Der Berliner Architekt Fabian Freytag erklärt, was man beim Wohnzimmer einrichten beachten sollte und welche Rolle die Augenhöhe dabei spielt.

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Der Berliner Interiordesigner Fabian Freytag fand und suchte nie den einen Stil: „Jedes Projekt hat eigene Spielregeln.“ (Foto: Kozy Studio Berlin)

Der Grundsatz

„Gerade das Wohnzimmer muss man radikal um seine eigenen Bedürfnisse planen.“ Weil Gäste heutzutage fast nur noch an Küchentresen und Esstisch empfangen werden und ein Raum nicht um die Frage geplant werden sollte, ob man dort an Weihnachten gut zusammensitzen kann.

Wohnzimmer einrichten: Mein Sofa, die Insel

Die Platzierung des Sofas markiert seit jeder den Anfang aller Überlegungen. „Es gibt immer diesen Wohlfühlort, der meistens in der hintersten Ecke gegenüber des Eingangs ist. Das kommt noch von den Höhlenmenschen: den Fressfeind im Blick.“ Das passende Möbel dazu sollte mindestens 90 Zentimeter tief sein. „Abends will man nicht aufrecht sitzen mit einem Buch auf dem Schoß. Da willst du rumlümmeln.“

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Einbau für die herausfordernde Saphire-Architektur von Daniel Libeskind in Berlin. (Foto: Wolfang Stahr)
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Für ein Projekt in Berlin-Kreuzberg entschied sich Freytag für das modulare Sofa Extrasoft von Living Divani (Foto: Kozy Studio Berlin).
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Ein weiteres Credo für Herrendorf: Jedes Zimmer sollte Salon-Charakter haben. (Foto: Kozy Studio Berlin)
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Der Grundriss

Dass alles immer flexibel bleiben muss, hält Freytag für einen Trugschluss. „Ein Raum hat eine Energie und es gibt für jeden eine absolut sinnhafte Gliederung. Die wirst du nicht über Bord werfen.“ Bei offenen Grundrissen denkt er in Funktionen, lockeren Teilungen. Das können „Mini-Gesten“ wie Pflanzen sein, Teppiche als Definitionshilfe oder Regale und Vorhänge, die längliche Räume zum bequemen Kubus stutzen. Alles entscheidende Frage: Auf welcher Höhe findet welcher Raum statt? Es gehe darum, einen Horizont zu bauen mit Möbeln und Lichtquellen. „Es ist die Augenhöhe, die Wohnlichkeit macht.“ Zentrale Deckenlichter und -fluter am Abend? Für Freytag die reinste Schauder-Show.

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Bei diesem Grundriss bot sich der abtretbare Sitzerker fast zwingend an. (Foto: Kozy Studio Berlin)

Weltgewandt, aber nicht steif

Bei aller Sophistication sind es die Brüche, die das Portfolio des Einrichtens so interessant und zugänglich machen. Freytag nennt es das Augenzwinkern, also die Einrichtung nicht zu perfekt zu machen. Das kann mit Objekten stattfinden oder mit verspielten Elementen, etwa einem Teppich, der das Karo des Couchtisches aufnimmt. Oder indem stilistische Themen überhöht werden – „gerade an Stellen, wo man sagen würde: Das macht man nicht oder das darf man nicht. Ich mag den Moment, dann beginnt es lustig zu werden.“

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Fabian Freytag führt keinen Showrom, sondern eine Suite. (Foto: Kozy Studio Berlin)

Beim Wohnzimmer einrichten den richtigen Ton treffen

Für Freytag gleicht die Gestaltung des Wohnzimmers einer Art Szenografie, die es zu erfassen gilt. „Worauf liegt der Fokus? Was sagt der Raum schon? Wie laut machst du was in welchem Setting? Und vor allem, wie viel schreist du da noch rein?” Ist die Basis einmal da, geht es ans Feinjustieren. Ein paar leise Töne hier, ein zartes Klimpern dort, und dann das Statement-Piece. Alles in allem sei das aber immer ein Prozess, den es zu durchlaufen gelte. 

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Eigenentwurf: Beistelltisch „Chic“, hier in gestapelter Ausführung. (Foto: Kozy Studio Berlin)

Stiller Held: die Raumakustik

Damit das Wohnzimmer, das heute in den meisten Fällen einem offenen Grundriss unterliegt, trotz der Größe gemütlich wirkt, kommt es auf eine gute Raumakustik an. Und die gelingt vor allem durch den Einsatz von stofflichen Elementen wie Teppichen, Vorhängen und Polstermöbeln. Dinge also, die einen Raum nahbar und wohnlich machen. 

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Spannende Symbiose: Für Herrendorf Interior Design übersetzte der Einrichter „ein großes Erbe ins Jetzt“. (Foto: Kozy Studio Berlin)

www.fabianfreytag.com

Dieser Artikel erschien zuerst in unserem DECO GUIDE 2024. →Hier können Sie kostenlos darin blättern. Und wer gleich loslegen will, findet →hier unsereChecklisten zur Wohnzimmergestaltung.