bei anderen Firmen zu mehr praktischer Expertise zu gelangen. Vor drei Jahren habe ich dann die Entscheidung gefällt, mein eigenes Studio zu gründen.

Sitzecke Studio Wolf decohome.de

Für mehr Wohnlichkeit sorgen Farbe und Stoffe, wie in dieser Bürogestaltung am Frankfurter Goetheplatz. (Foto: Florian Zenk)

Sie richten sowohl Privathäuser, als auch öffentliche Räume wie Büros oder Cafés ein. Was macht hier jeweils den Reiz aus? 

Bei B2B Projekten – vor allem Büros – vertrauen die Kunden auf unsere Expertise und überlassen uns meist vollständig die Entscheidungen. Hier kann man oft etwas mutiger sein als bei Privatkunden, wobei man sagen muss, dass das auch immer vom Bauherren abhängt. Bei privaten Projekten ist es vorwiegend der ganzheitliche Ansatz, den wir spannend finden. Jeder Raum erzählt eine Story, die zu den Bewohnern des Hauses passt. Im öffentlichen Raum ist es wiederum die Corporate Identity der Firma beziehungsweise der Brand, die wir in den Räumlichkeiten aufleben lassen.

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Jedes Projekt sollte auf den Kunden zugeschnitten sein, egal ob privat oder geschäftlich, findet Stefanie Wolf. Die Identität schafft sie dabei vor allem durch Farben und Materialien. (Florian Zenk)

Gibt es Räume, die Sie besonders gerne einrichten?

Bäder! Die sind meist trist und weit entfernt davon, eine Wohlfühl-Oase zu sein. Unserer Meinung nach gehört aber in jedes Haus eine eigene „Spa Zone”. Ein Ort, an dem man abschaltet, sich ein entspanntes Bad gönnt und den Tag ausklingen lässt. Dazu kommt, dass eine Umgestaltung der Bäder oft den größten Wow-Effekt erlangt. Auch sind unsere Kunden hier oftmals etwas mutiger als in den Wohnräumen, und legen besonderen Wert auf hochwertige und nachhaltige Materialien.

Wenn Sie mit Studio Wolf ein neues Projekt beginnen: Wie läuft der Gestaltungsprozess ab? 

Zu Beginn jedes Projekts versuchen wir den Kunden und dessen Wünsche erst einmal besser zu verstehen. Was sind die Vorlieben, welche Interessen haben sie, gibt es gewisse Sehnsuchts-Orte? Daraus leiten wir dann ein sogenanntes Style-Board ab. Wir geben meist zwei Varianten zur Auswahl, welche dann weiter vertieft werden. Anschließend wird unsere Farb- und Materialauswahl gemeinsam mit dem Grundriss-Entwurf und der 3D-Visualisierung besprochen. Wir begehen das Objekt virtuell Raum für Raum und zeigen unsere Vorschläge für Farben, Tapeten, Mobiliar, Vorhänge, Dekoration, Beleuchtung, etc. und bemustern daraufhin alles bei uns im Showroom.

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Was für Stefanie Wolf in einer gut geplanten Küche nicht fehlen darf? Der Hingucker, der Gäste bei jedem Besuch staunen lässt.
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Stefanie Wolf Küchengestaltung decohome.de
Das kann von besonderen Lichtakzenten...
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Stefanie Wolf Küche Kaffeebereich decohome.de
... über versteckte Stauräume...
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Studio Wolf Küche Design Armatur schwarz decohome.de
...bis hin zu stilvollen Küchengadgets reichen. (Fotos: Florian Zenk)
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Was inspiriert Sie dabei? 

Natürlich sind all die Messen immer eine tolle Inspirationsquelle, von der Maison & Objet in Paris bis hin zum Salone del Mobile in Mailand. Doch auch Reisen, nicht nur im europäische Ausland, sondern vor allem in den fernöstlichen Ländern oder Mittelamerika, inspirieren mich sehr in Bezug auf Farben, Muster und Materialien. Ich finde man sollte öfter seine Komfortzone verlassen und den Alltagsstress hinter sich lassen. So findet man die meiste Inspiration.

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Mehr Mut zur Farbe, lautet die Devise der Interiordesignerin. (Foto: Jasmin Pompetzki)
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Ihr Offenbacher Showroom ist das beste Beispiel. (Foto: Stefanie Wolf)
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Hier nimmt sie Kunden die Angst vor mutigen Farbkombinationen. (Foto: Hannah Lea Schwiegelhofer-Raczuhn)
Studio Wolf Showroom ph Hannah Lea Schwiegelhofer Raczuhn decohome.de

Was macht für Sie ein stimmiges Einrichtungskonzept aus? 

Wir wollen Räume erlebbar machen. Sie sollen alle Sinne ansprechen und ein roter Faden sollte erkennbar sein. Das gelingt entweder durch ein übergeordnetes Thema oder bestimmte Materialien und Farben, sodass am Ende im Zusammenspiel alles miteinander harmoniert.

Haben Sie dabei einen Tipp, um im Handumdrehen mehr Wohnlichkeit zu schaffen? 

Farben und Textilien! Weiße Wände alleine wirken kühl, da können schöne Vorhänge und Stoffe Wunder bewirken.

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Für mehr Wohnlichkeit greift Stefanie Wolf zu einem Mix aus Farben und Stoffen. (Foto: Florian Zenk)

Thema Farbigkeit: Wie wichtig ist Ihnen das in Projekten? 

Sagen wir so: Weiße Wände gibt es bei uns selten. Wir lieben spannende Farbkombinationen. Sei es in Form von Wandfarben, Stoffen oder Tapeten, wobei viele Kunden eher helle oder cremige Töne bevorzugen. Hier Bedarf es dann manchmal ein wenig Überzeugungsarbeit. Oft hilft die Farbwahl in unserem Showroom, um dem Kunden die Angst vor Farbe zu nehmen. Sprich: Auch mal eine Decke etwas dunkler zu streichen, als die Wände. Oder mit kräftigen und gesättigten Farben zu arbeiten, vor allem in Räumen, in denen man sich zeitlich eher kurz aufhält.

Wie würden Sie selbst den Stil von Studio Wolf beschreiben?

Definitiv eklektisch. Es passiert nicht selten, dass in unseren Projekten wild gemixt wird, ob tropisches Flair, das auf Pariser Chic trifft, oder mediterrane Einflüsse, die sich mit einem zeitgenössischen Look vereinen.

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Am liebsten paart Stefanie Wolf in ihren Arbeiten verschiedene Stile und Einflüsse miteinander. (Foto: Studio Wolf)

Und zum Abschluss: Welches Projekt würde Sie in Zukunft besonders reizen? 

Ich würde sagen, ein kleines Boutique Hotel. Wie eben erwähnt, liebe ich verschiedene Stile und Einflüsse. Gerade kleine Hotels in Frankreich, Griechenland oder auf Bali haben ihren ganz eigenen Charme, das reizt mich sehr. Immer, wenn ich meinen Urlaub in einer dieser schönen Unterkünfte verbringe, träume ich davon, selbst einmal eins einzurichten. In einem Hotel kann man die Customer Experience doch noch ganz anders denken als in einem Privathaus, etwa was die Nutzung der Räume anbelangt. Auch fände ich es spannend, mit den dort vorhanden Materialien und Ressourcen zu arbeiten und das ansässige Handwerk mit einzubinden. Ich bin gespannt, was 2024 an tollen Projekten für uns bereit hält.

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Weiße Wände gibt es bei Studio Wolf selten. Lieber greift sie zu spannenden Farbkombinationen, etwa gemusterte Vorhänge, Tapeten oder Wandfarben. (Foto: Florian Zenk)

www.studio-wolf.de